Roboterhersteller

Was haben die Chinesen mit Kuka vor?

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Der Chef des Roboterbauers Kuka, Till Reuter, steht möglicherweise vor der Ablösung.

Die Übernahme der Augsburger Technologieperle Kuka durch den chinesischen Hausgerätehersteller Midea vor zwei Jahren war ein ausgesprochenes Politikum. Weil ein Ausverkauf von Hightech an immer zahlreicher auftretende Investoren aus dem Reich der Mitte befürchtet wurde, haben deutsche und EU-Politiker in der Folge versucht, Schutzzäune dagegen hochzuziehen.

Ein vehementer Verfechter der Übernahme von Kuka durch Midea war seinerzeit Kuka-Chef Till Reuter, der das Engagement der Chinesen bis zuletzt immer wieder verteidigt und von neuen Wachstumschancen des Augsburger Roboterbauers in China geschwärmt hatte. Nun verhandelt er seinen vorzeitigen Abgang unter Umständen, die vorerst im Dunkeln bleiben.

Trennung erfolgt unerwartet

Reuter und Kuka-Aufsichtsratschef Andy Gu führen Gespräche über die vorzeitige Beendigung der Vorstandstätigkeit des Mannes, der seit 2009 an der Spitze des Roboterherstellers steht, erklärten die Augsburger am Wochenende wortkarg und ohne weitere Erläuterung in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Nur dass die Sache noch nicht beschlossen ist, weil im Aufsichtsrat noch nicht darüber beraten wurde, ließ Midea-Topmanager Gu noch mitteilen. Das lässt Vorbehalte gegen Midea als Kuka-Eigner wieder aufflammen.

Denn erstens wäre Reuters Vorstandsvertrag noch bis Ende 2022 gelaufen. Er war im Frühjahr 2017 in Vertrauen auf die chinesisch-deutsche Zusammenarbeit entsprechend verlängert worden. Zweitens war eine der umfangreichen Zusagen, mit denen Midea 2016 nicht nur das Kuka-Management sondern auch Gewerkschaften und Belegschaft besänftigt und auf die eigene Seite gezogen hatte, die Unabhängigkeit des Kuka-Managements. Personifiziert wurde diese vor allem durch den Verbleib von Reuter an der Spitze der Augsburger. Insofern schrillen nun in der Fuggerstadt die Alarmglocken. Speziell das Personal dürfte sich fragen, was andere Midea-Zusagen hinsichtlich Jobs und Standorten noch wert sind.

Ein Grummeln hinter vorgehaltener Hand war vor Ort zuletzt schon mehrfach zu vernehmen gewesen. Früchte habe die Zusammenarbeit mit den Chinesen für Kuka auch nach zwei Jahren noch nicht gebracht, wurde kritisiert. Zwar ziehe Midea keine Aktivitäten nach China ab. Neue Investitionen flössen aber vor allem dorthin. Die Chinesen würden Kuka an die kurze Leine nehmen und im Tagesgeschäft mitreden wollen, heißt es nun. Sollte es tatsächlich so kommen, wären die Tage einer unabhängigen Kuka-Führung damit beendet – mit ungewissem Ausgang. 

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