Klima

Grün und blau

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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EU-Kommission will Nutzung von klimafreundlichem Wasserstoff forcieren.

Europa soll Vorreiter beim Einsatz von Wasserstoff als Energieträger werden. Die EU-Kommission stellte am Mittwoch ihre Strategie zur Umsetzung dieses Ziels vor. Vorrang soll dabei „grüner Wasserstoff“ haben, der durch Elektrolyse unter Nutzung von Wind- und Solarstrom produziert wird. Für eine Übergangszeit will Brüssel aber auch andere Herstellungsformen auf Basis von fossilen Energien fördern, bei denen CO2 entsteht.

Wasserstoff respektive daraus hergestellte synthetische Brenn- und Kraftstoffe sollen laut Kommission genutzt werden, um fossile Energieträger vor allem in Industrie, Verkehr und Gebäudeheizungen zu ersetzen. Auch als Speicher für fluktuierende Wind- und Solarenergie sind sie einsetzbar.

Brüssel sieht die Strategie als Teil ihres „Green Deal“, der Europa bis 2050 zum klimaneutralen Kontinent machen soll. Der zuständige Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans sagte: „Die Wasserstoffwirtschaft kann ein Wachstumsmotor werden, um die ökonomischen Schäden durch Covid-19 zu überwinden.“ Mit der Strategie sollen öffentliche und private Investitionen mobilisiert werden, unter anderem aus dem Corona-Wiederaufbauprogramm der Union.

Aktuell werden in der EU im Jahr knapp zehn Millionen Tonnen Wasserstoff produziert, und zwar vor allem auf Basis von Erdgas – der sogenannte graue Wasserstoff. Daneben sollen nun Kapazitäten für die „saubere“ Variante aufgebaut werden – bis 2024 für eine Million Tonnen und bis 2030 für zehn Millionen Tonnen. Das kann allerdings auch „blauer“ Wasserstoff aus Erdgas sein, bei dem das CO2 im Prozess abgetrennt und unterirdisch gespeichert wird, genannt CCS-Technologie. Zwischen 2030 und 2050 soll dann die grüne Variante kräftig hochgefahren werden.

Erst jüngst hatte die Bundesregierung ihre nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt. Sie sieht dafür neun Milliarden Euro vor.

Umweltorganisationen kritisierten, dass die EU auch den blauen Wasserstoff fördern will. Der Deutscher Naturschutzring befürchtet dadurch einen „Lock-In-Effekt“ in die weitere Nutzung von fossilem Erdgas. Zudem sei die CCS-Technologie riskant.

Die Erdgasbranche, kaum verwunderlich, sieht das anders. Wichtig sei, dass auch die „Erzeugung von CO2-neutralem Wasserstoff durch Erdgas“ berücksichtigt werde. Dies bringe Kostenvorteile, so die Initiative „Zukunft Erdgas“. Grauer Wasserstoff koste pro Kilogramm rund 1,50 Euro, blauer zwei, grüner aber bis zu 5,50.

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