+
Donald Trump macht Druck und Huawei spürt so langsam die Abhängigkeit vom US-Markt (Symbolbild).

Huawei

Digitale Frontlinien zwischen USA und China

  • schließen

Die Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen China zeigen: Der neue Kalte Krieg spielt entlang der Technik-Lieferketten.

Chinas Technologiesektor beginnt die Abhängigkeit von den USA schmerzhaft zu spüren. Der Telekomkonzern Huawei muss seit Montag um eine wichtige Grundlage für sein Handy-Geschäft bangen: Google entzieht ihm die Rechte an der Nutzung der eigenen Dienste. Dazu gehören Updates für das kostenlose Betriebssystem Android, aber auch Karten- und E-Mail-Anwendungen. Grund ist ein Dekret von US-Präsident Donald Trump. Amerikanische Unternehmen brauchen künftig eine Genehmigung, um Technikprodukte an bestimmte chinesische Firmen zu liefern. Darunter fallen neben Software wie Android auch Mikrochips.

Die Liefersperre – die von den USA nun zwar für 90 Tage etwas aufgeweicht wird, damit da Dekret Nutzer von Huawei-Produkten nicht sofort trifft – kann Chinas Techniksektor ernsthaft schaden. Auch wenn die große Masse der weltweit gebauten Technikprodukte aus China kommt, so sind deren Hersteller doch auf Spezialteile aus westlichen Ländern angewiesen. Dazu gehören beispielsweise die besonders stromsparenden Chips, die gleich mehrere Funktionen wie Prozessor und Grafikausgabe in einem Aufwasch übernehmen. In solchen Chips steckt enormes Wissen, das zudem durch Patente geschützt ist.

Xi Jinping setzt sich bei Donald Trump für ZTE ein

Im Frühjahr des vergangenen Jahres hatte ein entsprechendes US-Embargo bereits den chinesischen Telekommunikationsausrüster ZTE an den Rand des Ruins getrieben. Erst als Präsident Xi Jinping sich bei Trump für ZTE einsetzte, ließ dieser die Lieferung notwendiger Chips wieder zu. Trump hat von damals gelernt, dass er die Chinesen durch solche Lieferverbote schnell gefügig machen kann. Dieser Konflikt könnte für China nun zum Weckruf werden, grundlegende Software künftig selbst zu entwickeln.

Ein vollständig chinesisches Betriebssystem für Computer und Handys ist schon lange Wunsch der Regierung. Es laufen mehrere Projekte des Militärs, der Wissenschaftsakademie und der Universitäten. Doch keines der Vorhaben reicht bisher an Windows, Linux oder Android heran, weshalb sich bislang niemand wirklich dafür interessierte. Der neue kalte Krieg im Technik-Sektor dürfte nun eine starke Motivation liefern, hier Druck zu machen, um zur Marktreife zu gelangen. Ein Problem bleibt jedoch: Ein Betriebssystem ist witzlos, wenn es dafür nicht auch viele Apps gibt. Das große China wäre hier vermutlich weltweit als einziges Land in der Lage, einen App-Store mit eigenen Anwendungen zu füllen.

China kämpft gegen die Dominanz de Silicon Valley

Die Regierung in Peking könnte zunächst die Entwicklung des eigenen Betriebssystems mit Subventionen fördern und seine Nutzung dann zur Pflicht machen. Für die USA wäre der Schuss dann nach hinten losgegangen: China würde mehr eigene Lösungen entwickeln und wäre ein stärkerer Konkurrent als je zuvor, während die Dominanz des Silicon Valley schwinden könnte. Huawei setzt schon heute deutlich mehr auf eigene Chips als noch vor drei Jahren.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war die gegenseitige Abhängigkeit der zwei großen Volkswirtschaften USA und China nur ein Thema in Fachkreisen – in der Praxis hat sich kaum jemand daran gestört. China ist der größte Kreditgeber der USA, während die USA der größte Abnehmer von Chinas Waren sind. Jetzt wird die Abhängigkeit zum Thema. Und das könnte enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare