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Außen grau, innen grün: Im schwedischen Oxelösund produziert SSAB klimafreundlichen Stahl.
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Außen grau, innen grün: Im schwedischen Oxelösund produziert SSAB klimafreundlichen Stahl.

Industrie

Grüner Stahl aus Schweden

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Erstmals liefert ein schwedischer Herstellers klimafreundlichen Stahl aus, der mit Öko-Wasserstoff produziert wird. Auch die deutsche Industrie arbeitet an der Umstellung.

Eine Weltpremiere: Der schwedische Stahlerzeuger SSAB hat den ersten klimafreundlichen Stahl hergestellt und ausgeliefert. Dafür wurde in dem Prozess „zu hundert Prozent Wasserstoff anstelle von Kohle und Koks“ eingesetzt, wie das Unternehmen mitteilte. Die Testlieferung an den Autobauer Volvo sei ein wichtiger Schritt, um einer vollständige Wertschöpfungskette für „fossilfreien“ Stahl aufzubauen, meldet der Hersteller.

Hinter dem Projekt steckt das Konsortium „Hybrit“, dem drei Unternehmen angehören. SSAB hat zusammen mit dem Stromkonzern Vattenfall und dem Bergbaukonzern LKAB, die beide dem schwedischen Staat gehören, vor einem Jahr in Lappland am Standort Oxelösund eine Pilotanlage für den klimafreundlichen Stahl eingeweiht. Vattenfall liefert dabei den Ökostrom, mit dem grüner Wasserstoff hergestellt wird, LKAB fördert in der Nähe Eisenerz. Das Konsortium plant, den Klimastahl ab 2026 im industriellen Maßstab herzustellen und bis 2030 eine Kapazität von 2,7 Millionen Tonnen Stahl-Rohstoff (so genannter Eisenschwamm) zu erreichen.

Grüner Stahl: Eisenherstellung mit Wasserstoff

Die drei Unternehmen haben 2016 die neuartige Technologie der Eisenherstellung mit Wasserstoff (Hydrogen Breakthrough Ironmaking Technology, kurz: Hybrit) entwickelt. Im Juni dieses Jahres konnten sie den ersten mit Wasserstoff reduzierten Eisenschwamm präsentieren. Daraus wurde jetzt der erste Klimastahl hergestellt. Die Stahlerzeugung ist weltweit für rund ein Viertel der CO2-Emissionen im Industriesektor und etwa acht Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.

Der neue Stahl beweist laut SSAB-Konzernchef Martin Lindqvist, dass die Klimaauswirkungen der globalen Stahlindustrie deutlich reduziert werden können. „Wir hoffen, dass dies andere dazu inspirieren wird, das Tempo der Transformation zu beschleunigen“, sagte er. Dank der neuen Technik wird der Konzern nach eigenen Angaben die gesamten CO2-Emissionen Schwedens langfristig um mindestens zehn Prozent reduzieren können. Auch der schwedische Industrieminister Ibrahim Baylan zeigte sich voll des Lobes: Das Konsortium treibe die Entwicklung der gesamten Branche voran und sei „ein internationales Vorbild“. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, dem öffentlichen Sektor und Universitäten sei von entscheidender Bedeutung, damit Schweden der „der weltweit erste fossilfreie Wohlfahrtsstaat“ werden könne.

Umweltfreundlicher Stahl: Schweden vor Deutschland

Tatsächlich liegt Schweden bei der Umstellung der klimaschädlichen Branche weit vorne. Neben Hybrit treibt auch ein neu gegründetes Unternehmen namens „H2 Green Steel“ (H2GS) das Ergrünen voran. Es plant, ebenfalls in Nordschweden, ein großes Stahlwerk mit Wasserstoff-Technologie – eine Milliarden-Investition. Der Bau der Anlage soll 2022 beginnen, die Produktion 2024, und 2030 soll eine Kapazität von fünf Millionen Tonnen Stahl erreicht werden – soviel Stahl, wie in Schweden heute insgesamt produziert wird. Auch hier soll der Stromverbrauch zur Wasserstoffherstellung komplett aus erneuerbaren Quellen kommen.

Die deutsche Stahlindustrie, weltweit die Nummer acht, arbeitet ebenfalls an dem Umbau. Unterstützt wird sie dabei mit Geld aus einem neun Milliarden Euro großen Fördertopf für Wasserstoffinvestitionen, den der Bund bereitgestellt hat.

Thyssen-Krupp testet Wasserstoff bei Stahlherstellung

Der größte hiesige Stahlkonzern, Thyssen-Krupp, hat immerhin 2019 nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen weltweit Wasserstoff in einen laufenden Hochofen eingeblasen, um damit den üblicherweise zur chemischen Reduktion von Eisenerz benutzten Kohlenstaub zu ersetzen. Dieser Test im Duisburger Hochofen soll 2022 in einer zweiten Phase erweitert werden. Laut dem Unternehmen ließen sich mit dieser Methode bis zu 20 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass „grüner“ Wasserstoff eingesetzt wird. Bei „grauem“ H2, das aus Erdgas hergestellt wird, hingegen wäre der Gewinn minimal. Um wirklich klimafreundlich produzieren zu können, muss Thyssen-Krupp viel Geld in neuen Anlagen investieren. Geplant ist bis 2024 eine Direktreduktionsanlage, mit der der Konzern dann ganz ohne Kohle produzieren will. Außerdem geht es um die Produktion von grünem Wasserstoff in großen Mengen.

Konkurrent Salzgitter in Niedersachsen setzt auf Anlagen, die sich sowohl mit Wasserstoff als auch mit Erdgas betreiben lassen. Eine Demonstrationsanlage soll bis Mitte 2022 fertig sein, sie soll pro Tag zweieinhalb Tonnen liefern.

Der Konzern will grünen Wasserstoff in einem der größten bislang Elektrolyseure mit 30 Megawatt Leistung herstellen. Betrieben wird er unter anderem mit Strom aus sieben Windkraftanlagen, die auf dem Werksgelände aufgestellt wurden. Auch der Konzern Arcelormittal baut – in Hamburg – eine Demonstrationsanlage für Klimastahl, die zu Beginn, ab 2023, mit grauem Wasserstoff betrieben werden soll. Am Standort in Bremen will der Konzern 2026 in den Großbetrieb gehen, dann auch gleich mit grünem Wasserstoff.

Ein Durchmarsch des „grünen“ Stahls ist freilich noch längst ausgemacht. Die meisten Expertinnen und Experten schätzen, dass er, im industriellen Maßstab produziert, 30 bis 40 Prozent teurer sein wird als der aus Staaten mit geringeren Klimaauflagen. Die Frage ist: Lassen sich diese höhere Stahlpreise bei der Kundschaft durchsetzen? Und: Kommt der von der EU geplante Klimazoll, um die globale Billigkonkurrenz, unter anderem aus China, auszuschalten? Allerdings gibt es auch Fachleute, die es für möglich halten, dass der grüne Stahl bis 2030 nicht mehr teurer sein wird als herkömmlicher. Dann hätte er natürlich eine viel bessere Perspektive.

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