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Produktion bei Hachez Chocolade in Bremen.

Schokolade

Hachez zieht nach Polen

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Der Bremer Schokoladen-Hersteller Hachez verlagert die Produktion nach Polen.

Keine vier Wochen ist es her, dass der Geschäftsführer des Schokoladen- und Pralinenherstellers Hachez, Christian Strasoldo, die Bedeutung des Firmensitzes Bremen hervorhob: „Bremen und Hachez sind stark verwoben. Die Bremer Identität ist wichtig und bildet eine starke regionale Verankerung“, sagte er damals dem „Weser-Kurier“. Umso heftiger schlug am Donnerstag die Nachricht ein, dass die 1890 gegründete Traditionsfirma in etwa zwei Jahren wahrscheinlich ihre komplette Produktion nach Polen verlagert, auch für die Schwestermarke Feodora. Nur noch Marketing und Vertrieb sollen am Stammsitz bleiben.

So wünscht es sich der dänische Mutterkonzern Toms. Wie viele der fast 250 Bremer Stellen dafür geopfert werden, ist noch offen. Auf jeden Fall verliert die Hansestadt damit schon wieder ein Aushängeschild. 2017 hatten bereits Kaffee Hag und das einzige deutsche Kellogg’s-Werk für immer ihre Tore geschlossen.

Neue Fabrik in Nowa Sol

Toms will im polnischen Nowa Sol eine neue Fabrik bauen und dort mit einem nicht näher benannten „führenden Hersteller von Premium-Schokoladen“ Süßwaren herstellen, wie die Dänen jetzt mitteilten. Nach der Fertigstellung des Neubaus soll auch die Bremer Produktion schrittweise in den Osten verlagert werden. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, so Toms-Chef Carsten Thomsen.

Hachez und Feodora nicht mehr aus Bremen? Das wäre vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen. Ins Wanken geriet diese Sicherheit erstmals 2012: Die damaligen Eigentümer Hasso Nauck und Wolf Kropp-Büttner verkündeten völlig überraschend, dass sie Hachez und Feodora an die Toms-Gruppe verkauft hätten, den größten dänischen Süßwarenkonzern.

2015 der nächste Einschnitt: Erstmals verlagerte Hachez Arbeitsplätze ins Ausland. Seitdem werden die Bremer Naschereien in Polen verpackt.

Dutzende weitere Stellen wurden 2016 gestrichen. Denn das Unternehmen war in die roten Zahlen geraten – zu stark die Billigkonkurrenz, zu hoch die Rohstoffpreise. „Die Situation ist ernst, und wir müssen unserem Eigentümer zeigen, dass wir schwarze Zahlen erreichen können“, sagte damals eine Hachez-Sprecherin der FR.

Offizielle Zahlen rückt die Firma nicht heraus. Dem Vernehmen nach soll der Verlust 2015 rund 2,5 Millionen Euro betragen haben, bei 50 Millionen Umsatz. Auch 2017 standen unterm Strich wohl noch Minuszahlen. „Das war aber so geplant“, sagt Dieter Nickel von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Für 2018 ist eine Null geplant, der Umsatz steigt, alle Kennzahlen sind im Plan“, so Nickel.

Seine Kollegin Iris Münkel reagierte am Donnerstag „mit Empörung und Unverständnis“ auf die Umzugspläne. „Damit sollen nun die Beschäftigten für die jahrelangen Fehler des Managements büßen.“ Die Belegschaft sei schon wiederholt in Vorleistung getreten, etwa durch Verzicht auf Weihnachtsgeld. „Hier werden grundlos 240 berufliche Existenzen aufs Spiel gesetzt“, kritisiert die Gewerkschafterin und kündigt Widerstand an – bis hin zu Streiks.

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