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Die Commerzbank will wieder profitabler werden. Dafür müssen viele Mitarbeiter gehen.
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Die Commerzbank will wieder profitabler werden. Dafür müssen viele Mitarbeiter gehen.

Commerzbank

Von der Großbank zur Notbank

  • VonStephan Kaufmann
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Die Commerzbank plant einen radikalen Umbau und streicht tausende Stellen. Auch die Aktionäre müssen sich auf magere Jahre einstellen.

Überraschend kam die Nachricht nicht mehr, zu viel war schon durchgesickert. Doch nun ist es offiziell: Die Commerzbank plant einen radikalen Umbau des Konzerns, um ihre Kosten zu senken und die Rendite zu steigern. Dabei sollen auch 7300 Stellen abgebaut werden, teilte das Institut am Donnerstag mit. Zur Finanzierung des Umbaus müssen die Aktionäre auf Dividenden verzichten. Der Plan soll heute beschlossen werden.

In einem Brief an die Mitarbeiter, dessen Entwurf versehentlich im Intranet landete, malte Commerzbank-Chef Martin Zielke ein düsteres Bild: „Das Wichtigste, was wir uns 2012 vorgenommen haben, haben wir noch nicht erreicht. Wir verdienen einfach nicht genug Geld, um die Bank dauerhaft mit Erfolg in die Zukunft zu führen.“

Insbesondere das Umfeld extrem niedriger Zinsen macht der Commerzbank zu schaffen. Denn ihr Geschäftsmodell beruht stark auf der Zinsdifferenz, also dem Unterschied zwischen den Zinsen, die sie den Kunden für ihre Einlagen bezahlt, und den Zinsen, die sie für Kredite erhält. Mit dem allgemeinen Zinsniveau ist daher auch die Gewinnspanne für die Commerzbank geschrumpft. Dies liegt einerseits an der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, andererseits an der schwachen Konjunktur.

Folge: Im ersten Halbjahr 2016 ist der Gewinn der Commerzbank um 40 Prozent auf 372 Millionen eingebrochen. Das haben die Investoren bestraft, der Aktienkurs ist im laufenden Jahr um fast 40 Prozent gesunken. Seit Monaten wuchs daher der Druck auf den neuen Commerzbank-Chef Martin Zielke, der seit dem 1. Mai an der Spitze steht, die Kosten zu senken. Dies soll nun geschehen. Die Bank werde sich „im Rahmen der Strategie Commerzbank 4.0 konsequent auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, 80 Prozent ihrer relevanten Prozesse digitalisieren und dadurch signifikante Effizienzgewinne realisieren“, meldete das Institut. Bis Ende 2020 werde dadurch die Profitabilität „nachhaltig erhöht“.

Künftig will sich Deutschlands zweitgrößte Bank auf zwei Kundensegmente konzentrieren: Privatkunden und Unternehmer. Das Investmentbanking wird mit dem Firmenkundengeschäft zusammengelegt, aus vier Sparten werden so zwei. Zudem wird das Handelsgeschäft im Investmentbanking reduziert. Auf Grund strengerer regulatorischer Vorgaben ist das riskante Investmentbanking nicht mehr so lukrativ wie früher. Die Reduktion des Handelsgeschäfts soll die starken Ergebnisschwankungen mindern, zudem wird so Kapital zur Absicherung des Investmentbankings frei für andere Geschäftsfelder.

Zudem befreit sich die Commerzbank von Altlasten und schreibt voraussichtlich 700 Millionen Euro auf Vermögensgegenstände in ihrer Bilanz ab. Folge sei ein Verlust im dritten Quartal, kündigte der Konzern an. Für das Gesamtjahr erwartet er dennoch einen kleinen Gewinn. Die harte Eigenkapitalquote – ein Zeichen für die Widerstandsfähigkeit einer Bank gegen Verluste – soll zum Jahresende wieder bei zwölf Prozent liegen, nachdem sie auf 11,5 Prozent abgerutscht war.

Das Institut hat in den vergangenen Jahren bereits 5200 Stellen abgebaut, nun sollen weitere folgen. Die Bündelung von Geschäftssparten und die Automatisierung kosten 9600 Jobs bis zum Jahr 2020, teilte die Bank mit. Gleichzeitig würden rund 2300 neue Arbeitsplätze geschaffen. Insgesamt würden damit etwa 38 000 der bislang rund 45 000 Vollzeitstellen übrigbleiben.

Kostensenkungen über eine halbe Milliarde Euro und Umstrukturierungen sollen dazu führen, dass die Netto-Eigenkapitalrendite der Commerzbank in vier Jahren bei sechs Prozent liegt. Sollte sich das Zinsniveau „normalisieren“ – sprich: sollten die Zinsen wieder steigen – sei eine Rendite von acht Prozent erreichbar. Vergangenes Jahr hatte die Rendite bei 4,2 Prozent gelegen. Analysten der Citibank nannten die Ankündigungen „ermutigend“, die Gewinnziele allerdings „anspruchsvoll“. Zudem habe sich die Commerzbank in der Vergangenheit schwer getan, ihre Ankündigungen wahr zu machen. Die Aktien der Bank gaben am Donnerstag leicht nach.

Laut Prognose des Vorstands kosten Umstrukturierung und Stellenabbau die Bank insgesamt 1,1 Milliarden Euro. Um dies aufzubringen, werde die Bank „vorerst“ keine weiteren Dividendenzahlungen an die Aktionäre vornehmen und ihre Ergebnisse in die Gewinnrücklage einstellen. Das trifft auch den deutschen Staat: Der Bund hatte in der Finanzkrise die Bank mit 18 Milliarden Euro gestützt. Der größte Teil davon ist zurückgezahlt, derzeit hält der Staat noch gut 15 Prozent aller Aktien. Das Finanzministerium wollte am Donnerstag keinen Kommentar zu den Plänen der Commerzbank abgeben.

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