Entwicklungspolitik

Grüne Hilfe für Afrika

  • Claudia Warning
    vonClaudia Warning
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Innovativ und "grün" soll die Entwicklungsarbeit in den Ländern des Südens künftig sein. Das ist eine Kehrtwende. Minister Müller steht vor einer anspruchsvollen und anstrengenden Aufgabe.

Seit der Begriff „Grüne Innovationszentren“ vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit im März 2014 geprägt wurde, schauen die Expertinnen und Experten der Entwicklungszusammenarbeit gebannt nach Süden. „Grün“ und „innovativ“ – was will man mehr, wenn es um die Entwicklung der Länder des Südens geht?

In Afrika soll es künftig in elf Ländern solche Zentren geben. In den letzten Jahrzehnten ist die Förderung der Landwirtschaft in Afrika sträflich vernachlässigt worden. Viele Bauern konnten an neuen Erkenntnissen zur Saatgutzüchtung, Schädlingsbekämpfung und zu Produktions- und Verarbeitungsmethoden nicht teilhaben. Gleichzeitig wird Ackerland knapp, unter anderem durch Bevölkerungswachstum und Landgrabbing. Firmen, Kapitalfonds, aber auch Staaten kaufen Millionen Hektar Land insbesondere in Afrika. Oft werden Bauern vertrieben, die ihre Besitzansprüche nicht nachweisen können.

„Grüne Innovationszentren“ könnten die Bauern unterstützen. Den Beweis haben viele Organisationen bereits geliefert: AIM in Aserbaidschan beispielsweise analysiert in Laboren die Bodenqualität der kleinbäuerlichen Betriebe und berät sie, ressourcensparend zu düngen und die richtige Auswahl der Feldfrüchte zu treffen. WOTR arbeitet im dürregeplagten Westindien. Bauern werden dort geschult, dürreresistente Anbaumethoden anzuwenden und Wasser zielgenau zu nutzen. In Kambodscha verbreitet die Nichtregierungsorganisation CEDAC eine Vielfalt an Reis-Sorten.

Damit steigen nicht nur die Ernteerträge, sondern Kleinbauern werden unabhängiger von den Produkten der Agrarindustrie. Denn Saatgut, Dünger und Pestizide können sie sich nicht leisten und brauchen es auch nicht mehr.

Hier liegt der Schlüssel zum Erfolg der Innovationszentren von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. Werden sie es schaffen, beide Ziele zu erreichen: Eine nachhaltige Steigerung der Produktivität und die Modernisierung der Landwirtschaft einerseits und den Erhalt der Selbständigkeit von Kleinbauern durch eine Verbesserung ihrer Lebensbedingungen andererseits?

Das ist anspruchsvoll und anstrengend. Wir werden mit Spannung beobachten, wie Minister Müller seinen Job erledigt.

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