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Greta Thunberg lässt die FDP strahlen

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Von: Joachim Wille

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Die Schwedin Greta Thunberg liegt eher selten auf FDP-Linie.
Die Schwedin Greta Thunberg liegt eher selten auf FDP-Linie. © afp

Die „Fridays for Future“-Erfinderin Greta Thunberg spricht sich dafür aus, Atomkraftwerke am Netz zu lassen.

Eine ungewöhnliche Konstellation: Die „Fridays for Future“-Erfinderin Greta Thunberg kämpft in der heißlaufenden Atomkraft-Frage an der Seite der FDP, die die Meiler über das Jahr 2023 hinaus am Netz lassen will. Sie halte es für falsch, die AKW abzuschalten und stattdessen alte Kohlekraftwerke wieder ans Netz zu nehmen. „Wenn sie schon laufen, glaube ich, dass es ein Fehler wäre, sie abzuschalten und sich der Kohle zuzuwenden“, sagte sie in der ARD. Bundeswirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck (Grüne) hingegen plant nur einen „Streckbetrieb“ für zwei der drei derzeit noch laufenden Meiler bis zum nächsten April.

Die FDP nahm die Steilvorlage auf. Ihr energiepolitischer Sprecher Michael Kruse sagte: „Minister Habeck sollte auf Greta Thunberg hören und Kernkraftwerke zur Sicherung der Stromversorgung bis ins Jahr 2024 hinein nutzen.“ Er forderte nicht nur, alle drei AKW weiterlaufen zu lassen – also neben den beiden in Süddeutschland (Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim 2 in Baden-Württemberg) auch das in Lingen in Niedersachsen. Auch zwei weitere aus der Dreier-Serie der Ende 2021 abgeschalteten Kraftwerke sollten reaktiviert werden. Insgesamt wären damit fünf Atommeiler am Netz, die zusammen rund zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs liefern könnten.

Atomkraftwerke weiterlaufen lassen und reaktivieren?

Einfach ist ein Weiterlaufenlassen und eine Reaktivierung der AKW nicht. Der von Habeck geplante „Streckbetrieb“ bis ins Frühjahr 2023 lässt sich mit den vorhandenen Brennelementen realisieren. Sollen die AKW auch danach weiter Strom produzieren, brauchen sie neuen Brennstoff. Von der Bestellung neuer Elemente bis zur Auslieferung dauert es üblicherweise mindestens ein Jahr. Aus der Branche ist zu hören, dass es unter Umständen auch ein, zwei Monate schneller gehen könnte.

Ein unterbrechungsfreier Betrieb der drei AKW durch das Jahr 2023 wäre damit nicht zu schaffen, selbst wenn bereits entladene, nicht ganz „abgebrannte“ Elemente weiter genutzt würden, wie das als Möglichkeit etwa für Isar 2 diskutiert wurde. Allerdings könnten die Atommeiler dann ab Herbst 2023 wieder zur Verfügung stehen.

Ein weiteres Problem ist die Sicherheit der Anlagen. Für den weiteren Betrieb ist hochqualifiziertes Personal erforderlich, die Personalplanung bei der Betreiber orientiert sich natürlich auch am Datum des Atomausstiegs. Hier müssten entsprechend neue Verträge geschlossen und Personal qualifiziert werden.

Hinzu kommt: Da das Abschaltdatum der drei letzten AKW im Atomgesetz festgeschrieben wurde, gestand der Bund den Betreibern zu, die eigentlich 2019 fällige umfangreiche Periodische Sicherheitsuntersuchung (PSÜ) nicht durchzuführen. Die Betreiber gaben damals eine verbindliche Erklärung ab, den Leistungsbetrieb Ende 2022 einzustellen.

Atomkraftwerke: Fehlende Kontrollen

Würde das rückgängig gemacht und der Betrieb ein Jahr oder länger fortgesetzt, müsste die PSÜ nachgeholt werden oder das Sicherheitsniveau zumindest auf andere Art und Weise intensiv überprüft werden. „Es hat seit 2011 durchaus weitere umfangreiche Sicherheitschecks gegeben“, sagt der Nuklearexperte Christoph Pistner vom Öko-Institut. „Trotzdem wäre natürlich irgendwann eine umfassende Sicherheitsüberprüfung notwendig. Auch wenn viele Experten hier nicht mit großen Defiziten rechnen, letztlich kann man erst am Ende einer Überprüfung sagen, ob und wo Probleme bestehen.“

Bleibt die Frage: Ist die Energiekrise auch in einem Jahr noch so groß, dass der vor einem Jahrzehnt erreichte Konsens zum Atomausstieg aufgegeben werden sollte? Leitlinie beim Ausstieg war: Sicherheit geht vor Ökonomie. Zu deutsch: Die Gefahr eines Super-GAU zu eliminieren ist wichtiger als billigeren Strom zu haben. Aktuelle Studien zeigen, dass Elektrizität hierzulande durch einen weiteren Betrieb der AKW höchstens um wenige Prozent billiger würde. Der jüngste Stresstest der Stromnetzbetreiber ergab, dass ein AKW-Weiterbetrieb nur einen minimalen Beitrag zur Gaseinsparung und nur einen sehr begrenzten Beitrag zur Versorgungssicherheit bringen würde. Dafür den Atomkonsens aufzugeben, sei falsch, meint Atomexperte Pistner. „Ich meine, dass er weiter gelten muss.“

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