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Sir Anthony Atkinson sagte 2015 der FR: „Eine zivilisierte Gesellschaft braucht hohe Steuern.“
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Sir Anthony Atkinson sagte 2015 der FR: „Eine zivilisierte Gesellschaft braucht hohe Steuern.“

Sir Anthony Atkinson

„Gottvater junger Ökonomen“ tot

  • Daniel Baumann
    VonDaniel Baumann
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Der renommierte Ungleichheitsforscher Sir Anthony Atkinson ist mit 72 Jahren gestorben. Sein letztes veröffentlichtes Buch brachte ihm erst vor einigen Monaten viel Lob ein.

Sein jüngstes Werk hat es gerade erst in die deutschen Buchläden geschafft: „Ungleichheit – Was wir dagegen tun können“, heißt es. Nun wird es zum Vermächtnis des großen britischen Ungleichheitsforschers Sir Anthony Atkinson, der am Neujahrstag im Alter von 72 Jahren gestorben ist. Er hinterlässt der Welt ein Werk zu einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: Wie lässt sich das Auseinanderdriften von Arm und Reich stoppen?

Die fundierte Analyse der gegenwärtigen Verhältnisse verbindet Atkinson mit konkreten Vorschlägen für eine geringere ökonomische Spaltung. Dabei wirbt er dafür, die Verhältnisse so zu gestaltet, dass der Staat weniger umverteilen muss, weil bereits der Markt weniger Ungleichheit produziert. Dazu nötig sei eine gerechtere Lohnverteilung und ein breiter gestreutes Kapitaleigentum. Konkret schlägt er vor, Gewerkschaften zu stärken, damit die Beschäftigten in Lohnauseinandersetzungen mehr Macht haben; in die Wettbewerbspolitik die Verteilungsfrage einzuführen; allen arbeitssuchenden Menschen einen öffentlichen Arbeitsplatz zu einem Mindestlohn anzubieten; Sparern mittels staatlicher Sparbriefe einen Realzins zu garantieren; und jedem jungen Menschen mit Erreichen des Erwachsenenalters eine Kapitalausstattung, ein sogenanntes Mindesterbe, zu gewähren.

Das sind nur einige der Vorschläge aus dem Buch, das bei den Kritikern auf viel Zuspruch gestoßen ist. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ lobte, es sei „sachlich fundiert und voll origineller Ideen“. Atkinson schreibe „gegen ein Gefühl der Alternativlosigkeit an“. Und die „Taz“ pflichtete bei: „Ein kluges, gescheit argumentierendes, herausforderndes Buch.“

Auch wenn Atkinson kaum geplant hatte, dass es sein letztes wird, so hinterlässt er damit doch ein Kondensat seines prallen Forscherlebens. Der Brite hatte ursprünglich Mathematiker werden wollen. Nach einem Aufenthalt als Krankenpfleger in Hamburg, wo er Armut aus eigener Ansicht kennenlernte, entschied er sich jedoch, Volkswirtschaft zu studieren. Seine akademische Karriere kam rasch in Fahrt. Er studierte bis 1966 in Cambridge und wurde 1971 Professor an der Uni Essex. Am renommierten MIT war er Gastwissenschaftler, später lehrte er als Professor an der nicht minder renommierten London School of Economics. Zuletzte forschte er in Oxford. Mit Joseph Stiglitz schrieb er eines der Standardwerke der Volkswirtschaftslehre („Lectures on Public Economics“) und als Berater war er für die EU sowie für die britische und französische Regierung tätig. Im Jahr 2000 wurde er in Großbritannien geadelt.

Die Betroffenheit über seinen Tod ist groß. Nobelpreisträger Paul Krugman nannte Atkinson einen „Pionier der Ungleichheitsforschung“, der Ökonom Branko Milanovic sprach von einem „großen Verlust für das Fach“. Der französische Ungleichheitsforscher Thomas Piketty hatte Atkinson schon vor seinem Tod als „Gottvater und das Vorbild für eine ganze Generation junger Ökonomen“ bezeichnet.

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