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Aussicht auf das Athener Stadtviertel Anafiotika am Nordosthang der Akropolis: Vor allem der Tourismus bringt Geld ins Land. Doch wegen der unruhigen Lage in der Türkei und Nordafrika hält diese Sonderkonjunktur vermutlich nicht lange an.

Griechenland

Griechenlands Wirtschaft wächst - und bleibt zerbrechlich

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Griechenlands Wirtschaft wächst endlich. Bald endet das EU-Kreditprogramm für das Land. Die Zukunft sieht dennoch nicht rosig aus. Ein Drittel der Griechen lebt in Armut. Die Analyse.

Am 20. August endet das Kreditprogramm für Griechenland, von da an soll das Land „auf eigenen Beinen stehen“, wie es heiß. Derzeit geben sich alle beteiligten Parteien sehr hoffnungsfroh, dass das auch klappen wird. Denn der griechische Staat erwirtschaftet hohe Überschüsse, seine Finanzierung ist zunächst gesichert. Auch die Wirtschaft wächst endlich wieder. Das Problem ist allerdings: Die Erholung ist zerbrechlich. Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich zwar verbessert, sind aber nicht gut genug. Es rächt sich, dass die Gläubiger einen brutalen Sparkurs erfolgreich durchgesetzt, die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum aber vernachlässigt haben.

Griechenlands Wirtschaft hat sechs Jahre Schrumpfung und vier Jahre Stagnation hinter sich. Ein Drittel der Griechen lebt in Armut. Die Wertschöpfung der privaten Unternehmen ist seit 2007 um 38 Prozent eingebrochen, errechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Besonders gelitten haben die Kleinst-Unternehmen, die das Rückgrat der Ökonomie bilden: Ihre Wertschöpfung sank um 60 Prozent. Angesichts der grassierenden Armut und der hohen Schulden kommt es nun darauf an, dass die Wirtschaft wieder dauerhaft wächst. Dahinter stehen aber Fragezeichen.

Das aktuelle Wachstum ist mit rund zwei Prozent erstens zu schwach. Zweitens basiert es wesentlich auf dem Tourismus-Sektor – und der wiederum erlebt dank der unruhigen Lage in der Türkei und Nordafrika eine Sonderkonjunktur, die nicht ewig anhalten wird.

Drittens hat Griechenland in den letzten Jahren zwar hunderte von Reformen umgesetzt, den Staatsapparat verkleinert, Bürokratie und Sozialstaat reduziert, Unternehmensgründungen vereinfacht und Investorenrechte gestärkt. Dadurch sprang das Land im Standort-Vergleich der Weltbank von Platz 109 auf derzeit 67. Laut DIW ist das aber immer noch nicht gut genug für den globalen Wettbewerb.

Die alten Probleme Griechenlands gibt es immer noch

Alte Probleme existieren laut DIW weiter: Die öffentliche Verwaltung funktioniert schlecht, die Unternehmen leiden unter zu viel Bürokratie, es können bis zu zehn Jahre vergehen, bis Gerichtsverfahren mit einem Urteil enden. Es existiert quasi kein System, das Innovationen fördert. N eue Probleme sind dazugekommen. So ist das Bankensystem schwach, da 47 Prozent aller vergebenen Kredite als faul gelten – ein Erbe von Krise und Massenpleiten. Zudem wurden die Steuern stark erhöht, um die Sparvorgaben der Gläubiger zu erfüllen. All das hemmt das Wachstum der produktiven Sektoren, so das DIW.

Einziger Bereich, der radikal dereguliert wurde, ist der Arbeitsmarkt. Laut DIW ist er einer der flexibelsten in Europa. Dadurch sind die Lohnkosten für Unternehmen drastisch gesunken. Doch den Unternehmen nutzt das nur begrenzt, wenn die restlichen Bedingungen nicht stimmen.

Bis zum Jahr 2060 ist Griechenland von seinen Gläubigern in ein eisernes Sparkorsett gezwungen worden, um die Schuldenbedienung zu sichern. DIW-Forscher Alexander Kritikos erwartet daher für die Zukunft „einen nur kraftlosen Erholungsprozess“. Statt auf eiserne Konsolidierung hätten die Gläubiger sich besser auf eine Verbesserung der allgemeinen Produktionsbedingungen konzentrieren sollen. „Dann hätte man sich einen Teil der vielen Ausgabenkürzungen sparen können.“

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