Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pestizide

Gift im Supermarkt: Greenpeace findet Pestizide in Früchten aus Brasilien

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Greenpeace warnt: Viele Pestizide, die in der EU nicht zugelassen sind, werden nach Brasilien exportiert. Von dort kehren sie zurück nach Deutschland – und landen im Obstsalat.

Brasilien - Die Umweltorganisation Greenpeace hat beliebte Früchte mit Herkunftsland Brasilien auf Pestizidrückstände testen lassen: Mangos, Papayas, Melonen, Feigen und Limetten. Es zeigte sich: Mehr als zwei Drittel waren belastet, unter anderem mit Pflanzenschutzmitteln aus der Produktion der deutschen Konzerne BASF und Bayer. In vier Fällen wurde sogar der gesetzlich zugelassene Pestizidgrenzwert überschritten. Greenpeace warnt nun davor, dass das geplante neue Handelsabkommen zwischen Europäischer Union und den Mercosur-Staaten den „Kreislauf der Gifte“ zwischen den beiden Kontinenten noch ankurbeln werde.

Greenpeace-Aktive nahmen im April und Mai bundesweit Proben in Supermärkten (Edeka, Familia, Hit, Rewe), Discountern (Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl) und Großmärkten in Hamburg, Köln, Leipzig und Stuttgart. Von 70 getesteten Früchten enthielten laut dem Testergebnis 59 Pestizidrückstände. Insgesamt wurden laut Greenpeace 35 verschiedene Wirkstoffe gefunden, darunter elf, die in der EU nicht zugelassen sind. „Die Mehrzahl der Wirkstoffe gehört in die Kategorie hochgefährliche Pestizide, unter diesen 21 Wirkstoffen sind auch sechs von Bayer und vier von BASF. Einige Wirkstoffe sind hochgiftig für Bienen oder gelten sogar als krebserregend“, so die Organisation.

In Obst aus Brasilien wurden Pestizide gefunden.

Greenpeace: Pestizide im Obst

Die Untersuchung ist laut Greenpeace von einem unabhängigen Labor durchgeführt und von einem zweiten Labor gegengecheckt worden. In den vier Fällen mit Grenzwertüberschreitung hat die Organisation dies bereits an die zuständigen Behörden gemeldet. Die betroffenen Fruchtchargen hätten nicht verkauft werden dürfen. Akute Gesundheitsschäden waren mit dem Genuss dieser Produkte jedoch nicht verbunden.

Die Umweltorganisation zielt mit ihrer Testaktion auf den Rat der EU-Handelsminister:innen, der am heutigen Mittwoch (19.05.2021) tagt. Sie warnt davor, dass mit dem geplanten EU-Mercosur-Abkommen die Zölle auf Pestizide, die aus der EU nach Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay exportiert werden, gesenkt oder abgeschafft werden sollen. In den Eckdaten zu dem Abkommen heißt es zu den Exporten von Chemikalien und Arzneimitteln: „Die derzeitigen Mercosur-Zölle von etwa 14 Prozent werden bei den meisten dieser Produkte nach und nach bis auf null Prozent abgebaut.“

Kritik von Greenpeace: Pestizide mit schweren Folgen für Mensch und Umwelt

Greenpeace kritisiert, der Pestizideinsatz in Brasilien habe bereits heute verheerende Folgen für die Bevölkerung, Umwelt und Artenvielfalt, wie auch ruhr24.de* berichtet. Das neue Abkommen, das spätestens 2022 in Kraft treten soll, werde den Absatz der Chemikalien noch steigern. „Davon profitieren insbesondere die deutschen Chemieriesen Bayer und BASF“, so die Organisation. Mehr als zwei Drittel der Wirkstoffe, die die deutschen Unternehmen in Brasilien verkaufen, seien von der NGO „Pesticide Action Network“ (PAN) als hochgefährliche Pestizide eingestuft worden. Zahlreiche der dort eingesetzten Wirkstoffe seien in der EU nicht zugelassen.

Mercosur

Der Mercado Común del Sur ist eine regionale Wirtschaftsgemeinschaft. Mercosur gehören Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay an.

EU-Länder exportierten 2019 Waren im Wert von rund 41,25 Milliarden Euro in den südamerikanischen Wirtschaftsraum. Die Importe beliefen sich auf 35,9 Milliarden Euro.

Mehr als 20 Jahre verhandelten EU- und Mercosur-Staaten. Mit dem neuen Handelsabkommen soll die größte Freihandelszone der Welt aufgebaut werden. FR

Im Jahr 2019 haben 16 der 27 EU-Mitgliedstaaten Pflanzenschutzmittel im Wert von mindestens 915 Millionen Euro an die vier Mercosur-Staaten geliefert, so Angaben der NGO „Powershift“. Deutschland liegt dabei an dritter Stelle, nach Großbritannien und Frankreich. BASF und Bayer lieferten 2020 danach etwa zwölf Prozent der in Brasilien zugelassenen Pestizide.

Greenpeace-Handelsexperte Jürgen Knirsch kommentierte: „Auch deutsche Chemieriesen schaden in Brasilien Menschen, Tieren und Natur. Ein toxischer Kreislauf, denn die belasteten Früchte landen wiederum in Deutschland in unserem Obstsalat.“ Er appellierte an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), sich bei dem EU-Treffen für einen Stopp des Abkommens einzusetzen. Bisher habe das Ministerium an dem Handelsabkommen festgehalten. Altmaier stelle die Interessen weniger deutscher Großkonzerne über die Gesundheit der Menschen und den Umweltschutz, so Knirsch. Greenpeace stellt sich hinter die Forderung einer Reihe deutscher NGOs, die von der EU ein Verbot des Exports von Pestizidwirkstoffen fordern, die innerhalb der Union wegen Risiken für Gesundheit und Umwelt nicht zugelassen sind. Zudem müsse auf europäischer und internationaler Ebene ein schrittweises Verbot hochgefährlicher Pflanzenschutzmittel eingeführt werden.

Kritik aus EU an Mercosur-Abkommen

Innerhalb der EU gibt es jedoch auch Widerstände gegen das geplante Abkommen. Kritik kam unter anderem aus Frankreich, Österreich, Irland, Polen, Belgien und den Niederlanden. Die französische Regierung zum Beispiel teilte im letzten Jahr angesichts der verheerenden Amazonasbrände und der Rolle von Brasiliens Regierung dabei mit, sie könne das Abkommen unter diesen Bedingungen nicht unterzeichnen.

Irlands Parlament forderte die Regierung auf, gegen das Abkommen zu stimmen. Das EU-Parlament wiederum sprach sich im vergangenen Oktober in einer nicht bindenden Entschließung gegen das Abkommen in seiner jetzigen Form aus.

BASF und Bayer weisen die Vorwürfe zurück

Die von Greenpeace attackierten Konzerne BASF und Bayer wiesen die Vorwürfe zurück. Eine BASF-Sprecherin sagte, alle Pflanzenschutzprodukte des Konzerns „werden sehr ausführlich getestet, evaluiert und von den Behörden auf Basis der in den jeweiligen Ländern geltenden offiziellen Richtlinien zugelassen, bevor sie verkauft werden“. BASF verkaufe Pflanzenschutzmittel nur, wenn sie die Anforderungen des internationalen Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) erfüllten.

Bei Bayer hieß es, man verkaufe bereits seit 2012 keine Pflanzenschutzmittel mehr, die von der WHO als „besonders toxisch“ („Tox 1“) eingestuft seien. Zudem habe Bayer sich 2016 dazu verpflichtet, nur Pflanzenschutzprodukte zu vertreiben, deren Wirkstoffe in mindestens einem OECD-Industrieland registriert sind. Hinzu komme, dass auch Brasilien über strenge Zulassungsbestimmungen verfüge. „Zahlreiche in Brasilien verbotene Pflanzenschutzmittel sind andersherum in der EU durchaus zugelassen“, heißt es in der Stellungnahme. Eine Gefährdung von Verbraucher:innen durch Chemikalienrückstände sei durch die in der EU geltenden sehr niedrigen Grenzwerte ausgeschlossen. (Joachim Wille) *ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Getty images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare