Berliner Start-up-Investor

Großaktionär trennt sich von Rocket-Internet-Aktien

Der schwedische Großaktionär Kinnevik trennt sich abrupt von der Hälfte seiner Anteile am Berliner Start-up-Investor Rocket Internet. Offenbar kriselt es schon länger zwischen den Unternehmen.

Der schwedische Rocket-Internet-Großaktionär Kinnevik hat sich abrupt von der Hälfte seiner Beteiligung an dem Berliner Start-up-Investor getrennt. Die Investmentbank Bank of America Merrill Lynch platzierte am Mittwochabend binnen weniger Stunden 10,9 Millionen Rocket-Internet-Aktien, die Kinnevik zum Verkauf gestellt hatte, für knapp 210 Millionen Euro bei Investoren.

Der Risikokapital-Investor, der mit der Rocket-Holding von Oliver Samwer auch bei vielen operativen Beteiligungen gemeinsame Sache gemacht hatte, halbierte damit seinen Anteil an Rocket Internet auf 6,6 Prozent. Die übrigen Anteile kann Kinnevik frühestens Ende Mai auf den Markt werfen. Zwischen den beiden Unternehmen kriselt es Insidern zufolge schon länger.

Zehn Prozent Abschlag auf den Schlusskurs

Kinnevik nahm bei der Platzierung einen ungewöhnlich starken Abschlag von zehn Prozent zum Xetra-Schlusskurs von 21,34 Euro hin. Normalerweise versuchen Investmentbanken, Aktien maximal fünf Prozent unter dem Börsenkurs loszuschlagen. Merrill Lynch bot die Papiere zu 19 bis 20 Euro an, für 19,25 Euro griffen die neuen Investoren zu. Die Rocket-Internet-Papiere waren im Späthandel bis auf 19,60 Euro abgerutscht. Beim Börsengang im Herbst 2014 waren sie noch zu 42,50 Euro ausgegeben worden.

Rocket Internet wollte sich zum Teilausstieg von Kinnevik nicht äußern. Der ehemalige Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau hatte im vergangenen Jahr gesagt, sein Haus werde die Beteiligung an Rocket erst in zwei bis drei Jahren auf den Prüfstand stellen. Dann werde man sehen, wie sich die jungen Unternehmen im Portfolio weiter entwickelten. Im Dezember musste der Italiener aber gehen. Seine Nachfolger wollten offenbar nicht so lange warten. Spekulationen über einen Komplettausstieg von Kinnevik gab es aber schon vorher. Bereits 2016 hatten die Schweden beide Vertreter aus dem Aufsichtsrat von Rocket zurückgezogen.

Zwist hatte es laut Insidern unter anderem im Zusammenhang mit dem abgeblasenen Börsengang des Lebensmittel-Lieferanten HelloFresh gegeben. Kinnevik habe ihn blockiert, während Rocket auf die Emission gedrängt habe, um einen erfolgreichen Ausstieg realisieren zu können. Der schwedische Risikokapitalgeber hatte Wertverluste der Rocket-Beteiligungen wie den Möbelhändlern Westwing oder Home24 oder der Mode-Holding Global Fashion Group (GFG) meist schneller und radikaler in den eigenen Büchern nachvollzogen als Rocket selbst. Auch den Wert ihrer Beteiligung an Rocket hatten die Schweden wegen des Kurseinbruchs drastisch reduziert. Ende Dezember stand sie noch mit 420 Millionen Euro zu Buche - das waren 29 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. (rtr)

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