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In der Bundesregierung gibt es Pläne, im Kampf gegen den Klimawandel das Fliegen teurer zu machen.

Analyse

Grünes Fliegen hebt nicht ab

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Die Luftfahrtbranche legt ein eigenes Klimaschutz-Paket vor. Das ist ein neuer Zungenschlag, aber noch keine Lösung. Die Analyse.

Vom „Greta-Thunberg-Effekt“ ist noch nichts zu spüren. Die Deutschen fliegen so viel wie nie zuvor, meldete jüngst der Verband der Luftverkehrsbranche, BDL. Im ersten Halbjahr steigerten die deutschen Flughäfen die Zahl ihrer Passagiere demnach um 4,2 Prozent auf 117 Millionen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – ist die Branche politisch in der Defensive.

In der Bundesregierung gibt es Pläne, im Kampf gegen den Klimawandel das Fliegen teurer zu machen und das Bahnfahren billiger, die Linke forderte gar eine Verstaatlichung der Fluggesellschaften, und ein besonderes Symbol gab es am Stuttgarter Flughafen: „Fridays-for-Future“-Schüler machten erstmals eine Demo an einem Airport. Motto: „No more Billigflieger“.

Das ist der Hintergrund, vor dem die Branche jüngst ein eigenes Klimaschutz-Paket mit dem Ziel des klimaneutralen Fliegens vorgelegt hat. Man wolle erreichen, „dass die luftverkehrsbedingten Emissionen auf Null sinken“, heißt es in der Erklärung des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, in dem unter anderem die Chefs von Condor, Eurowings und Lufthansa Cargo sowie der deutschen Großflughäfen sitzen. Erreicht werden soll das vor allem durch den Wechsel von Kerosin zu synthetischem Flugbenzin, das unter Nutzung von Ökostrom hergestellt wird. Man sei bereit, sich mit eigenen Finanzmitteln an „Pilotprojekten“ zur Herstellung dieses so genannten Power-to-Liquid-Kraftstoffs zu beteiligen.

Das sind durchaus neue Töne. Bisher peilte die Branche gemäß dem internationalen Corsia-Abkommen nur ein CO2-neutrales Wachstum an – das heißt, die Emissionen sollen trotz mehr Flugbewegungen nicht weiter steigen (aber auch nicht sinken). Freilich gibt es bei Umstellung auf Ökosprit noch große Hürden zu überwinden. Bisher ist er mangels großtechnischer Anlagen kaum verfügbar, zudem noch deutlich teurer als Kerosin.

Hinzu kommt das Problem, dass der „Grundstoff“ Ökostrom längst nicht in den nötigen Mengen vorhanden ist. Die Bundesregierung hat schon große Probleme, den „normalen“ Erneuerbaren-Ausbau auf die Reihe zu bekommen. Doch es sollen auch noch das Heizen und der Autoverkehr „elektrifiziert“ werden. Und nun noch das Fliegen. Ein Ausweg könnte sein, das „Öko-Kerosin“ künftig in sonnenreichen Ländern zu produzieren, in Afrika oder dem Nahen Osten.

Bis die Jets mit grünem Sprit abheben können, wird es also noch dauern. Immerhin könnte ein Vorschlag der Branche aber dazu führen, dass das neue Kerosin etwas schneller eingeführt werden kann. Sie hat offenbar ihren Kampf gegen die seit 2011 hierzulande erhobene Luftverkehrssteuer aufgegeben, die als Ticket-Aufschlag dem Staat im Jahr rund 1,2 Milliarden Euro einbringt, und schlägt nun vor, das Geld gezielt für die Markteinführung des Öko-Kraftstoffs zu verwenden. Bisher fließen die Einnahmen ohne Zweckbindung in die Staatskassen.

Klar ist, dass trotz des neuen Zungenschlags die Emissionen der Luftfahrt so schnell nicht auf null sinken werden - was Umweltverbände wie der BUND aus Klimasicht übrigens bereits für 2035 für nötig halten. So bleibt ein Großteil der Verantwortung offenbar bei den Fluggästen hängen. Die Airlines wollen ihre Kunden verstärkt zur CO2-Kompensationszahlungen animieren und solche Angebote in den Buchungsvorgang einbinden.

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