+
Uber-Fahrer demonstrierten am Mittwoch in San Francisco für eine bessere Bezahlung. Auch am Freitag gab es Proteste.

Uber

Größter Börsengang seit Jahren

  • schließen

Fahrdienstanbieter Uber sammelt acht Milliarden Dollar ein.

Die New Yorker Börse ist um ein Ticker-Symbol reicher: Uber. Das Unternehmen gab am Freitagnachmittag sein Debüt am Aktienmarkt. 180 Millionen Anteilscheine waren für 45 Dollar pro Stück ausgegeben worden. Das Unternehmen sammelte damit 8,1 Milliarden Dollar ein.

Der Börsengang ist der größte und spektakulärste der vergangenen fünf Jahre. Das Unternehmen aus San Francisco kommt auf eine Gesamtbewertung von rund 82 Milliarden Dollar, hat sich damit in puncto Marktkapitalisierung aus dem Stand in die Kategorie des weltgrößten Autobauers Volkswagen katapultiert. Obwohl Uber meilenweit davon entfernt ist, Gewinne einzufahren. In den vergangenen drei Jahren haben sich die Verluste auf rund zehn Milliarden Dollar summiert. Zugleich kletterten 2018 aber die Umsätze um gut 40 Prozent auf 11,3 Milliarden Dollar.

Mit den 45 Dollar lag der Ausgabepreis am unteren Ende der vorher festgelegten Spanne von 44 bis 50 Dollar. Dafür gab es Lob von Analysten. Von einer klugen Entscheidung war die Rede und davon, dass dies eine Lehre aus dem Börsengang des kleineren Konkurrenten Lyft sei. Dessen Papier hat seit dem Gang aufs Parkett fast ein Viertel an Wert verloren. Laut US-Finanzdienst Bloomberg haben die betreuenden Banker zudem darauf geachtet, dass die Uber-Aktien gezielt an institutionelle Anleger verteilt wurden, die auf langfristige Investments setzen.

Dass beim Werben um Investoren immer wieder die Analogien zum Online-Handelsgiganten Amazon hergestellt wurden, ist keineswegs zufälliger Natur. Uber-Fans betonen gerne, dass sich wiederholen lässt, was Jeff Bezos mit seinem Konzern geschafft hat, der einst als Internet-Buchhändler startete, über viele Jahre hohe Verluste einfuhr, inzwischen aber den weltweiten Online-Handel dominiert. Bei Uber geht es um Mobilität in jeglicher Form.

Neben dem klassischen Fahrdienst, der mit einer Smartphone-App funktioniert, organisiert das Unternehmen Essenslieferungen, es vermittelt Frachtaufträge für Lkw-Fahrer und bietet Elektrofahrräder sowie E-Tretroller zur Kurzzeitmiete an. Derzeit lässt sich mit alldem nur wenig oder gar kein Geld verdienen. Doch in der Investment-Story wird die gigantische Menge an gesammelten Daten gepriesen, die mit jeder Uber-Fahrt größer wird. Ein klassisches Silicon-Valley-Muster: Dortige Startups setzen fast ausnahmslos darauf, digitale Informationen, die Nutzer kostenlos liefern, zu Geld zu machen.

Eine weitere Zutat ist der technologische Fortschritt: Wer Uber-Aktien kauft setzt darauf, dass sich Robotertaxis schnell durchsetzen. Als wichtige Komponente kommt hinzu, dass mit einer aggressiven Wachstumsstrategie eine beherrschende Position im globalen Transport- und Beförderungsgeschäft angestrebt wird.

Uber ist indes selbst auf dem Heimatmarkt umstritten. Der Weg an die Börse wurde von Protesten von Fahrern in vielen Städten begleitet. Sie beklagen die geringe Bezahlung, die es noch nicht einmal zulasse, sich „eine Gesundheitsversorgung leisten zu können“, so die New Yorker Taxifahrer-Gewerkschaft. Hart arbeitende Menschen würden in „Armut und Verzweiflung“ getrieben. Die Fahrer arbeiten als Selbstständige mit ihrem eigenen Pkw, sie werden nach den absolvierten Fahrten bezahlt. Ein Großteil der Einnahmen bleibt beim Vermittler. Uber selbst spricht von einem Verdienst für die Fahrer von knapp neun Dollar pro Stunde – wobei die Spanne sehr groß ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare