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Der Fortschrittsdiskurs kennt nur eine Richtung: Digitalisierung und Automatisierung.

Hightech

"Gut genug" ist gut genug

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Die Welt braucht keinen Hightech-Schnickschnack. Die Welt braucht keine Waschmaschinen, die sprechen können. Der Fortschrittswahn führt in die Irre.

Viel ist derzeit von Smart City die Rede und dem Internet der Dinge. App-gesteuerte Luxuswagen, die alleine einparken und uns nicht mehr brauchen. Haushaltsgeräte, die mit dem Supermarkt kommunizieren und mit Smartphones aktiviert werden. Autos, die in den Fabriken ihre nächste Montagestation von ganz alleine ansteuern und dem Roboter sagen, was er tun soll. Brillen, die uns Arbeitsanweisungen aufs Auge projizieren, weil das Ausbildung überflüssig macht?

Der Fortschrittsdiskurs kennt nur eine Richtung: Digitalisierung und Automatisierung. Fast jede zweite Tätigkeit soll in Zukunft von Computern oder Automaten erledigt werden können, sagt die Deutsche Bank. Je "einfacher" die Arbeit, desto unwahrscheinlicher ist es, dass der Mensch dafür noch gebraucht wird. Doch was braucht der Mensch?

Ziel dieses Fortschrittswahns sind schon lange nicht mehr wir, sondern Wachstum und Marktanteile auf dem Weltmarkt. Die Wettbewerbsfähigkeit muss gesichert werden und das - so hören wir täglich - schaffen wir als "knowledge based economy" nur, wenn wir den Anschluss an die Hightech-Welt der Googles dieser Welt nicht verlieren. Tun wir aber merkwürdiger Weise in wichtigen Märkten neuerdings doch. Und zwar genau deshalb.

Deutschlands Automobilindustrie, der Maschinenbau und andere wichtige Branchen bekommen Gegenwind. "Good enough" ist das Zauberwort, mit dem "frugale Innovationen" und Produkte aus China oder Indien ihnen in Massenmärkten den Rang ablaufen. Vor allem Indien macht es heute vor. Die Welt braucht keinen Hightech-Schnickschnack, sie braucht Produkte und Dienstleistungen, die einfach sind, langlebig und für alle bezahlbar.

Weder umweltfreundlich noch smart

Die Überlebensfrage ist nicht: Wie können wir noch mehr Hightech in Produkte packen und Komplexität immer weiter erhöhen? Die Frage ist: Wie können wir die grundlegenden Bedürfnisse aller Menschen und auch derjenigen, die in der Einkommenspyramide unten stehen, möglichst nachhaltig befriedigen. Die Welt braucht keine Waschmaschinen, die sprechen können. Die Welt braucht Waschmaschinen, die mindestens 15 Jahre lang das tun, wofür wir sie benötigen: waschen. Aber genau das können die Hightech-Waschmaschinen heute seltener denn je. Das ist weder umweltfreundlich noch smart und inklusiv schon gar nicht. Und auf Dauer auch nicht erfolgreich.

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