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Die Grundrente soll zum 1. Januar 2021 kommen - derzeit hängt ihr Schicksal jedoch an der Großen Koalition.

Studie

Wer von der Grundrente künftig profitieren wird - und wer nicht

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Kommt die Grundrente? Das ist noch längst nicht sicher. Eine Studie gibt nun darüber Aufschluss, wer wie stark von der Grundrente profitieren würde. 

  • Die Grundrente soll am 1. Januar 2021 kommen
  • Ihr Schicksal hängt an der Zukunft der großen Koalition
  • Eine Studie zeigt, wer von der Grundrente profitieren würde - und wer nicht

Kommt sie? Oder kommt sie nicht? Das Schicksal der Grundrente, um die Sozialdemokraten und Konservative lange gerungen haben, hängt an der Fortsetzung der großen Koalition. Und die ist nicht sicher, seit die SPD neue Forderungen an die Union stellt. Viele Menschen, die eine Aufstockung ihrer Altersbezüge dringend benötigen, müssen bibbern, bis hier Klarheit herrscht.

Wer wie stark von der Grundrente profitieren würde, darüber gibt eine gemeinsame Studie von Wissenschaftlern der Universität Koblenz-Landau, der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten, dem Darmstädter Wirtschaftsforschungsinstitut Wifor und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin Aufschluss.

Wann soll die Grundrente kommen?

Die Koalitionäre haben die Einführung der Grundrente zum 1. Januar 2021 beschlossen. Allerdings gibt es - neben den Zweifeln an der Fortführung der großen Koalition - noch ungeklärte Finanzierungs- und Verwaltungsfragen. Ganz sicher kann man sich also nicht sein, dass diese neue Form der Altersabsicherung bereits in zwölf Monaten Realität wird.

Wie viele Menschen kommen für den Bezug der Grundrente in Frage?

Die Sozialdemokraten hatten eine Respekt-Rente ohne Bedürftigkeitsprüfung gefordert. Sie wäre 2,5 Millionen Rentnern zugute gekommen. Das wollte die Union nicht. Nun gibt es eine Grundrente mit Einkommensprüfung. Dadurch verkleinert sich der Personenkreis auf 1,14 Millionen Rentner. „Etwa vier Prozent aller westdeutschen und sieben Prozent aller ostdeutschen Rentner werden von der Reform profitieren“, schreiben die Wissenschaftler.

Wie stark würden die Einkommen der betroffenen Rentner durch die Grundrente angehoben?

Die Studie kommt – ohne Berücksichtigung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten – zu dem Ergebnis, dass die durchschnittliche Rente* um ein Drittel steigen würde. Frauen profitieren dabei mit 37 Prozent stärker als Männer, die auf 29 Prozent kommen.

Was bedeutet das in absoluten Zahlen?

Den Wissenschaftlern zufolge bezieht der Personenkreis, der Anspruch auf die Grundrente hätte, im Durchschnitt eine Rente von 697 Euro. Diese Menschen würden im Schnitt 233 Euro mehr erhalten, ihre Rente also auf 930 Euro steigen. Nach Geschlechtern unterteilt, kämen Männer neu auf 967 Euro, Frauen auf 903 Euro.

Tatsächlich könnte der Betrag für die Frauen höher ausfallen, da Kindererziehungs- und Pflegezeiten nicht berücksichtigt wurden, das aber Tätigkeiten sind, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Westdeutsche Frauen (+45 Prozent) würden von der Grundrente übrigens deutlich stärker profitieren als Ostdeutsche (+30 Prozent). Das liegt daran, dass ostdeutsche Frauen üblicherweise deutlich mehr gearbeitet haben als westdeutsche und daher bereits höhere Renten beziehen.

Erhalten nur Rentner aus armen Haushalten die Grundrente?

Keineswegs. Aber sie stellen die größte Gruppe. Laut den Berechnungen haben 635.000 Menschen aus einkommensarmen Haushalten Anspruch auf die Grundrente. Aus der einkommensschwachen Mitte kommen 345.000 Anspruchsberechtigte und aus dem mittleren Einkommensbereich noch 156.000. Einkommensstarke und einkommensreiche Haushalte profitieren nicht von der Grundrente.

Warum gibt es die Grundrente überhaupt?

Mit der Grundrente wollen SPD und CDU die Lebensleistung in Form von Erwerbsarbeit, Kindererziehung oder Pflege würdigen. Das Kernziel ist, dass Menschen mit geringen Renten, die ein Leben lang fleißig waren, mehr erhalten sollen als die Grundsicherung.

Ab wann erhält man als Rentner Grundsicherung?

Wenn die Altersbezüge aus der gesetzlichen Rentenversicherung unter den Betrag von circa 865 Euro fallen (je nach Region gelten unterschiedliche Grenzen), werden sie auf den Grundsicherungsbetrag aufgestockt.

Welche Regeln sieht der Kompromiss für die Grundrente vor?

Anspruchsberechtigt ist, wer 35 Jahre Pflichtbeitragszeiten (Beschäftigung, Kindererziehung, Pflegetätigkeit) erreicht hat. Es müssen bei der Rentenversicherung mindestens 0,3 Entgeltpunkte vorliegen, maximal dürfen es 0,8 Entgeltpunkte sein. Außerdem gibt es eine Einkommensprüfung. Sie sieht vor, dass die Grundrente in voller Höhe bezahlt wird bis zu einem monatlichen Einkommen von 1250 Euro für Alleinstehende und 1950 Euro für Paare. Nicht geprüft wird die Vermögenslage.

Wie viele Männer und Frauen kommen auf 35 Pflichtbeitragsjahre?

Durchschnittlich erreichen laut der Studie 74 Prozent aller Männer die erforderlichen Pflichtbeitragszeiten, aber nur 41 Prozent der Frauen. Besonders niedrig liegt dieser Wert auch in der Gruppe der Einkommensarmen und der Geringqualifizierten, wo jeweils nur 45 Prozent der Betroffenen die erforderlichen 35 Pflichtjahre erreichen. „Generell ist gerade dort der Anteil derjenigen mit mindestens 35 Jahren am niedrigsten, wo die meisten Nutznießer (…) zu erwarten sind“, schreiben die Wissenschaftler.

Lohnt sich die Grundrente immer?

Nein. Für manche Anspruchsberechtigten kann es laut den Wissenschaftlern günstiger sein, in der Grundsicherung zu verbleiben. Sie verweisen auf den neu geschaffenen Freibetrag für Renten langjährig Versicherter. Er sieht vor, dass sie zusätzlich zur Grundsicherung die ersten 100 Euro ihrer Rente voll behalten dürfen und von jedem weiteren Euro der Rente 30 Cent – gedeckelt bis zur Hälfte des Regelsatzes der Grundsicherung. So könnte individuell mehr Geld zusammenkommen als mit der Grundrente.

Von Daniel Baumann

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*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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