Anders als die meisten Privatbanken gehören die Sparkassen nicht Aktionären, sondern Städten, Gemeinden und Ländern.
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Anders als die meisten Privatbanken gehören die Sparkassen nicht Aktionären, sondern Städten, Gemeinden und Ländern.

Privatbanken

Goldenen Zeiten mit Renditen

  • Markus Sievers
    vonMarkus Sievers
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Lange war das Bankengeschäft so einfach und so profitabel, dass in den USA vom 3-6-3-Banker die Rede war. Dieses Drei-Säulen-Modell geriet in den 80er-Jahren mit der wachsenden Dominanz der angelsächsischen Finanzkonzerne zunehmend in die Kritik.

Lange war das Bankengeschäft so einfach und so profitabel, dass in den USA vom 3-6-3-Banker die Rede war. Der holte sich bei den Sparern für drei Prozent Zinsen das Geld, lieh es für sechs Prozent aus und ging um drei Uhr auf den Golfplatz. Ganz so lief es in Deutschland nie – schließlich war Golf hier nicht besonders populär. Doch auch in der alten Bundesrepublik erlebten die Herren in den dunklen Anzügen vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren goldenen Zeiten mit Renditen, von denen heute nur geträumt wird. Allerdings gab es hier eine Besonderheit, die der Gewinnjagd im Privatkundengeschäft Grenzen setzte. Bis heute teilen sich private Institute wie die Deutsche Bank den Markt mit den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken.

Inzwischen ein Segen

Dieses Drei-Säulen-Modell geriet in den 80er-Jahren mit der wachsenden Dominanz der angelsächsischen Finanzkonzerne zunehmend in die Kritik. Dennoch gilt es spätestens seit der globalen Finanzkrise wegen seiner Stabilität als Segen. Anders als die meisten Privatbanken gehören die Sparkassen nicht Aktionären, sondern Städten, Gemeinden und Ländern. Entsprechend konzentrieren sie sich auf das lokale Geschäft. Als Dachgesellschaften schufen sie die Landesbanken, von denen allerdings einige mit ihren internationalen Aktivitäten Schiffbruch erlitten. Die Volks- und Raiffeisenbanken als dritte Säule organisieren viele Kunden zugleich als Mitglieder – als Genossen. Noch mehr als die Sparkassen sind sie selbst in kleinsten Ortschaften vertreten.

Lange war dieser Wettbewerb aus dem öffentlichen oder halb-öffentlichen Sektor den privaten Banken ein Dorn im Auge. Vor allem der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer tat sich als Kritiker hervor und führte die im internationalen Vergleich eher unterdurchschnittlichen Profite in Deutschland auf diese Konkurrenz zurück. Noch immer tun sich hiesige Institute im globalen Maßstab schwer.

Die Debatte um das Drei-Säulen-System hat sich trotzdem beruhigt. Stärker als die Konkurrenz aus dem eigenen Lager machen den Banken inzwischen branchenfremde Unternehmen zu schaffen. Google, Amazon und Ebay/Paypal drängen mit großer Finanzkraft in die Domänen der traditionellen Anbieter. Die Digitalisierung dürfte das Filialsterben weiter beschleunigen. Zwar versprechen die Sparkassen ebenso wie die Volks-und Raiffeisenbanken oder auch die Commerzbank, die Kunden weiter vor Ort bedienen zu wollen. Dennoch hat sich die Zahl der Zweigstellen von fast 68 000 im Jahr 1995 bereits halbiert.

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