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Goldbarren in der Fabrik des Pforzheimer Metallverarbeiters Agosi.

Zukunftsangst

Goldpreis klettert immer höher

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Kommt es zu einem Abschwung der Weltwirtschaft? Die Anleger jedenfalls schalten in den Krisenmodus.

Es ist die älteste und für manche auch die altmodischste Kapitalanlage: Gold. Im alten Ägypten soll das Edelmetall schon um das Jahr 2000 vor Christus eine ökonomisch wichtige Rolle gespielt haben. Gold ist in diesen Tagen wieder angesagt. Am Donnerstag schraubte sich der Preis in neue Höhen. Die Feinunze (31,1 Gramm) wurde an den Rohstoffmärkten zeitweise für mehr als 1420 Dollar gehandelt. Sie lag damit nahe am höchsten Wert seit gut sechs Jahren. Experten erwarten weitere Steigerungen.

Noch Ende Mai waren die 31,1 Gramm für weniger als 1300 Dollar zu haben. Bei dem Höhenflug kommen mehrere Faktoren zusammen. Den Ausschlag für den aktuellen Schub gab Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve. Nach Powells Worten ist trotz günstiger Arbeitslosenzahlen die Binnennachfrage in den USA schwach. Das macht er vor allem an der geringen Inflation fest. Die Notenbank werde nun geeignete Maßnahmen ergreifen. Börsianer bewerten das als Ankündigung einer baldigen Senkung der Leitzinsen in den USA. Zum ersten Mal in zehn Jahren würde es nach unten gehen. Beobachter erwarten, ein Minus um ein Viertel Prozent auf zwei bis 2,25 Prozent.

Hintergrund für das Schwächeln der Konjunktur in der größten Ökonomie der Welt sind letztlich die von Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreitigkeiten. Besonders ins Gewicht fällt der Konflikt mit China. Volkswirte erwarten, dass der Streit um gegenseitige Strafzölle mittlerweile heftig durchschlägt und das Wachstum der US-Wirtschaft im zweiten Quartal gebremst hat – in den ersten drei Monaten wuchs die Ökonomie noch kräftig. Powell will nun gegensteuern.

Geringere Zinsen bedeuten, dass die US-Währung nachgibt. Und da Gold im internationalen Handel in Dollar gehandelt wird, verbilligt sich der Kauf des Metalls für Investoren aus anderen Ländern in deren lokaler Währung.

Aber warum überhaupt nach dem gelblichen Metall greifen, das keine Zinsen und keine Dividenden bringen kann? Gold war schon immer ein sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Da es etwas Physisches ist, kann es nicht komplett wertlos werden wie etwa Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere. Und die Zeiten werden unsicherer.

Vor allem durch den schwer berechenbaren US-Präsidenten. Der Anstieg des Goldpreises lässt sich als Misstrauensvotum gegen Trump lesen. Es gab in den vergangenen Wochen unter anderem vom Internationalen Währungsfonds auch inständige Warnungen vor einer Eskalation der Handelskonflikte. Sie könnten eine globale Wirtschaftskrise auslösen, inklusive massiver Verwerfungen an den Finanzmärkten. Als weitere akut drohende Unsicherheit kommt der nahende Brexit hinzu. All das spielt in den Erwägungen von Verantwortlichen in Zentralbanken eine zunehmend wichtige Rolle.

Sie stocken deshalb ihre Goldreserven zur Absicherung auf. Sie wollen sich damit vor allem unabhängiger von der globalen Leitwährung machen: dem Dollar. Dem drohen gegenüber anderen Währungen noch erheblich deutlichere Verluste, wenn die große Krise tatsächlich kommt.

So hat nach Angaben des Internetportals Finanzen.net die staatliche chinesische Devisenbehörde die Goldreserven allein im Juni um 10,3 Tonnen erhöht. Seit Jahresbeginn seien 94 Tonnen gekauft worden. Zugleich wurden Dollarbestände deutlich verringert. Damit setzt sich eine Tendenz fort, die bereits im vergangenen Jahr zu erkennen war: Laut World Gold Council haben die Zentralbanken 74 Prozent mehr von dem Edelmetall gekauft als 2017.

Besonders aktiv ist auch Russland. Die dortige Zentralbank hat 2018 fast 90 Prozent des im eigenen Land geförderten Goldes in ihre Tresore gelegt. Das waren 274 Tonnen. Weitere Großeinkäufer sind die Türkei und Kasachstan. Aber auch Indien und Polen waren sehr aktiv. Die Käufe im großen Stil verknappen das Angebot, denn die weltweiten Fördermengen stagnieren seit Jahren.

Analyst Stephen Innes vom Investmenthaus Vanguard Markets sagte dem Finanzdienst Bloomberg, dass es zwar Rückschläge geben könnte – dass er aber überzeugt sei, dass es in den nächsten Wochen und Monaten sogar eine deutlich steigende Nachfrage nach Gold geben werde. Sein Kollege David Roche vom Analysehaus Independent Strategy sagte dem US-Fernsehsender CNBC, dass ein Preis von 2000 Dollar für die Feinunze zum Jahresende denkbar sei. Die 2000 Dollar sind eine Art magische Marke, die immer wieder beschworen wird, aber noch nie erreicht wurde.

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