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Kein Knopf im klassischen Sinn: Entwicklungsminister Gerd Müller (rechts) präsentierte am Montag das Siegel „Grüner Knopf“.

Faire Kleidung

„Grüner Knopf“ für faire Kleidung

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Ein staatliches Siegel soll Textilien kennzeichnen, die unter sozial und ökologisch akzeptablen Bedingungen hergestellt werden. 27 Unternehmen beteiligen sich am Projekt von Entwicklungsminister Müller.

Seit Dienstag sind sie im Handel – online und vor Ort in den Geschäften: Textilien mit dem neuen Siegel „Grüner Knopf“. Es soll nach dem Willen von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) den Verbrauchern auf den ersten Blick zeigen, welche Kleidung sozial und ökologisch hergestellt wurde.

Bislang wurden 27 Unternehmen geprüft. Dabei sind zum Beispiel die großen Einzelhandelsketten Aldi, Lidl, Rewe und Tchibo sowie diverse Hersteller wie Hessnatur, Trigema oder Vaude.

Damit ein Produkt den „Grünen Knopf“ erhält, muss zunächst der Hersteller anhand von 20 Kriterien nachweisen, dass er seine sogenannten Sorgfaltspflichten erfüllt. Dabei geht es zum Beispiel darum, ob das Unternehmen als Ganzes transparent agiert, seine Vorlieferanten kontrolliert, Beschwerden der Näherinnen aufnimmt und Missstände abstellt. Das Produkt selbst muss 26 soziale und ökologische Anforderungen erfüllen. Es dürfen zum Beispiel weder gefährliche Chemikalien noch Weichmacher zum Einsatz kommen, im Abwasser müssen bestimmte Grenzwerte eingehalten werden. Die sozialen Kriterien fordern unter anderem das Verbot von Kinder- sowie Zwangsarbeit.

Die Einhaltung der Kriterien überwachen unabhängige Prüforganisationen wie der TÜV. Als „Prüfer der Prüfer“ agiert die staatliche Deutsche Akkreditierungsstelle. Die Unternehmen können als Nachweis allerdings auch bereits verwendete Siegel vorlegen. Akzeptiert werden anspruchsvolle Textilsiegel, etwa Gots (Global Organic Textile Standard) oder Fairwear Foundation. Deshalb wird der „Grüne Knopf“ auch als Metasiegel bezeichnet, weil er auf bereits bestehenden Siegeln aufbaut.

Der „Grüne Knopf“ ist das erste staatliche Siegel für Textilien. Nach den Vorstellungen von Entwicklungsminister Müller soll er mehr Klarheit für die Verbraucher im bisherigen Siegeldschungel bringen. Erhalten können das Siegel alle Textilien: von Kleidung über Taschen, Gardinen, Bettwäsche bis zu Stoffwindeln oder Rucksäcken.

Es gibt allerdings eine Reihe von problematischen Punkten: In der Einführungsphase werden die Kriterien nur bei zwei Produktionsschritten angewendet, beim Färben und Bleichen sowie beim Zuschneiden und Nähen. Die Arbeitsbedingungen und der Einsatz von Pestiziden auf den Baumwollfeldern bleiben also zunächst unberücksichtigt.

„Das neue Siegel ist weit davon entfernt, lückenlos über die Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards in Lieferketten und die unternehmerische Verantwortung in Bezug auf Kinder- und Menschenrechte Auskunft zu geben“, kritisiert deshalb Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe. „Die Frage, ob für die Produktion eines T-Shirts Kinder auf Baumwollfeldern schuften mussten, bleibt mit dem Siegel immer noch unbeantwortet“, so Weidemann, denn es werde momentan nur die Verarbeitung von Textilien geprüft, nicht jedoch die „erste Meile“ der Rohstoffproduktion. „Wir hoffen, dass das Versprechen des Bundesministers, nach Ende der Pilotphase 2021 die Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette unter die Lupe zu nehmen, eingehalten wird“, so Weidemann weiter. Auch nach Ansicht von Terre des Hommes greift der „Grüne Knopf“ zu kurz. „Gesetzlich festgelegte Standards für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette, die für alle Unternehmen verbindlich sind, würden unmittelbar Wirkung zeigen und wären demnach deutlich erfolgversprechender als das neue Siegel“, so Albert Recknagel, Vorstandssprecher der Kinderhilfsorganisation.

Bei aller berechtigten Kritik schafft der „Grüne Knopf“ sicherlich mehr Orientierung im Dschungel aus unzähligen NGO- und Unternehmenssiegeln, dessen Kriterien kaum jemand kennt. Trägt ein Kleidungsstück zu Recht den Grünen Knopf, kann sich der Käufer darauf verlassen, dass zumindest grundlegende ökologische und soziale Standards beachtet werden. Mit deren Einhaltung steht und fällt das neue Siegel. Es wird also ganz entscheidend darauf ankommen, ob die Kontrolle richtig funktioniert. Das werden erst die nächsten Monate zeigen.

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