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Das Podest für ein Gruppenfoto der chinesischen und US-Handelsdelegation kann aufgestellt werden.

USA und China

Handelskrieg abgesagt

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Höhere US-Strafzölle für China sind vorerst vom Tisch. Die Verhandlungen gehen weiter.

US-Präsident Donald Trump hat höhere Strafzöllen für chinesische Produkte auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Weltweit sorgt das für Aufatmen unter Anlegern. Wir erläutern, wie die Chancen für eine Einigung stehen und was dies für Europa bedeutet.

Gibt es konkrete Ergebnisse der Handelsgespräche?
Trump hat per Twitter lediglich mitgeteilt, es habe bei den Verhandlungen zwischen der US-Delegation und Vertretern der chinesischen Regierung am Wochenende „produktive Gespräche“ und „substanzielle Fortschritte“ gegeben. Die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete am Montag von erheblichen Fortschritten bei zentralen Fragen wie dem Schutz geistigen Eigentums, Technologietransfers und Wechselkursen. US-Handelsminister Wilbur Ross twitterte, Peking habe sich verpflichtet, weitere zehn Millionen Tonnen Sojabohnen aus den USA zu kaufen. Das lässt sich als weiteres Entgegenkommen der Chinesen interpretieren. Denn Trump geht es auch darum, neue Absatzmärkte für US-Farmer zu erschließen, die eine wichtige Wählergruppe für ihn sind.

Wie haben die Finanzmärkte auf die Nachrichten reagiert?
Allenthalben gingen die Kurse an den Aktienmärkten nach oben. Der Leitindex der Börse von Shanghai kletterte am Montag um 5,5 Prozent. Der Deutsche Aktienindex notierte am Nachmittag auf einem neuen Jahreshoch von mehr als 11 500 Punkten. Händler sehen ein Bemühen beider Seiten, eine Einigung zu erreichen. Die US-Regierung erhebt Strafzölle von zehn Prozent auf chinesische Importe mit einem jährlichen Volumen von rund 200 Milliarden Dollar. Peking hat mit Vergeltungszöllen reagiert. Eigentlich wollte die US-Regierung zum 1. März sogar auf 25 Prozent erhöhen. Ökonomen haben vielfach gewarnt: Der Handelskrieg schade nicht nur den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, es bestehe auch die Gefahr einer globalen Wirtschaftskrise.

Wie weit sind beide Seiten von einer Einigung entfernt?
Trump teilte mit, wenn weitere Fortschritte erzielt würden, werde es ein Gipfeltreffen mit Präsident Xi Jinping in seinem Domizil Mar-a-Lago in Florida geben, um eine Vereinbarung zu unterzeichnen. Laut Xinhua könnten aber neue Unsicherheiten nicht ausgeschlossen werden. In der Endphase könnten die Verhandlungen noch einmal komplizierter werden. US-Medien zufolge, ist bei vielen Firmen, die mit der Volksrepublik Handel treiben, die Skepsis nach wie vor groß. Auch Ker Gibbs, Präsident der amerikanischen Handelskammer in Shanghai, äußerte sich zurückhaltend. Er teilte dem Finanzdienst Bloomberg mit: Das Fehlen von Details über bislang erzielte Kompromisse bedeute, dass greifbare Vorteile für seine Mitgliedsfirmen bislang nicht zu erkennen seien. Viele US-Unternehmen in China beschweren sich vor allem über den Diebstahl geistigen Eigentums, über den Zwang zu Technologietransfers und über staatliche Subventionen für chinesische Firmen. Manager fordern, dass all dies nachprüfbar abgestellt wird, was einer der entscheidenden Knackpunkte bei den Verhandlungen sein dürfte.

Können die Gespräche noch scheitern?
Das ist zumindest in weitere Ferne gerückt. Vieles spricht dafür, dass auch Trump ein Scheitern der Verhandlungen in jedem Fall verhindern will. Als Bestätigung für diese These wird von Beobachtern gewertet, dass er kein weiteres Ultimatum gesetzt hat. Es soll wohl einfach so lange weiter verhandelt werden, bis beide Seiten sich einig sind.

Was haben die Verhandlungen mit China mit anderen Projekten Trumps zu tun?
Auffällig ist, dass die Fortschritte in den Handelsgesprächen vor dem zweiten Gipfeltreffen Trumps mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un verbreitet werden, der wiederum eng mit der chinesischen Regierung verbandelt ist. Gut möglich, dass Verhandlungen über Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel mittelbar mit Fortschritten über einen Handelsdeal zu tun haben könnten.

Was bedeutet all dies für die EU?
Vereinbarungen mit China könnten in Teilen als Blaupause für einen Kompromiss mit der EU dienen. Insbesondere beim Thema Agrarimporte. Dass Ross das Thema Sojabohnen ausdrücklich anspricht, ist für die Auseinandersetzung mit den Europäern bemerkenswert. Denn die US-Regierung will auch durchsetzen, dass US-Farmer mehr von ihren Produkten auf dem Alten Kontinent absetzen können. Es geht neben Soja um andere Feldfrüchte wie Mais und Weizen, aber auch um Fleisch. Als Hebel, um dies durchzusetzen, droht Trump mit Strafzöllen von 25 Prozent auf Autoimporte aus der EU. Eine Öffnung des Agrarmarktes würde vor allem die französischen Bauern treffen, die stark von Subventionen und der Abschottung des Marktes profitieren. Und Ärger mit Bauern kann Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor der Europawahl nicht auch noch gebrauchen.

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