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1999 hatte das Schweizer Parlament die Goldbindung des Franken erst aufgehoben.

Schweiz Volksabstimmung

Die goldene Illusion in der Schweiz

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Am Sonntag stimmt die Schweiz darüber ab, ob der Franken zukünftig mit Gold unterlegt wird. Finanzexperten halten den Plan für gefährlich - denn das goldene Versprechen der Stabilität könnte sich als Illusion erweisen

Gold ist magisch. „Es erfüllt alle Wünsche dieser Welt und verhilft den Seelen ins Paradies“, glaubte Christoph Columbus. Das gelbe Metall verspricht Stabilität. Es rostet und altert nicht. Daher haben die Schweizer einen revolutionären Entschluss gefasst: Angesichts von Finanzkrise und gigantischer Geldvermehrung in der Welt soll der Schweizer Franken mit Gold unterlegt werden. Am Sonntag stimmt das Volk darüber ab. Die Zentralbank des Landes hält das Vorhaben für „gefährlich“.

Der Mann, der die Weltfinanzmärkte derzeit beunruhigt, heißt Luzi Stamm. Der 62-jährige Vize-Chef der rechtsgerichteten „Schweizerischen Volkspartei“ hat die Initiative „Rettet unser Schweizer Gold“ ins Leben gerufen, über die am Sonntag abgestimmt wird. Die Gold-Initiative hat drei Forderungen: Die Schweizer Nationalbank (SNB) muss mindestens 20 Prozent ihrer Vermögenswerte in Gold halten. Sie darf ihr Gold nicht verkaufen. Alle Goldreserven des Landes müssen in der Schweiz gelagert werden. Nur so könne der Wert des Schweizer Franken gesichert werden.

Hintergrund der Forderungen: Auch die SNB hat in den vergangenen Jahren massiv Geld „gedruckt“ und Milliarden in die Welt gepumpt. Wesentlicher Grund dafür war die Euro-Krise. Auf der Suche nach sicheren Häfen strömten damals die Investoren in die Schweiz. Folge: Der Franken wertete drastisch auf. Kostete ein Euro 2008 noch 1,70 Franken, so waren es zum Höhepunkt der Euro-Krise 2011 nur noch 1,10 Franken. Die Aufwertung war Gift für die exportabhängige Schweizer Wirtschaft.

Die SNB legte daher eine Franken-Untergrenze von 1,20 Franken je Euro fest, kaufte massiv Euro, verkaufte Franken, um den Kurs der Landeswährung zu drücken. Damit wuchs auch die Geldmenge – seit Krisenbeginn hat sich die SNB-Bilanz von 120 auf 522 Milliarden Franken aufgebläht.

Damit soll nun Schluss sein, fordert die Initiative. Der Gold-Anker soll der permanenten Geldvermehrung einen Riegel vorschieben und den Franken-Wert für alle Zeit sichern. Experten halten dies jedoch für eine Illusion. Denn der Plan der Gold-Initiative hat viele Fallstricke.

Um die Vorgaben zu erfüllen, müsste die SNB in den nächsten fünf Jahren massenhaft Gold erwerben. Verkauft sie dafür ihre Euro-Reserven, lässt dies den Franken aufwerten, „die Untergrenze von 1,20 Franken je Euro wäre nicht mehr aufrechtzuerhalten“, urteilt die VP Bank. Also müsste sie den Goldkauf über die Notenpresse finanzieren. „Das könnte inflationär wirken und läuft dem Grundgedanken der Gold-Initiative zuwider“, erklärt die VP Bank.

Aber auch in Zukunft wäre der Handlungsspielraum der SNB drastisch eingeschränkt: Will sie zum Beispiel den Franken-Kurs drücken und dafür ausländische Devisen aufkaufen, so müsste sie gleichzeitig Gold zukaufen, um den 20-Prozent-Anteil zu halten.

Was das bedeutet, zeigt ein Beispiel: Zwischen April und September 2012 erwarb die SNB Devisen im Wert von 180 Milliarden Franken, um seinen Kurs zu stabilisieren. Unter den Vorgaben der Gold-Initiative hätte sie dafür 830 Tonnen Gold kaufen müssen. „Eine feste Gold-Deckung wäre eine Einladung an die Spekulanten, gegen die SNB zu wetten und den Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro zu testen“, so Marina Lütje, Ökonomin bei der Deka-Bank. Denn die Spekulanten würden damit rechnen, dass die SNB auf die Franken-Stützung verzichtet, weil sie sich nicht mit so viel zusätzlichen Gold belasten will. Warum nicht? Weil sie es nicht mehr verkaufen darf.

Entscheidet sich die Zentralbank dennoch dazu, den Franken zu stützen und dafür Gold zu kaufen, stünde sie vor dem Problem: Sie wird es nicht mehr los, sie darf es nicht verkaufen – etwa um ihre Bilanz verringern und Franken aus dem Markt zu nehmen, um die Inflation zu bekämpfen. Das Verkaufsverbot macht aus dem goldenen Anker goldene Handschellen. In Krisenzeiten muss die SNB Gold erwerben, das auf ewig in ihrem Kellern liegen muss.

Daher wäre das Gold auch nutzlos, sollte der Franken einmal unter Abwertungsdruck kommen. „Zur Absicherung der Schweizer Wirtschaft ist der Goldbestand verloren, wenn er unverkäuflich ist“, so Carsten Fritsch von der Commerzbank. „Und da eine Reserve, die im Notfall nicht veräußert werden kann, auch keine Reserve mehr ist, ist es auch egal, ob das Gold der SNB in der Schweiz lagert, über die Welt verstreut ist oder im Vierwaldstättersee versenkt wird.“

Das goldene Versprechen der Stabilität erweist sich damit als Illusion. Denn um den Geldwert zu sichern, müssen Zentralbanken heutzutage flexibel sein. Das gelbe Metall aber ist totes Gewicht. „Fasst die Flügel des Vogels in Gold, und er wird sich nie wieder in die Lüfte schwingen“, schrieb dereinst der indische Philosoph Rabindranath Tagore.

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