Mehr als Geld

Grenzen der Klima-Ökonomie

Der Klimawandel verursacht nicht nur monetär messbare Folgen.

Von Steffen Bauer

Die Hurrikane Irma, Harvey und Maria haben dramatisch veranschaulicht, was eine erhitzte Atmosphäre und steigende Meeresspiegel zukünftig noch häufiger erwarten lassen. Ursache und Folgen des Klimawandels sind dabei ungerecht verteilt: Diejenigen, die am wenigsten zur Aufheizung der Atmosphäre beigetragen haben, bekommen die Auswirkungen des Klimawandels vielerorts als erste und am heftigsten zu spüren. Die gigantischen Monsunfluten, die Bangladesch und Indien heimsuchten, liegen ebenso im Trend. Dreiviertel der Todesopfer infolge von Wetterkatastrophen leben in den ärmsten Ländern der Welt.

Zu den Errungenschaften des Pariser Klimaabkommens von 2015 gehört es, dieses Ungleichgewicht anzuerkennen. Statt allein auf die Minderung von Treibhausgasemissionen zu setzen, verankert es auch die Themen Anpassung an den Klimawandel sowie die durch ihn hervorgerufenen Schäden und Verluste explizit im Vertragstext.

Entsprechend stellt die Entwicklungspolitik zunehmend Finanzmittel für die Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen bereit und entwickelt in Kooperation mit dem Privatsektor Versicherungslösungen für Klimarisiken. So hat etwa das deutsche Entwicklungsministerium schon die Klimarisikoversicherungsinitiative „InsuResilience“ gestartet. Dies ist sinnvoll und von vielfachem Nutzen.

Leicht wird aber übersehen, dass nicht alle Folgen des Klimawandels mit Geld zu beheben oder überhaupt monetär zu erfassen sind – etwa der Verlust von kulturellem Erbe, Artenvielfalt oder Heimat. Gerade dort, wo Anpassung zu kurz greift und nicht mehr vermeidbare Auswirkungen des Klimawandels enorme Schäden und menschliches Leid verursachen, stößt die Klima-Ökonomie an Grenzen.

Wenn im November in Bonn die Weltklimakonferenz unter der Präsidentschaft der stark vom Klimawandel betroffenen Fidschi-Inseln tagt, wird es also auch darum gehen, nicht-ökonomische Verluste in den Blick zu nehmen und Lösungen zu erarbeiten, die über Versicherungsansätze hinausweisen. Dafür muss ein gemeinsames Verständnis erzielt werden, was unter nicht-ökonomischen Schäden und Verlusten zu verstehen ist und wie diese konkret erfasst werden können.

Der Autor ist Politikwissenschaftler am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE) in Bonn und leitet das Projekt „Klimalog“ (www.klimalog.info).

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