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Stets flugbereit: Nicht nur die Kanzlerin fliegt oft im Inland.

Klimakrise

Grüne wollen Fliegen obsolet machen

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Wenn es nach den Grünen geht, sollen die Bürger für Inlandsreisen auf die Bahn umsteigen.

Die Diskussion über Flugreisen innerhalb Deutschlands erhält weitere Nahrung. „Bis 2035 wollen wir Inlandsflüge weitgehend obsolet machen“, heißt es in einem Papier der Grünen-Bundestagsfraktion, über das die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Die Deutsche Bahn soll demnach drei Milliarden Euro zusätzlich im Jahr erhalten, um das Schienennetz auszubauen. Ziel müsse es sein, die Fahrzeit zwischen möglichst vielen Orten im Inland und ins benachbarte Ausland „auf maximal vier Stunden“ zu senken. Konkret nennen die Autoren die Verbindungen von Köln und Düsseldorf nach Berlin, Hamburg oder in Richtung München sowie die Strecke Frankfurt/Berlin.

Zudem fordern die Autoren um die Abgeordnete Daniela Wagner (Grüne), eine „schrittweise Einführung der Kerosinsteuer für Inlandsflüge“. Diese solle langsam an den Steuersatz für Benzin angeglichen werden, der aktuell bei 65 Cent pro Liter liegt. Gleichzeitig wollen die Grünen die Mehrwertsteuer für Bahntickets von aktuell 19 auf sieben Prozent senken.

Lob für den Vorstoß kommt vom Branchenbündnis Allianz pro Schiene: „Der Verzicht auf Inlandsflüge im kommenden Jahrzehnt sei nicht nur klimapolitisch geboten, sondern mit dem nötigen politischen Willen auch machbar und finanzierbar. Das ist ein absolut realistisches Ziel“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Weniger optimistisch ist der Fahrgastverband Pro Bahn: Zu hundert Prozent wird die Bahn bis 2035 nicht alle Mobilitätswünsche abdecken können, wir halten zwei Drittel aber für durchaus realistisch. Zudem werden Strecken wie Hamburg – München nicht in nur vier Stunden möglich sein“, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann.

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner verwies in der Diskussion über Inlandsflüge auch auf die Verantwortung der Politiker. Hintergrund ist die Flug-Pendelei von Regierungsbeamten zwischen den Amtssitzen Bonn und Berlin und die Diskussion über einen Komplett-Umzug: „Noch immer fliegen Mitarbeiter zwischen Bonn und Berlin hin und her. 2019 sollte der Standort keine Herausforderung mehr darstellen. Videokonferenzen und Onlinetools machen einen Umzug überflüssig. Wann wird die Digitalisierung in Bonn und Berlin gelebt?“

Cem Özdemir (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses, sagte: „Bonn hat die Umstellung erstaunlich gut gemeistert. Angesichts der klimaschädlichen Wirkung des Fliegens, aber auch aus Gründen der Effizienz ist es Zeit für den nächsten Schritt – nämlich die Zusammenlegung aller Ministerien in Berlin.“

Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) schlägt einen Kompromiss vor: „Heute könnte man dem Bonn-Berlin-Gesetz Genüge tun, indem man die Wehrverwaltung sowie die Bundesämter für Justiz und Naturschutz in Bonn belässt und die übrigen Ministeriumsteile nach Berlin holt. Auch das Umweltministerium könnte komplett nach Berlin umziehen.“ Alleine Mitarbeiter des Umweltministeriums waren in den ersten sieben Monaten des Jahres 1740 Mal per Flugzeug zwischen Berlin und Bonn gependelt.

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