Web Summit

Ein guter Rat

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Der Chef des Energiekonzerns Shell, Ben van Beurden, gibt der Tech-Branche Nachhilfe in Ethikfragen.

Facebook verbreitet politische Propaganda, Google werden Nutzerdaten geklaut, Amazon wird von den Wettbewerbshütern wegen möglicherweise unerlaubter Geschäftspraktiken unter die Lupe genommen – eine Branche, die bis vor kurzem noch ein glanzvolles Image und die Bewunderung vieler genoss, sieht sich mit immer mehr Skandalen, Skepsis und Kritik konfrontiert. 

Zeit, sich Rat von einer skandalumtosten, skandalgestählten Branche Tipps zu holen. Ben van Beurden, Chef des niederländischen Ölkonzerns Shell sprach der Tech-Welt am Donnerstag auf der weltgrößten Technologiekonferenz Web Summit ins Gewissen. „Ein gesundes Unternehmen ist ein ethisches Unternehmen“, sagte van Beurden. „Ein unethisches Unternehmen ist ein krankes Unternehmen.“ Firmen sähen sich heute damit konfrontiert, dass sie das Vertrauen der Gesellschaft sehr schnell verlieren könnten. Das sei ein gutes Zeichen. Das gebe einem die Chance, umzusteuern.

Als Grundsatz müsse heute für jedes Unternehmen gelten: „Richte keinen Schaden an, schade nicht den Menschen und nicht der Umwelt.“ Wenn man Fehler gemacht habe, müsse man Folgendes tun, so van Beurden: „Erstens: sich entschuldigen. Zweitens: aus den Fehlern lernen. Drittens: den Schaden beheben.“ Das seien die Grundlagen, und im Prinzip seien die Grundlagen einfach. Doch im Alltag zeige sich immer wieder, dass es nicht so einfach sei, dafür zu sorgen, dass sich ein Unternehmen richtig verhalte.

„Wenn wir an Nigeria denken, dann haben wir das nicht immer geschafft“, so der Shell-Chef. Dort hat sich das Unternehmen massive Verfehlungen geleistet. Zum Beispiel hat es erst mit zehnjähriger Verspätung angefangen, die Strände aufzuräumen, die durch einen Pipeline-Bruch in den Jahren 2008 und 2009 verschmutzt wurden. Außerdem sieht sich Shell mit Vorwürfen konfrontiert, in den 1990er Jahren in der Ölregion Ogoniland in den Mord, die Vergewaltigung und Folter von Menschen involviert gewesen zu sein.

Es braucht Transparenz

„Wir dürfen nicht in Liebe verfallen mit unseren Produkten“, so van Beurden. Die Gesellschaft habe manchmal andere Vorstellungen davon, was richtig und was falsch sei. Das müsse man als Unternehmen akzeptieren und sich in gesellschaftliche Prozesse einbringen. „Vertrauen kann nur verdient und behalten werden, wenn man die Erwartungen der Gesellschaft erfüllt.“ Dazu brauche es volle Transparenz hinsichtlich der eigenen Handlungen. „Geben Sie der Öffentlichkeit jeden Grund, Ihnen zu trauen, und keinen Grund, Ihnen nicht zu vertrauen“, appellierte van Beurden an die Tech-Gemeinschaft.

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