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Deutsche Bank

Der größte Flop im Dax

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Kein Halten: Die Aktie der Deutschen Bank fällt 2018 von Rekordtief zu Rekordtief.

Als Christian Sewing im April dieses Jahres nach dem ziemlich unschön verlaufenen Rauswurf von Bankchef John Cryan den Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank übernahm, wusste er sicherlich, dass ein schwerer Job vor ihm liegt. Aber dass es am Ende des Jahres so schlecht um das größte deutsche Kreditinstitut bestellt sein würde, hat er bestimmt nicht geahnt. Mitarbeiter der Bank wie außenstehende Beobachter raufen sich ratlos die Haare oder zucken resigniert mit den Schultern, wenn man sie auf den Zustand des Instituts anspricht.

Die Ertragslage sieht mies aus – auch wenn das Institut auf der Bilanzpressekonferenz am 1. Februar erstmals seit 2014 wieder einen Gewinn verkünden will. Und die Bank kommt einfach nicht aus den Negativschlagzeilen; in den Köpfen der Bürger ist das Institut inzwischen fest mit Skandalen verbunden. Zuletzt tauchte sein Name im Zusammenhang mit dem Verdacht der Geldwäsche auf, Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten die Bank.

Kaum verwunderlich also, dass die Anleger Reißaus nehmen. Die Aktie der Deutschen Bank stürzt von Allzeit-Tief zu Allzeit-Tief; am Donnerstag war das Papier zeitweise nur noch 6,68 Euro wert. Dass Anleger im Mai 2007 tatsächlich mehr als 108 Euro für ein Deutsche-Bank-Papier zahlten, erscheint heute wie ein realitätsfernes Hirngespinst. Über ein Jahr betrachtet hat die Aktie des Instituts etwa 56 Prozent verloren - und ist damit der größte Flop 2018 im deutschen Leitindex Dax, der selbst etwa ein Fünftel seines Werts eingebüßt hat.

Zwar haben in diesem Jahr Banken in Europa insgesamt deutlich an Wert verloren. Der Börsen-Index Stoxx Europe 600 Banks, der die größten Häuser Europas abbildet, hat auf ein Jahr betrachtet um die 30 Prozent abgegeben. Selbst in den USA, wo es den Banken unter anderem wegen der steigenden Zinsen und des viel größeren Heimatmarktes deutlich besser geht als den europäischen Rivalen, hat der Index Dow Jones US Banks etwa 20 Prozent verloren. Damit lag auch er deutlich schlechter als der breite Dow Jones, der nur etwa sieben Prozent eingebüßt hat.

Aber ein Blick auf die Marktkapitalisierung zeigt den besonders tiefen Fall der Deutschen Bank. Sie ist inzwischen weniger als 14 Milliarden Euro an der Börse wert. Ende 2006 waren es noch mehr als 53 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die größte europäische Bank HSBC hat derzeit eine Marktkapitalisierung von mehr als 140 Milliarden Euro, die spanische Banco Santander – trotz eines schlechten Börsenjahrs – von mehr als 62 Milliarden Euro, die 2018 ebenfalls an den Märkten schlecht abschneidende französische BNP Paribas von immerhin noch 48 Milliarden Euro.

Wagt man einen Blick über den Atlantik, so wirken europäische Banken insgesamt wie ziemlich wertlose Pommes-Buden. JP Morgan bringt es derzeit auf eine Marktkapitalisierung von mehr als 322 Milliarden Dollar (282 Milliarden Euro), die Bank of America auf knapp 240 Milliarden Dollar.

Abstieg der Commerzbank

Wie also geht es weiter mit der Deutschen Bank? Im Herbst erklärte der Vorstand des Instituts, seine Priorität sei es, „Ruhe und Stabilität“ in die Bank zu bringen. Das ist bislang nicht gelungen - wäre aber dringend notwendig, um bestehende Kunden halten und neue gewinnen zu können und um die eigenen Mitarbeiter zu motivieren.

Die immer wieder aufkeimenden Gerüchte um eine mögliche Fusion mit der Commerzbank scheinen da für den Ruhepuls eher schlecht zu sein. Zumal nach diesem Börsenjahr mehr denn je die Frage gestellt werden muss: Was würde es bringen, zwei Fußlahme zusammenzulegen? Die Commerzbank ist 2018 sogar aus dem Dax in den M-Dax abgestiegen, die Aktie am Donnerstag auf ein Jahrestief von 5,50 Euro gesunken, aufs Jahr gesehen hat sie um die 55 Prozent verloren und war damit zweitschlechtester Wert im M-Dax. Die Marktkapitalisierung der Bank liegt nur noch bei knapp sieben Milliarden Euro.

Der Abstieg der Commerzbank aus dem Dax erfolgte übrigens zugunsten eines anderen Finanzdienstleisters. Wirecard aus der Nähe von München ist auf modernen Zahlungsverkehr spezialisiert, die Aktie hat auf Jahressicht um die 40 Prozent zugelegt – größter Gewinner im Dax.

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