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Sie sind unter den ersten zehn der am wenigsten klimaschädlichen Airlines: die deutschen Ferienflieger TUIfly und Condor.

Airline Index

Mit gutem Gewissen fliegen?

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Die Unterschiede beim CO2-Ausstoß der verschiedenen Airlines sind enorm. Das zeigt der Airline Index (AAI) der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair.

Klimafreundlich fliegen. Geht das? Eigentlich nicht. Ein Flug von Frankfurt nach New York und wieder zurück kann mit einer etwas älteren Maschine pro Passagier mehr als 2500 Kilogramm an CO2-Emissionen erzeugen. Dabei verfügt ein Mensch aber jährlich rechnerisch nur über ein Gesamtbudget von 2300 Kilogramm – wenn er oder sie klimaverträglich leben will.

Gemeint ist ein Lebensstil, der mit dem Ziel kompatibel ist, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. Aber immerhin kann der Urlauber oder die Geschäftsfrau zumindest mehr oder weniger klimafreundlich fliegen. Die Unterschiede beim CO2-Ausstoß der verschiedenen Airlines sind enorm. Das zeigt der Airline Index (AAI) der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair. 

Unter den Top Ten: Thomson Airways, TUIfly, Thomas Cook, Condor

Wer sich mit einer Maschine von Thomson Airways ans Urlaubsziel bringen lässt, kann das mit einem einigermaßen guten Gewissen tun. Die Tochter des Tourismusriesen TUI liegt im aktuellen AAI an der ersten Stelle. Auf Platz vier folgt der deutsche Ableger TUIfly. Unter den ersten Zehn ist auch die Flugsparte des Konkurrenten Thomas Cook nebst der hiesigen Condor vertreten.

Dass diese Ferienflieger weit vorne platziert sind, hat relativ einfache Gründe, die nicht unbedingt Jubel bei den großgewachsenen Passagieren auslösen. TUI etwa bestuhle die Flugzeuge „fast maximal“ und erreiche eine „sehr hohe Auslastung“, so die Atmosfair-Experten.

Beides führt zwar zu beschränkter Bein- und Bewegungsfreiheit der Fluggäste, drückt aber deren CO2-Ausstoß pro Kopf und bringt deshalb viele Punkte in der AAI-Wertung. Hinzu kommt, dass der Konzern aus Hannover durch die Bank neue, relativ sparsame Maschinen einsetzt. Vor allem die große Version der Boeing 737. Ähnliches gilt für Condor, allerdings wird hier vornehmlich mit der A320-Familie von Airbus operiert. 

Sechs Ferien- oder Charterflieger sind unter den zehn umweltfreundlichsten Airlines. Das hat viel mit deren Geschäftsmodell zu tun: Sie können relativ einfach so disponieren, dass kaum Sitze freibleiben. Die Pauschalreisen inklusive Flug, die die Muttergesellschaften – etwa Thomas Cook oder Tui – im Paket verkaufen, erleichtern dabei die Kapazitätsplanung. 

Klassische Netzwerk-Airlines haben es erheblich schwerer. Dass aber auch dort einiges möglich ist in puncto Auslastung, zeigt die zweitplatzierte chilenisch-brasilianische Latam. Unter den europäischen Linienfliegern hat die niederländische KLM noch die beste Bewertung geschafft, allerdings mit schon deutlichem Abstand als Nummer 17. Die Lufthansa rangiert weit abgeschlagen auf Platz 66, noch hinter der viel geschmähten Alitalia. Die Atmosfair-Experten weisen darauf hin, dass Deutschlands größte Fluggesellschaft inzwischen zwar moderne Maschinen einsetzt – in den vergangenen drei Jahren wurden viele neue Jets in Dienst gestellt. Das Manko sei aber, dass LH „durch die unterdurchschnittliche Bestuhlung“ Punkte liegen lasse. Was nicht nur die Klimafreundlichkeit beeinträchtigt, sondern auch zu höheren Kosten führt.

Bei der alljährlichen AAI-Bewertung werden die Billigflieger in der Gesamtrangliste ausgeklammert, weil sie unter besonders günstigen Bedingungen arbeiten. Sie erhalten vielfach Subventionen, „und erzeugen damit Flüge, die sie sonst nicht zu den niedrigen Preisen hätten anbieten können“, so Atmosfair. Ohne die Unterstützung gebe es viele Flüge überhaupt nicht, was null CO2-Emissionen bedeuten würde. Gleichwohl wurden Low-Coster in Effizienzklassen einsortiert. Vor Easyjet und Eurowings rangiert Ryanair weit oben. Der Grund: Die Iren, die wegen fragwürdiger Arbeitsbedingungen in der Kritik stehen, schaffen es, dass im Schnitt mehr als 95 von 100 Sitzen verkauft werden. 

Mit Blick auf die Klimaziele macht Atmosfair darauf aufmerksam, dass insgesamt nur eine von zehn Airlines es schafft, trotz eines Plus bei den geflogenen Kilometern die CO2-Emissionen zumindest konstant zu halten. Die zur Begrenzung der Erderwärmung notwendige Entkopplung von Verkehrswachstum und Kohlendioxid-Emissionen sei damit weiterhin nicht in Sicht. Für Dietrich Brockhagen, Atmosfair-Geschäftsführer, ist deshalb klar, dass Effizienzsteigerungen allein nicht reichen werden. Er fordert deshalb „neue, synthetisch und CO2-neutral hergestellte Treibstoffe für eine Klimawende im Flugverkehr“. An diesen E-Fuels wird weltweit geforscht. Es geht darum, mit grünem Strom zunächst Wasserstoff zu erzeugen, der dann in weiteren Umwandlungsprozessen auch zu Kerosin für Flugzeuge verarbeitet werden kann. Allerdings ist dieser Treibstoff unverkäuflich, weil er um ein Vielfaches teurer als Sprit ist, der aus Erdöl hergestellt wird. 

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