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Bahnchef Rüdiger Grube macht das Bahnfahren grüner.
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Bahnchef Rüdiger Grube macht das Bahnfahren grüner.

Deutsche Bahn ab 1. April

Grüne Welle bei der Bahn

  • VonPeter Kirnich
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Die Deutsche Bahn wird immer grüner und baut den Ökostrom-Anteil aus. Ab Montag fahren Millionen Stammkunden kohlenstoffdioxidfrei auf den Schienen.

Es grünt so grün in Deutschland ab dem 1. April. Zumindest in den Bahnhöfen und Zügen der Deutschen Bahn (DB) ist das geplant: grüne Informationsschalter überall, Zugbegleiterinnen mit grünem Einstecktuch, Zugführer mit grünem Schlips und selbst grüne Teppiche im Zug, etwa mit der Aufschrift „Grünanlage“. Fehlen eigentlich nur noch grün umgespritzte ICE. „Selbst das hatten wir in Erwägung gezogen“, sagt Manuel Rehkopf, Vorstand der DB-Fernverkehrssparte. „Zumindest an der ICE-Zugspitze wollten wir den roten Streifen mit einem grünen überkleben.“ Doch dafür hätten die Züge länger als erlaubt in der Werkstatt stehen müssen. Das wäre dann doch etwas zu weit gegangen.

Warum die grüne Welle bei der Bahn? Ab Montag werden alle Stammkunden im DB-Fernverkehr – das sind rund fünf Millionen Bahncard-Inhaber und Pendler mit Streckenzeitkarten – im ICE, Intercity und Eurocity mit 100 Prozent Ökostrom unterwegs sein. Auch alle im Firmenprogramm bahn.corporate registrierten Geschäftsreisenden sollen dann im Fernverkehr CO2 -frei reisen. „Damit bieten wir mindestens 75 Prozent aller Fahrten im Fernverkehr innerhalb Deutschlands ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien an“, sagt Rehkopf.

Wenn es nach ihm geht, sollen schon bald alle Fahrten mit grünem Strom angeboten werden. Alle Reisenden, die nicht zu den fünf Millionen Stammkunden gehören, könnten deshalb zum Aufpreis von einem Euro pro Fahrt ebenfalls ein Ökostrom-Ticket kaufen. Ein Teil des Aufpreises soll direkt in die Förderung von Projekten zum Ausbau der erneuerbaren Energien fließen. Den Stammkunden dagegen kostet die Öko-Offerte nichts.

Zahl der Reisenden steigt weiter

Die Bahn lässt sich das „eine mittlere zweistellige Millionensumme“ kosten, wie Rehkopf verrät. Aber schließlich wäre es auch keine grüne Initiative, wenn sie von den Kunden bezahlt werden müsste. Zudem kalkuliert die Bahn damit, dass sich weitere Kunden für das Öko-Ticket oder die Bahncard entscheiden, und dass so mancher Autofahrer künftig in den Fernzug umsteigt. Allein im Vorjahr zählte die Bahn sechs Millionen Fernreisende mehr in ihren Zügen, als im Jahr zuvor. Und das ohne das grüne Lockangebot. „Der Trend hält an, die Zahl der Reisenden liegt im ersten Quartal wieder einen Schnaps über unseren Erwartungen“, sagt Rehkopf. „Wir sind jedenfalls auf alles vorbereitet und könnten noch mehr grünen Strom in das Bahnnetz einspeisen.“

Der kommt vor allem aus Wasserkraftwerken von Energieversorgern in Deutschland und Österreich, mit denen die Bahn Lieferverträge abgeschlossen hat. Zudem sind vor kurzem unter anderem zwei neue Windparks in Ostfriesland für die Bahn ans Netz gegangen. Ein nicht geringer Teil der zusätzlichen Energie komme damit aus neuen oder modernisierten Grünstrom-Anlagen. „Mit dem Start des grünen Fernverkehrs zum 1. April werden wir unser Engagement zur Förderung ökologischer Neuanlagen verdreifachen“, sagt Rehkopf.

Natürlich steht die Bahn aufgrund der Energiewende auch unter Druck. Mit Neckarwestheim wurde ein Atomkraftwerk, das viel Bahnstrom lieferte, stillgelegt. Mit Datteln soll ein großes Kohlekraftwerk im ersten Quartal 2014 vom Netz gehen. Auch dies zwingt die Bahn zum Umstieg auf andere Energien. „Das tut sie konsequent“, sagt der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel. Die Automobil- und Luftfahrtbranche sei von einer solchen Entwicklung meilenweit entfernt.

35 Prozent Ökostrom ab 2015

Auch die Grünen und Umweltverbände loben die Initiative: „Endlich bietet die Bahn etwas, was sich viele wünschen. Ich hoffe, dass jetzt noch mehr Menschen in den Zug umsteigen“, sagt Grünen-Bahnsprecherin Valerie Wilms. BUND-Experte Werner Reh lobt: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es geht noch mehr.“ Ein ökologisches Verkehrsunternehmen müsse sich ambitionierte Ziele stellen. Reh verweist auf die Schweizer Bundesbahn: Die fährt bereits zu 75 Prozent mit regenerativem Strom und will den Anteil 2013 auf 80 Prozent erhöhen.

Immerhin kann auch die Bahn mit ihrer Offensive ihre Strommix-Ziele deutlich verbessern. Derzeit hat Ökostrom einen Anteil von 24 Prozent am Bahnstrom-Mix. „2015 wird der Anteil mindestens auf 35 Prozent steigen, bis 2020 auf mehr als 40 Prozent“, sagt Rehkopf. Das ist deutlich früher, als einst geplant. Noch mehr wäre möglich, würde auch im Nahverkehr die grüne Welle einkehren. Voraussetzung dafür wäre, dass Bund und Länder mitziehen: Da der Nahverkehr von den Ländern bei den Bahnen bestellt und vom Bund bezahlt wird, „müsste der Grünstrom in den Ausschreibungen mit gefordert werden“, so Rehkopf. Das ginge nicht von heute auf morgen, da die Verkehrsverträge über viele Jahre laufen. Doch bei neuen Ausschreibungen wäre es möglich. Ein solcher Trend sei aber derzeit noch nicht erkennbar.

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