1. Startseite
  2. Wirtschaft

Grünfärberei bei fossilen Energien

Erstellt:

Von: Clemens Dörrenberg

Kommentare

Kritische Investition: Raffinerie, die Gas abfackelt. imago images
Kritische Investition: Raffinerie, die Gas abfackelt. © Imago

Die vier größten deutschen Vermögensverwalter beschränken ihre Investitionen in Öl, Kohle und Gas trotz Klimaschutzversprechen nicht, zeigt ein Report.

Die Bekenntnisse deutscher Vermögensverwalter zum Klimaschutz und ihre Taten klaffen weit auseinander. Das zeigen Ergebnisse eines Reports, der am Dienstag von den Nichtregierungsorganisationen Greenpeace, Urgewald sowie Reclaim Finance vorgelegt wurde.

Insgesamt 13 Milliarden Euro investierten die größten deutschen Vermögensverwalter DWS, Deka Investments, Union Investment und Allianz Global Investors (AGI) laut dem Report, der auf Berechnungen von Urgewald basiert, in den Ausbau klima-schädlicher, fossiler Brennstoffe.

Und das, obwohl sich die Vermögensverwalter in Initiativen wie „Net Zero Asset Managers“ („Netto-Null-Vermögensverwalter“) verbindlich zum 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens bekannt haben. Um dieses Ziel zu erreichen, dürften jedoch laut Internationaler Energie Agentur keine weiteren Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasvorkommen mehr fließen.

Keiner der vier deutschen Vermögensverwalter besitze allerdings „eine Strategie, um die Investitionen in expandierende Öl- und Gasgeschäfte zu beschränken“, heißt es in dem Report. Mit 7,8 Milliarden Euro investiert DWS die größte Summe des Quartetts in Kohle-, Öl- und Gasgeschäfte.

„Angesichts des jüngsten Greenwashing-Skandals bei der DWS wiegt es besonders schwer, dass die Deutsche Bank-Tochter auch beim Klimaschutz das Schlusslicht der Branche bildet“, sagte Mauricio Vargas, Finanzexperte von Greenpeace. Vargas fügte hinzu: „Das ist ein weiterer Fall von Grünfärberei, den die DWS schleunigst korrigieren sollte“.

Dem Report zufolge ist die Deutsche-Bank-Tochter im Vergleich der mit Abstand größte Investor in fossile Energieunternehmen. Union Investment folgt mit zwei Milliarden Euro, dann AGI mit 1,7 Milliarden Euro sowie Deka Investments mit 1,5 Milliarden Euro. Im Gegensatz zu den drei letztgenannten Vermögensverwaltern, die sich „lediglich generelle Beschränkungen für Investitionen in Kohleunternehmen“ auferlegt hätten, gebe es bei DWS „keine allgemeingültigen Beschränkungen“.

Greenpeace, Urgewald und Reclaim Finance fordern die Vermögensverwalter auf, verbindliche Pläne für den sofortigen Stopp aller neuen Investitionen aus Unternehmen vorzulegen, die am Ausbau von Kohle-, Öl- und Gasprojekten beteiligt sind.

„Die fossilen Unternehmen sind mitten in der Klimakatastrophe immer noch auf Expansionskurs“, sagte Julia Dubslaff, Aktivistin von Urgewald. Das sei „schlicht verantwortungslos“. Die Entwürfe müssten „den sofortigen Verkauf der aktuell gehaltenen Aktien und Anleihen von Unternehmen beinhalten, die eine Expansion ihres Kohlegeschäfts“ planten und „eine zeitnahe Frist für Papiere von Unternehmen, die eine Expansion von Öl- und Gasprojekten“ vorantrieben, heißt es in dem Report.

Lara Cuvelier, Sprecherin von Reclaim Finance nannte exemplarisch das Rohstoffunternehmen Glencore, von dem DWS sowie AGI Aktien und Anleihen besitzen. Glencore plane „eine massive Ausweitung der Kohleförderung“, berichtete Cuvelier. Gleichzeitig gehörten DWS und AGI zu den größten europäischen Mitgliedern der Netto-Null-Initiative, die sich dem Pariser Klimaschutzabkommen verschrieben hat. „DWS und Allianz GI sind gute Beispiele für die Heuchelei vieler Vermögensverwalter“, sagte Cuvelier.

Auch interessant

Kommentare