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Grundwasser – ein unsichtbarer Schatz

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Von: Joachim Wille

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Das Grundwasser ist teilweise stark übernutzt und verschmutzt. Es kann aber helfen, mehr Nahrungsmittel zu erzeugen und den Klimawandel abzufedern.

Dakar – Grundwasser ist eine der wichtigsten Ressourcen. Die Hälfte der Privathaushalte weltweit bezieht daraus ihr Trinkwasser, und auch ein Viertel der Bewässerung in der Landwirtschaft hängt davon ab. Doch die Grundwasser-Vorkommen werden in einigen Weltregionen „dramatisch“ übermäßig ausgebeutet und verschmutzt. In anderen hingegen wird zu wenig Gebrauch davon gemacht, wodurch die Entwicklung leidet. Das sind die Kernbotschaften des neuen Weltwasser-Berichts der UN, der am Montag in der Hauptstadt des Senegal, Dakar, vorgestellt wurde.

Der Wasserverbrauch wird nach UN-Angaben in den nächsten 30 Jahren voraussichtlich um etwa ein Prozent pro Jahr steigen. Dabei gilt als wahrscheinlich, dass die Abhängigkeit vom Grundwasser steigen wird, da Oberflächenwasser aufgrund der Klimaerwärmung zunehmend nicht verfügbar sein wird. Ein großes Problem ist dabei laut dem Report, dass immer mehr Wasserressourcen durch den Menschen verschmutzt, übernutzt und ausgetrocknet werden.

Wasser ist ein Menschenrecht: In Berlin demonstrierten im vergangenen Juli Menschen gegen seine Privatisierung.
Wasser ist ein Menschenrecht: In Berlin demonstrierten im vergangenen Juli Menschen gegen seine Privatisierung. © imago images/Christian Mang

Unesco: Unberührte Grundwasservorkommen müssen erschlossen und geschützt werden

Die Generaldirektorin der Unesco, Audrey Azoulay, forderte daher eine intelligentere Nutzung des Potenzials der noch wenig erschlossenen Grundwasservorkommen und deren Schutz vor Verschmutzung und Übernutzung. Dies sei unerlässlich, „um die Grundbedürfnisse einer ständig wachsenden Weltbevölkerung zu befriedigen und die globale Klima- und Energiekrise zu bewältigen“. Fachleute der Unesco haben den Report erarbeitet.

Die Ressource wird laut dem Report von Kontinent zu Kontinent sehr unterschiedlich genutzt. In Asien wird Grundwasser am intensivsten eingesetzt, vor allem in der Landwirtschaft. Problematisch sei hier aber die vielfach festzustellende Verschmutzung. Europa entnimmt im Schnitt nur vergleichsweise wenig Wasser aus dem Boden, und das vor allem für die Trinkwasser-Gewinnung. Allerdings ist auch hier die Verschmutzung hoch, besonders weil auf intensiv bewirtschafteten Agrarflächen zu viel gedüngt wird. Fast 40 Prozent der Grundwasserleiter sind belastet, vor allem mit Nitrat.

UN: „Riesige“ Grundwasservorkommen südlich der Sahara bislang ungenutzt

Kaum abgezapft wird das Grundwasser in vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara, obwohl dort, so die Fachleute, „riesige“ Reserven vorhanden seien. Die Gründe dafür: fehlende Infrastrukturen und zu wenige ausgebildete Fachleute, so die UN. Dies zu ändern, sei wichtig, da die Grundwasser-Erschließung als „Katalysator für wirtschaftliches Wachstum“ wirken könne. Vor allem die Landwirtschaft profitiere, wenn die bewässerten Flächen vergrößert und damit die landwirtschaftlichen Erträge und die Vielfalt der Kulturen verbessert werden. Bisher seien in Zentralafrika und im Süden des Kontinents nur drei Prozent der Agrarflächen mit Bewässerungssystemen ausgerüstet – im Vergleich zu 59 Prozent in Nordamerika und 57 Prozent in Südasien, und nur auf fünf Prozent dieser Fläche wird Grundwasser genutzt.

Investitionen

Trinkwasserversorger in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld in die Erneuerung und den Ausbau der Versorgungsinfrastruktur gesteckt.

Rund 3,3 Milliarden Euro und damit mehr als sechs Prozent mehr als im Vorjahr wurden 2021 investiert. Das teilte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) am Montag anlässlich des Weltwassertages am Dienstag (22. März) mit.

In die Rohrnetze flossen demnach 60 Prozent des Geldes, 20 Prozent wurden für Wassergewinnung, -aufbereitung und -speicherung genutzt. Weitere 20 Prozent entfielen unter anderem auf Zähler, Messgeräte und die IT. In den kommenden Jahren sollen die Investitionen weiter wachsen. dpa

Die Unesco-Fachleute betonen, dass die Wasserkrise ohne eine stärkere, aber ökologisch nachhaltige Nutzung des Grundwassers nicht lösbar sei – etwa im Hinblick auf die Anpassung an den Klimawandel. So könne die Fähigkeit der Grundwasserleiter genutzt werden, saisonale Überschüsse beim Oberflächenwasser zu speichern, um die Verfügbarkeit von Süßwasser auch in Trockenphasen zu verbessern. Wasser aus Flüssen kann dazu mit entsprechenden Anlagen in tiefere Erdschichten versickert werden. Vorteil gegenüber oberirdischen Speicherseen: Die Verdunstung ist minimal.

Grundwasser auch in Deutschland gefährdet

Auch in Deutschland, das eigentlich ein wasserreiches Land ist, gilt die Ressource Grundwasser als zunehmend gefährdet. So bildete sich in den vergangenen Jahren deutlich weniger neues Grundwasser, was Fachleute als eine Folge des Klimawandels sehen. Dürre- und Hitzesommer wie 2015, 2018 und 2019 ließen die Wasserstände im den Böden spürbar sinken. Auch Starkregen-Ereignisse konnten dies nicht ausgleichen, da die Böden die großen Mengen kaum aufnehmen können. Grundwasser wird hierzulande für 62 Prozent der Wasserversorgung genutzt.

Der Wasserexperte Johannes Barth fordert Strategien zur Grundwasserneubildung. Dies sei durch eine geringere Flächenversiegelung möglich, aber auch durch eine künstliche Grundwasseranreicherung, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd), etwa durch Infiltrationsbrunnen oder -becken. Es bestehe hierzulande kein akuter Wassermangel. „Aber im Sommer wird es in Zukunft möglicherweise nicht mehr möglich sein, den Garten zu bewässern“, meinte er. Barth ist Leiter des Lehrstuhls für Angewandte Geologie an der Universität Erlangen-Nürnberg sowie Präsident der Deutschen Sektion der „International Association of Hydrogeologists“.

Weltweit haben 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser

Der Vorsitzende der UN-Unterorganisation „UN-Water“ und Präsident des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD), Gilbert F. Houngbo, sagte zur Vorstellung des neuen Reports: „Die Verbesserung der Nutzung und Bewirtschaftung von Grundwasser ist eine dringende Priorität, wenn wir die Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030 erreichen wollen.“

Der Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Dienstleistungen gehört zu den 17 UN-Zielen im Katalog der Sustainable Development Goals (SDGs). Weltweit haben derzeit rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Etwa 3,5 Milliarden haben keinen Zugang zu sicheren Sanitäranlagen, wobei 500 Millionen nicht einmal über einfachste Latrinen verfügen. Etwa die Hälfte Menschheit lebt in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von starkem Wassermangel betroffen sind. (Joachim Wille)

Der UN-Wasserbericht wird jährlich zum Weltwassertag am 22. März von der Unesco erstellt.

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