Bilanzfälschung

Gutachten entlastet Wirecard

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Anwaltskanzlei findet keine wesentlichen Bilanzmanipulationen.

Seit Anfang Februar stand der Dax-Aufsteiger Wirecard aus Aschheim bei München unter schwerem Verdacht. Manager in Singapur sollen Umsätze erfunden und die Bilanz gefälscht haben, hatte die britische Finanzzeitung „Financial Times“ enthüllt und die Aktie auf Talfahrt geschickt. In der Folge musste die deutsche Finanzaufsicht Bafin eingreifen und Spekulationen auf fallende Wirecard-Kurse verbieten. Nun liegt ein mit Spannung erwartetes Rechtsgutachten auf dem Tisch, das Wirecard weitgehend entlastet.

Die Münchner Konzernzentrale habe sich keiner strafrechtlichen Verfehlungen schuldig gemacht, heißt es darin. Finanzielle Unregelmäßigkeiten beträfen nur kleine Summen, was „einzelne lokale Angestellte in Singapur“ zu verantworten hätten. Die haben sich nach dortigem Recht möglicherweise strafbar gemacht.

Binnen weniger Minuten nach Veröffentlichung des Gutachtens schoss die Aktie des Zahlungsdienstleisters um zeitweise ein Viertel auf über 120 Euro nach oben. So sieht Erleichterung bei Börsianern aus. Vor den Verdächtigungen hatte das Papier allerdings bei über 160 Euro notiert.

Die Untersuchung der Rechtsanwaltskanzlei Rajah & Tann in Singapur hatte Wirecard selbst 2018 in Auftrag gegeben. Wesentliche Manipulationen der Bilanzen 2017 und 2018 wurden nicht zutage gefördert. Im Geschäftsjahr 2017 sei ein Umsatz von 2,5 Millionen Euro falsch verbucht worden, was nun rückwirkend korrigiert wird. Zum Vergleich: 2017 hat der Konzern rund 1,5 Milliarden Euro umgesetzt. 2018 sei zudem ein Vermögensgegenstand im Wert von drei Millionen Euro für einen Zeitraum von einer Woche falsch bilanziert worden. Außerdem haben die Gutachter nicht näher bezeichnete und offenbar angreifbare Vertragsentwürfe entdeckt, von denen es aber nur eine einzelne Transaktion über 63 000 Euro in die Bücher von Wirecard geschafft hat.

Darin kann man einen Betrugsversuch vermuten. Komplett verleumderisch, wie von Wirecard stets behauptet, waren die Berichte der „Financial Times“ damit zwar nicht. Sie haben aber erkennbar die Dimension eines Sturms im Wasserglas. Eine Zusammenfassung des Berichts hat Wirecard im Internet veröffentlicht.

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