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Globales Projekt Klimaschutz: Installation zur „Earth Hour“ in der vergangenen Woche in Berlin.

Treibhausgasemissionen

Die gute Klimabotschaft

Der Ausstoß von Treibhausgasen ist 2018 in Deutschland gesunken. Das lag auch am heißen Sommer. Er erschwerte die Auslieferung von Öl und Kohle.

Die Treibhausgasemissionen sind in Deutschland im vergangenen Jahr um 38 Millionen Tonnen zurückgegangen. Das entspricht einer Minderung um 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – so viel hat Deutschland seit 2014 nicht mehr abgebaut. Dies geht aus einer vorläufigen Bilanz des Umweltbundesamtes hervor, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

Der Rückgang bei den Emissionen ist auch witterungs- und preisbedingt. Weil 2018 in weiten Teilen des Landes lange der Regen ausblieb und die Flüsse Niedrigwasser hatten, konnten die Frachter mit Heizöl und Steinkohle nicht wie gewohnt fahren. Öl und Kohle waren deshalb zeitweise knapp und teurer.

„Diesen Sondereffekt bemerken wir in der neuen vorläufigen Klimabilanz“, sagte Schulze. „Es wurde weniger Steinkohle verbrannt, es wurde weniger Heizöl gekauft, und es wurde weniger Benzin oder Diesel getankt. Man könnte sagen, hier bedroht der Klimawandel seine eigenen Ursachen, nämlich die Belieferung mit fossilen Energien“, so die Ministerin.

Die Ministerin rätselt noch

Gleichzeitig sei der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Strommix auf 38 Prozent gestiegen. „Das lag vor allem an dem sonnigen Wetter, das für einen neuen Rekord beim Solarstrom gesorgt hat“, sagte Schulze. „Aber auch bei Strom aus Windkraft ging es nach oben.“

Der Verkehr produzierte 2018 fünf Millionen Tonnen Emissionen weniger als im Vorjahr. Warum das so ist, daran rätsele sie noch, sagte Schulze. Benzin und Diesel seien 2018 teurer als in den Vorjahren gewesen. „Das könnte eine Erklärung sein.“ Wegen der tendenziell gestiegenen Emissionen im Verkehrsbereich seit 1990 steht dieser bei Umweltschützern besonders in der Kritik.

Die vorläufige Bilanz ist noch einigen Ungenauigkeiten unterworfen. Die genauen Zahlen für 2018 stünden erst 2020 zur Verfügung, sagte Schulze. Man wisse einfach nicht, ob die Leute zum Beispiel Investitionen verschoben haben. Ob sie die Bestellung von Öl für ihre Heizung einfach vertagt und damit für eine Delle in der Statistik gesorgt haben. „Das kann man alles noch nicht ganz genau sehen.“

Neben den besonderen Wetterbedingungen hat Schulze zufolge auch eine politische Maßnahme Wirkung gezeigt: die Reform des europäischen Emissionshandels. „Das macht sich vor allem bei den Steinkohlekraftwerken bemerkbar, hier gehen die Emissionen deutlich zurück.“

Dass im Oktober 2018 zwei Braunkohlekraftwerke vom Netz gegangen sind, dürfte sich jedoch noch nicht besonders bemerkbar machen, sagte die Umweltministerin. „Aber es gibt bereits einen Rückgang bei den CO2-Emissionen aus Braunkohle, und dieser Trend wird 2019 weitergehen.“ Im Herbst sollen zwei weitere Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen.

Durch den Rückgang 2018 hat Deutschland seine Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 30,6 Prozent gesenkt, bis 2030 sollen es 55 Prozent sein. Bis zur Mitte des Jahrhunderts, also 2050, sollten die CO2-Emissionen global bei null liegen, fordert der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen in seinem jüngsten Positionspapier.

Autor: Elena Butz

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