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Hinter einer Kohlenhalde steht der Förderturm der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop.

Geldanlage

Großbanken sollen ihre Klimarisiken offenlegen

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Investoren wollen wissen, welche Auswirkungen Klimawandel und -politik auf die Performance von Banken haben.

Die Großbanken weltweit sollen offenlegen, welchen klimabezogenen Risiken ihre Geschäfte unterliegen und wie sie darauf reagieren. Diese Forderung haben rund 100 Pensionsfonds, Vermögensverwalter und Stiftungen in einem Brief an die 62 größten Geldhäuser erhoben. Die Investoren verwalten zusammengenommen ein Vermögen von umgerechnet über einer Billion Euro.

Der Appell richtet sich unter anderem an die Big Player JP Morgan Chase, Goldman Sachs, Lloyds, Bank of America, Bank of China sowie die Deutsche Bank. Koordiniert wird die Aktion von der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation „Share Action“ und der Anlageberatung Boston Common Asset Management, die sich auf ökologische Geldanlagen spezialisiert hat.

Die Deutsche Bank hat angekündigt, keine neuen Kredite mehr für Kohlebergwerke und den Bau neuer Kohlekraftwerke zu vergeben. Laut einer Studie der Umweltorganisation Urgewald aus dem vorigen Jahr war das größte Deutsche Geldhaus der weltweit größte Geldgeber für den Kohlebergbau. Das „Divestment“ in dem Sektor soll allerdings erst schrittweise und über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg erfolgen.

Klimarisiken werden spätestens seit dem Abschluss des Pariser Weltklimaabkommens Ende 2015 als eine der größten Bedrohungen angesehen, denen Unternehmen und damit auch ihre Investoren ausgesetzt sind. Eine Arbeitsgruppe des „Finanzstabilitätsrats“ in Basel zur Transparenz finanzieller Klimarisiken (TCFD) hat im Auftrag der G20-Finanzminister inzwischen Empfehlungen dazu ausgearbeitet, wie Unternehmen klimabezogene Risiken gegenüber Investoren offenlegen können.

Die Richtlinien unterscheiden zwei Risiken: Risiken durch die Auswirkungen des Klimawandels, etwa extreme Wetterereignisse, auf die Performance der Unternehmen sowie die Risiken, die durch eine verschärfte Klimaschutz-Politik entstehen. Die Einhaltung des Paris-Vertrags mache „wesentliche“ und teils gar „disruptive“ Veränderungen erforderlich, wird erläutert. Das hat Auswirkungen auf die Bewertung etwa von Energiekonzernen, da zwei Drittel der bekannten Vorkommen an Kohle, Öl und Gas im Boden bleiben müssen, um die Erderwärmung auf 1,5 bis zwei Grad zu begrenzen.

Banken, Versicherer und institutionelle Anleger wiederum sollen offenlegen, wie viel „fossile Ressourcen“ quasi in ihren Anlage-Portfolios steckt und was die noch wert ist, wenn Regierungen einen angemessenen CO2-Preis festlegen.

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