+
Goldbarren und Goldmünzen sind wieder heiß begehrt.

Krisenwährung

Experten: Goldpreis kann weiter steigen

  • schließen

Die Krisenwährung Gold ist wieder heiß begehrt. Grund sind die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten weltweit.

Gold-Anhänger machen sich wieder Hoffnungen. Nachdem der Preis des Edelmetalls im vergangenen Jahr bis auf 1160 Dollar für die Feinunze (31,1 Gramm) gefallen war, geht es seit Mitte November aufwärts. Am Dienstag stieg der Preis für die Feinunze (31 Gramm) bis auf 1309 Dollar, das ist der höchste Stand seit Juni 2018. Anleger springen wieder auf, kaufen Münzen und kleinere Barren, wie Gold-Händler berichten. Gestützt auch durch die Prognosen von Experten und Banken, die, wie etwa die Bank of America Merrill Lynch, die niederländische ABN Amro oder das Bankhaus Julius Bär glauben, dass der Preis bis auf 1400 Dollar steigen kann. Grund sind die geopolitischen Unsicherheiten, die nicht gelösten Handelskonflikte, der Brexit, die globale Abschwächung der Konjunktur sowie steigende Zinsen in den USA, die Talfahrt der Aktienmärkte 2018 und die Verunsicherung an der Börse, ablesbar an den anhaltend starken Kursschwankungen. Im Gold sehen vor diesem Hintergrund offenbar etliche Anleger wieder einen sicheren Hafen. 

Schon im November sei die Zahl der verkauften Goldbarren zwischen 250 Gramm und einem Kilogramm „deutlich“ gestiegen, sagt Benjamin Summa, Sprecher des Edelmetall-Händlers Pro Aurum. Bei Goldmünzen seien der Krügerrand, der Maple Leaf und der Wiener Philharmoniker die absoluten Bestseller. Allerdings machten auch einige Anleger Kasse und verkauften angesichts des gestiegenen Preises Münzen und Barren. Beim anderen großen Edelmetallhändler Degussa Goldhandel hat sich das Geschäft auch deutlich belebt. Seit Jahresende habe sich die tägliche Nachfrage auf bis zu 200 Kilogramm Gold verdoppelt, berichtet Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach.

Verstärkte Nachfrage nach Gold-ETFs

Getrieben wird der Goldpreis auch durch die verstärkte Nachfrage nach Gold-Fonds, sogenannte ETFs. Dafür hinterlegen die Anbieter physisches Gold. Im Dezember hätten sie, heißt es beim World Gold Council, dem Verband der Gold-Lobby, weltweit 76 Tonnen für rund drei Milliarden Dollar gekauft. Insgesamt sollen allein bei europäischen Gold-ETFs die Bestände 2018 um fast 97 Tonnen gestiegen sein. Bei der Deutschen Börse etwa sorgte die Nachfrage nach dem Gold-Wertpapier Xetra-Gold 2018 zum Kauf von sieben Tonnen Gold. Jetzt lagern mehr als 181 Tonnen in den Tresoren des Unternehmens. „Insbesondere im vierten Quartal ist die Nachfrage deutlich gestiegen“, berichtet Deutsche Börse-Manager Steffen Orben. Er rechnet mit weiter steigendem Interesse von Vermögensverwaltern und Privatkunden an Xetra Gold. 

Schub kommt auch von den Notenbanken. Die chinesische Zentralbank hat allein im Dezember zehn Tonnen Gold gekauft. Russland stockt seine Bestände kontinuierlich auf. Auch die Notenbanken Ungarns, der Türkei und Indiens kaufen. „Die Zentralbanken sind wieder eine wesentliche Stütze der Goldnachfrage und damit auch des Goldpreises“, heißt es bei der Commerzbank. 

Verbraucherschützer und kritische Finanzexperten raten aber zur Vorsicht. „Gold ist und bleibt keine wirklich gute Geldanlage“, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom Verbraucherportal Finanztipp. Historisch gesehen habe das Edelmetall nur eine halb so hohe Rendite gebracht wie Aktien. Allenfalls als Beimischung mit maximal zehn Prozent des freien Vermögens sei Gold in Form von Münzen oder Barren eine Option, heißt es bei Finanztipp.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare