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Im Graubereich der Geldanlage

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Jetzt ist wieder häufiger vom grauen Kapitalmarkt die Rede. Doch was ist das eigentlich? Und gibt es nur dort dubiose Anlagemöglichkeiten?

Der Graue Kapitalmarkt ist auf dem Vormarsch. So titelte vor zwei Wochen die ARD-Wirtschaftssendung „Plusminus“. Der Hintergrund: der Anlageskandal um die Container Firma P&R. Betroffen sind über 50 000 Anleger, der Schaden wird in die Milliarden gehen.

Die Mega-Pleite trifft viele Menschen, die zum Teil große Summen investiert haben mit dem Versprechen auf Sicherheit und eine ordentliche Rendite. Sie führt aber auch zu der Frage, wie es mit der Regulierung des Kapitalmarktes bestellt ist. In Berlin wollen die Grünen von der Bundesregierung 25 Fragen beantwortet wissen, welche Rolle die Finanzaufsicht bei dem Skandal gespielt hat. Und die Linken haben eine kleine Anfrage gestartet mit der Überschrift „Stand der Regulierung des Grauen Kapitalmarkts“.

Doch was ist das eigentlich, der Graue Kapitalmarkt? Eine offizielle Definition gibt es nicht. Gemeinhin werden darunter wenig, kaum oder gar nicht regulierte Kapitalanlagen verstanden, die ein hohes Risiko in Verbindung mit einer langen Laufzeit und/oder einer schlechten Verfügbarkeit aufweisen. Trennscharf ist diese Definition nicht.

Die Finanzaufsicht Bafin konzentriert sich auf die sogenannten Vermögensanlagen, für die es zwar bestimmte Regeln gibt, die aber nicht erlaubnispflichtig sind, wie es heißt. So definiert, ist der weiße Kapitalmarkt alles, was eine Erlaubnis der Bafin hat, also Bank- oder Versicherungsgeschäfte. Nicht beachtet werden dagegen Anlageprodukte, die gar nicht reguliert sind, zum Beispiel Goldsparpläne oder Investments in Pflegeimmobilien.

Doch ist reguliert immer gleich gut? Unseriöse Geschäftemacher finden sich überall. Finanzvermittler, die Renten-Verträge mit 70 Jahren Laufzeit zugunsten von Neugeborenen an deren Eltern verscherbeln, verkaufen ein Produkt des Weißen Kapitalmarktes. Umgekehrt gilt: Nicht alles, was nicht erlaubnispflichtig ist, muss unseriös sein. Es gibt durchaus Beteiligungen, die vernünftig gerechnet sind und echte Chancen bieten, die versprochene Rendite zu erzielen – auch wenn sie in der Minderheit sind.

Der Vormarsch das Grauen Kapitalmarktes findet übrigens nicht bei Sachwertanlagen statt, sondern im Internet und dort insbesondere auf Social-Media-Kanälen, mit unseriösem Trading, in Geschäften rund um Kryptowährungen wie Bitcoin.

Der Autor ist Teamleiter „Marktwächter Finanzen“ bei der Verbraucherzentrale Hessen.

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