Umstrittene Kooperation

Google kauft Krankendaten

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Google schließt in den USA einen Vertrag mit einem klinikbetreiber. Experten warne vor dem Missbrauch persönlicher Daten. Die Analyse.

Vom „Jackpot“ ist bereits die Rede. Der Internetgigant Google hat mit dem US-Krankenhausbetreiber Ascension eine Kooperation vereinbart, die dem Suchmaschinen-Betreiber den Zugang zu einer riesigen Menge von personenbezogenen Gesundheitsdaten ermöglicht. Das Unternehmen machte seine Kooperation erst publik, als US-Medien bereits darüber berichtet hatten. Vergleichbare Deals sind hierzulande nicht vorstellbar, dennoch warnen Experten vor den Gefahren des Missbrauchs von Gesundheitsdaten.

Ascension ist eine der weltweit größten Gesundheitsorganisationen der katholischen Kirche. Sie betreibt 150 Krankenhäuser und Hunderte Pflegezentren in den USA. Schon spätestens im Februar 2019 wurden Datensätze von Millionen Patienten auf die Cloud-Server von Google übertragen. Zugleich stellt Google in dem Projekt mit dem Codenamen „Nightingale“ (Nachtigall) ein digitales Such-Werkzeug zur Verfügung, das Informationen von Patienten zusammenstellt und strukturiert. Es gibt komplette Patientenakten, inklusive Auskünften über Untersuchungen, Medikationen und Krankheiten. Das medizinische Personal soll sich auf diese Weise schnell und effizient über Diagnosen und Therapien informieren können.

150 Google-Beschäftigte haben offenbar Zugang zu den Datensätzen. Deren Aufbereitung wird mit Programmen umgesetzt, die mit künstlicher Intelligenz arbeiten.

Krankenhausbetreiber Ascension sagte in einem Statement, die Kooperation mit Google entspreche den Datenschutzbestimmungen. Google erklärte, die Patientendaten würden unter strengen Vorgaben im Auftrag von Ascension verarbeitet. Sie könnten nicht für andere Zwecke genutzt und auch nicht mit Konsumentendaten von Google verknüpft werden. Man habe das Projekt bislang nicht publik gemacht, weil einige Lösungen noch nicht im klinischen Einsatz seien.

Digitale Dienste im Bereich der Medizin gelten in der IT-Branche als ein Geschäft mit gigantischen Zukunftschancen. Von einem Billionen-Dollar-Markt ist immer wieder die Rede. Einerseits geht es darum, durch künstliche Intelligenz Krankheiten sehr früh zu erkennen. Die Datenanalysen sollen auch bei der Entwicklung neuer Therapien, insbesondere bei individualisierten Heilungsverfahren helfen. Auch bei hiesigen Krankenkassen oder großen Krankenhausbetreibern ist der Datenhunger enorm groß.

Andererseits lassen sich mit den personalisierten Gesundheitsdaten extrem feine Profile von Bürgern erstellen, die unter anderem für Versicherungen und Banken, aber auch für Sicherheitsbehörden extrem wertvoll sind.

Hierzulande gelten allerdings strengere Restriktionen als in den USA. Informationen dürfen weitgehend nur mit Einwilligung des Patienten an Dritte weitergegeben werden. Ferner gilt eine Verschwiegenheitspflicht der Behandelnden. Allerdings hat Gesundheitsminister Jens Spahn gerade das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ auf den Weg gebracht, mit dem die Daten von mehr als 70 Millionen gesetzlich Versicherten pseudonymisiert in einer Datenbank gespeichert werden sollen.

Datenschutzexperten weisen aber darauf hin, dass Konzerne wie Google das Knowhow haben, durch den Abgleich mit anderen Daten anonymisierte und pseudonymisierte Informationen doch wieder konkreten Personen zuordnen können.

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