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Gutes Klima, gute Arbeit

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Die Politik knickte ein, statt den Menschen in den Revieren klar zu sagen, dass der CO2-reiche Energieträger eher schneller als später auslaufen muss. Jetzt ist es fünf vor zwölf.

Da haben sie recht, die Beschäftigten aus der Kohleindustrie: „Ohne gute Arbeit kein gutes Klima.“ Über 15 000 haben im Rheinland machtvoll demonstriert, um Druck auf die Kohlekommission zu machen. Natürlich darf die Politik die Kumpel und Kraftwerksmitarbeiter nicht im Stich lassen, wenn sie endlich einen Kohleausstiegsplan beschließt, um beim Klimaschutz wieder in die Spur zu kommen. Darüber gibt es gar keine Diskussion, denn Vorschläge genau dafür zu machen, ist ja der Job der Kommission. 

Allerdings: Die alte Platte immer wieder neu aufzulegen, hat keinen Sinn. In der Vergangenheit haben es die fossilen Energiekonzerne wie RWE im Rheinland und Leag in der Lausitz zusammen mit den gut organisierten Gewerkschaften geschafft, die Energiewende im Kohlesektor mit dem Jobargument auszubremsen. Die Politik knickte ein, statt den Menschen in den Revieren klar zu sagen, dass der CO2-reiche Energieträger eher schneller als später auslaufen muss. Jetzt ist es fünf vor zwölf, und die Kommission muss buchstäblich die Kohlen aus dem Feuer holen. Und hier die gute Nachricht: Mit den bisher bekannt gewordenen Vorschlägen für den Strukturwandel könnte das zu schaffen sein. 

Es ist überfällig, dass die Gewerkschaften dabei eine konstruktivere Rolle einnehmen - getreu dem vom DGB auf der Demo selbst ausgegebenem Motto, Klima und Arbeitsplätze dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine gut gemachte Energiewende ist eine Jobmaschine, die bundesweit viel mehr Arbeitsplätze bringt, als in der Kohle verloren gehen. Der Kohleausstieg ist sogar der Turbo dafür. Auch das muss zählen.

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