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Günstiger Strom für alle

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Von: Joachim Wille

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Bürgerenergie-Projekt in Bonn: Der selbst produzierte Strom wird ins Netz eingespeist.
Bürgerenergie-Projekt in Bonn: Der selbst produzierte Strom wird ins Netz eingespeist. © dpa

Eine Analyse zeigt: Fast jeder Haushalt könnte künftig Mitglied in regionalen Energiegemeinschaften werden und von Preisvorteilen profitieren.

Strom selber machen – das ist heute zumeist eine Sache für Einfamilienhaus-Besitzerinnen und -Besitzer, die sich eine Solaranlage aufs Dach schrauben lassen und dann typischerweise 30 bis 70 Prozent des eigenen Elektrizitätsverbrauchs damit abdecken können. Doch das Potenzial ist längst nicht ausgeschöpft. Sogar über 90 Prozent aller Haushalte könnten Mitglied in Energiegemeinschaften mit Eigenproduktion sein, zeigt eine Untersuchung. Vorteil: Sie würden dann nicht nur Klimaschutz betreiben, sondern auch von günstigen Strompreisen profitieren. Wie stark die Ampel-Koalition diese „Bürgerenergie“ pusht, ist aber noch unklar.

Die EU fördert diese Energieform. Sie verlangt von den Mitgliedsstaaten bereits seit 2019, die Voraussetzungen zu schaffen, damit sich Ökoenergie-Gemeinschaften bilden und wirtschaftlich arbeiten können. Damit der erzeugte Strom aus Solar- und Windanlagen zu den Haushalten kommt, sollen sie das Verteilnetz nutzen können. Und sie sollen finanziell davon profitieren, dass die Elektrizität regional verbraucht wird. Bisher ist das hierzulande nicht umgesetzt worden. Und auch das „Osterpaket“ von Wirtschaftsminister Robert Habeck sieht bisher im Wesentlichen nur vor, dass Solar- und Windprojekte von Bürgerenergie-Gesellschaften von Ausschreibungen ausgenommen werden.

Bürgerenergie könnte ein Drittel des Ausbauziels der Bundesregierung für Ökostrom abdecken

Laut einer Analyse des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) könnten über das so genannte Energy Sharing bis 2030 Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Leistung von 75 000 Megawatt installiert werden – und zwar in bundesweit rund 5900 neuen Energiegemeinschaften. Der selbst produzierte Strom würde dabei aus einer Entfernung von bis zu 25 Kilometern von den Öko-Kraftwerken bezogen werden. Damit könnte etwa ein Drittel des Ausbauziels der Bundesregierung von bis dahin 80 Prozent Ökostrom abgedeckt werden – derzeit beträgt der Anteil rund 50 Prozent.

Die Auftraggeber der Studie vom Bündnis Bügerenergie betonten bei der Vorstellung auf den Berliner Energietagen, das Energy Sharing ermögliche es auch ärmeren Haushalten, an der Energiewende teilzunehmen. Das IÖW hält private Investitionen in Höhe von 6,5 bis 12,8 Milliarden Euro für möglich. Jede beteiligte Person wäre so im Durchschnitt mit 100 bis 200 Euro an den Anlagen beteiligt. Der Hauptanteil der Investitionen würde jedoch von Unternehmen, privaten Investoren, öffentlichen Kassen und durch Kredite erbracht werden. Beteiligte an einer Energie-Gemeinschaft hätten ein Recht zu einem verbilligten Strombezug.

IÖW-Expertin Astrid Aretz sagte: „Eine erfolgreiche Energiewende kann nur erreicht werden, wenn die Bürger:innen eingebunden werden. Die Menschen müssen von neuen Solar- und Windanlagen in ihrer Region profitieren.“ Katharina Habersbrunner vom Bündnis Bürgerenergie ergänzte, der Ukraine-Krieg zeige, wie wichtig eine unabhängigere Energieversorgung sei. Das Energy Sharing könne der „entscheidende Baustein“ sein, um Menschen die Möglichkeit zu einer selbstbestimmten Energieversorgung zu bieten.

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