Kommentar zum US-Ausstieg der Telekom

Halbherzig

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Die Telekom hat viel Geld jenseits des Atlantiks versenkt. Die US-Tochter jetzt zu verkaufen, ist der richtige Schritt. Halbherzig ist aber, dass aus dem Erlös des Verkaufs fünf Milliarden Euro in Aktienrückkäufe gesteckt werden sollen.

Endlich ist Telekom-Chef René Obermann über seinen Schatten gesprungen. Er hat getan, was fast ein Jahrzehnt lang bei der Telekom das größte Tabu war: Er hat den größten Fehler des früheren Konzernchefs Ron Sommer korrigiert und die Mobilfunktochter T-Mobile USA verkauft.

Dass Obermann dabei einen relativ guten Preis von umgerechnet 28 Milliarden Euro erzielte, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Telekom jenseits des Atlantiks viel Geld versenkt hat – der Mobilfunker wurde einst für rund 40 Milliarden erworben. Zudem sind enorme Investitionen nach USA geflossen.

Dennoch konnte das US-Mobilfunkgeschäft nur halbherzig ausgebaut werden. Denn die Telekom musste auch im Heimatmarkt und bei den Mobilfunktöchtern in anderen europäischen Ländern investieren. Zugleich haben sich die Aktionäre einiges geleistet – die wichtigsten Anteilseigner sind der deutsche Staat und der US-Finanzinvestor Blackstone. Großzügige Dividenden hat die Telekom ausgeschüttet, und der Kurs der T-Aktie wurde mit Rückkäufen von Anteilscheinen gestützt.

Die US-Tochter jetzt zu verkaufen, ist der richtige Schritt – Hightech-Firmen werden momentan in den USA wieder hoch bewertet. Halbherzig ist aber, dass aus dem Erlös des Verkaufs fünf Milliarden Euro in Aktienrückkäufe gesteckt werden sollen. Die Telekom verhält sich so, als wisse sie nicht, wohin mit dem Geld. Dabei gibt es all überall Baustellen. Als Erstes muss das Mobilfunknetz für die Welt der Smartphones und iPads fit gemacht werden. Alleine dafür wären die fünf Milliarden gut investiert. Mit Aktienrückkäufen aber bringt sich die Telekom um ihre Zukunftschancen.

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