Raubbau

Grillen mit Tropenholz

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Etwa 30 Prozent der in Deutschland erhältlichen Holzkohle stammt aus dem Urwald.

Was ist drin, wo „Grillkohle“ drauf steht? Offenbar landen auch Tropenhölzer in den Beuteln. Die Grünen fordern eine klare Kennzeichnung.

In deutschen Grills kommt offenbar häufig Tropenholz zum Einsatz, ohne dass die Verbraucher von dessen bedenklicher Herkunft wissen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der Grünen hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums werden pro Jahr durchschnittlich 236 000 Tonnen Holzkohle in Deutschland verbraucht – davon werden 95 Prozent importiert.

Zu den wichtigsten außereuropäischen Exportländern von Holzkohle nach Deutschland zählt das Ministerium Paraguay (18 Prozent) und Nigeria (elf Prozent). „Die Bundesregierung kann nicht ausschließen, dass illegal genutzte Hölzer in importierter Holzkohle enthalten sind“, heißt es aus dem Ministerium.

Das Haus von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) beruft sich dabei auf eine seit 2016 durchgeführte Untersuchung des bundeseigenen Thünen-Instituts. Demnach ergaben Analysen von rund 6200 Kohleproben, dass bei etwa 30 Prozent der untersuchten Produkte die Herkunftsangaben „kritisch“ zu bewerten seien. Die Produkte waren also nicht oder falsch deklariert. So handle es sich bei Sortimenten, die keinerlei Angaben zu den verwendeten Hölzern enthalten, oft um Tropenhölzer. Und selbst dort, wo „aus heimischen Laubhölzern“ draufsteht, wurden neben Buche, Ahorn und Eiche auch tropische und subtropische Hölzer beigemischt.

„Grillen und Urwaldschutz müssen zusammengehen“, forderte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke. Die Bundesregierung müsse etwas gegen den Handel mit illegalem Holz und Holzkohle tun. „Wir fordern eine Aufnahme von Holzkohle in die entsprechende europäische Holzverordnung, welche das Ziel hat, die Einfuhr von illegalem Holz zu verhindern. Außerdem braucht es eine eindeutige Kennzeichnungspflicht von Holz und Holzprodukten nach Herkunftsland und Holzart sowie schärfere Kontrollen“, sagte Lemke.

Die Grünen-Politikerin mahnte einen besseren Schutz bedrohter Wälder an. „Der Urwald hat enorme Bedeutung für die Artenvielfalt und den Klimaschutz“, so Lemke. „Es ist nicht auszuschließen, dass auch Holzkohle, mit der in Deutschland Grills befeuert werden, aus Raubbau stammt.“

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