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Gorillas, Getir und Co: Verbraucherschutz mahnt Lieferdienste ab

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Ein Lieferfahrer des türkischen Lieferdienstes „Getir“ fährt mit seinem Fahrrad durch Berlin.
Ein Lieferfahrer des türkischen Lieferdienstes „Getir“ fährt mit seinem Fahrrad durch Berlin. © Michael Kappeler/dpa

Die Verbraucherzentrale hat Lieferdienst-Unicorns abgemahnt. Die Gründe: mangelnde Kennzeichnung der Lebensmittel und rechtswidrige Vertragsabschlüsse.

Berlin - Das Geschäft mit schnellen Essenslieferungen bis vor die Haustür boomt nicht erst seit gestern. Lieferdienste wie Gorillas, Flink und Getir sind in kurzer Zeit zu Unicorns herangewachsen. Dabei handelt es sich allgemein um Start-up-Unternehmen, deren Wert vor dem Börsengang oder einem Exit der Investoren auf mindestens eine Milliarde US-Dollar geschätzt werden. Allerdings stehen die Start-ups dieser Art immer wieder in der Kritik - besonders wegen vermeintlich schlechter Arbeitsbedingungen. Nun hat der Verbraucherschutz Gorillas, Flink und Getir abgemahnt.

Die Verbraucherzentrale in Deutschland beanstandet unter anderem die mangelnde Kennzeichnung der Lebensmittel. Der Grund: Onlineshops sind dazu verpflichtet, die gesamte Zutatenliste eines Nahrungsmittels sowie Allergene und Nährwerte anzugeben - genauso wie Supermärkte. Das gilt auch für Lieferdienste, die Onlinebestellungen anbieten.

Bei Lieferdiensten fehlen wichtige Angaben

Zudem müsse über den Grundpreis und die Herkunft eines angebotenen Produkts informiert werden. Bei Gorillas, Flink und Getir fehlten einige der notwendigen Angaben - oder waren nur schwer erkennbar, wie die Verbraucherzentrale mitteilt.

Auch bei den Kaufverträgen, die Schnelllieferdienste mit ihren Kund:innen abschließen, fand der Verbraucherschutz Mängel. Normalerweise sollte ein solcher Vertrag erst zustande kommen, wenn die Lieferung übergeben wird.

Doch die Lieferdienste sehen dies offenbar anders und erklären den Vertrag laut der Allgemeinen Geschäftsbedingungen schon mit dem Absenden der Bestellung für rechtsgültig. „Diese Verfahrensweise widerspricht rechtlichen Grundsätzen“, heißt es von der Verbraucherzentrale Berlin.

Getir zieht vor Berliner Landgericht

Zum Vergleich: Der Lieferservice von Rewe hält in seinen Geschäftsbedingungen einen Vertrag erst dann als abgeschlossen fest, wenn die Waren übergeben und bezahlt wurden. Vorher, so erklärt der Verbraucherschutz, könnte ein Unternehmen die Bestellung schließlich ablehnen.

Gorillas und Flink hätten auf die Abmahnung reagiert, wie der Verbraucherschutz mitteilt. Die Unternehmen wollten die beanstandeten Punkte ändern.

Getir – der mittlerweile indes Eigentümer von Gorillas ist – hingegen ist bis vor das Berliner Landesgericht gegangen. Das Urteil dort hat jedoch ebenfalls der Verbraucherzentrale recht gegeben. Getir muss seine Vertragsbedingungen nun anpassen. (Jan Wendt)

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