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In kriegszerstörten Städten versickern Finanzhilfen oft bei multinationalen Konzernen oder bei korrupten Bürokraten.

Entwicklung von unten

Drei Milliarden Dollar für Mossuls Rückkehrer?

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Ein Grundeinkommen könnte Wunder wirken - gerade in Krisengebieten, wo Finanzhilfen nur selten der lokalen Bevölkerung zugutekommen.

Es ist immer das Gleiche: Wenn kriegszerstörte Städte wieder aufgebaut werden sollen, setzt die internationale Politik vor allem auf Großprojekte: Im Falle des irakischen Mossul wollen Geberländer 25 Milliarden Dollar in Straßen, Brücken, Stromversorgung und andere Ziele investieren. Das klingt gut. Doch zumeist kommen die Investitionen nur langsam in Gang. Und wenn sie laufen, dann fließt viel Geld an multinationale Konzerne und an die – oft korrupte – Bürokratie. Zur leidenden Bevölkerung sickert nur wenig durch. Eine soziale Entwicklung findet kaum statt. 

Unsere tägliche Kolumne von Gastautorinnen und Gastautoren im Wirtschaftsteil. Heute: Wolfgang Kessler ist Wirtschaftspublizist. Von ihm erschien gerade das Buch „Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern“ im Publik-Forum-Verlag.

Wäre es da nicht besser, Entwicklung von unten zu denken? Beispiel Mossul. Warum planen die Geber nicht drei der 25 Milliarden Dollar für eine unkonventionelle Strategie ein: Alle Rückkehrer nach Mossul – Frauen, Männer und Kinder gleichermaßen – erhalten zehn Jahre lang jeden Monat ein Einkommen von zwanzig Dollar. Man kann sich leicht vorstellen, was sie mit dem Geld machen würden: Lebensmittel kaufen, Stoffe für Kleidung, Gips und Zement, um Wohnungen zu renovieren. Bäckereien, Metzgereien, Nähereien würden ebenso aus dem Boden schießen wie kleine Handwerksbetriebe und Teestuben. Ein lokaler Wirtschaftskreislauf entwickelt sich. Jetzt findet soziale Entwicklung statt. 

In Kenia bekommen bereits 20.000 Menschen ein Grundeinkommen

Unglaublich? Nein, möglich: Im ostafrikanischen Kenia erhalten etwa 20.000 Menschen in 124 armen Dörfern seit etwa zwei Jahren von einer Basisorganisation 22 Dollar pro Monat, Kinder eingeschlossen. Das Geld stammt aus Spenden und wird mit Hilfe eines Handy-basierten Zahlungssystems sicher ausbezahlt. Die erste Bilanz ist positiv: Der Hunger ist besiegt, alle Kinder und Jugendlichen besuchen Schulen, die Kleinkriminalität ist gesunken, in den kenianischen Dörfern öffnen kleine Läden und Betriebe, das Selbstbewusstsein der Frauen ist ebenso gewachsen wie der familiäre Zusammenhalt. Manche Familien sparen auf ein Stück Land oder auf Vieh. Die soziale Entwicklung hat begonnen. 

Kein Zweifel, für Entwicklung und Wiederaufbau braucht es auch Investitionen. Doch nur wer auch in die Menschen investiert, schafft eine Entwicklung, die auch den Menschen dient.

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