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Waldbrand bei Santa Barbara 2019. Forscher sagen, die Waldbrandsaison in den USA dauere heute drei Monate länger wie noch 1970.

Klimawandel

„Golden State“ auf dem Trockenen

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Der Südwesten der USA könnte in Zukunft mit noch größeren Dürren zu kämpfen haben.

Kalifornien gilt als „Golden State“ – mit Sonne, Sand und Surfern. Der drittgrößte Bundesstaat der USA nach Texas und Alaska ist immer noch ein Sehnsuchtsziel für viele. Metropolen wie San Francisco und Los Angeles, ein fruchtbares Längstal, das Central Valley, in dem Obst, Gemüse und Wein auch für den Rest der USA angebaut werden, alpine Berge, grandiose Küsten, heiße Wüsten – all das findet man hier. Die Ökonomie ist stark, wäre Kalifornien mit seinen 40 Millionen Einwohnern ein eigener Staat, würde er als fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt firmieren.

Doch Kalifornien und die anderen Staaten im Südwesten der USA wie Arizona, Nevada und New Mexico könnten vom Klimawandel besonders stark getroffen werden. Die Niederschlagsmengen nehmen dort schon heute ab, da sich die subtropische Trockenzone aufgrund der globalen Erwärmung weiter nach Norden ausdehnt. Hinzu kommt, dass die Region sich überdurchschnittlich schnell erwärmt. Die mittlere Temperatur liegt in Südkalifornien heute bereits rund 1,8 Grad höher als in vorindustrieller Zeit, während die Landmassen der Erde sich im Durchschnitt um 1,5 Grad erwärmt haben. Diskutiert wird in der Klimaforschung sogar, ob ein Kipppunkt existiert, bei dessen Überschreiten der Südwesten der USA schlagartig mit noch größerer Trockenheit zu kämpfen hätte.

In der Geschichte Kaliforniens gab es immer wieder lange Trockenperioden, wie Wissenschaftler anhand der Analyse von Baumringen herausfanden, die ein natürliches Klimaarchiv darstellen. Während des sogenannten mittelalterlichen Klimaoptimums – vermutlich ausgelöst durch Änderungen in ozeanisch-atmosphärischen Zirkulationssystemen – gab es dort im zwölften Jahrhundert sogar 40 Jahre lang kaum Regen. In den vergangenen 50 Jahren kam es zu starken Dürren 1977, 1986 bis 1991, 2001/2002 und 2011 bis 2016. Tatsächlich war die letzte dieser Perioden die trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1895. Allerdings kann es zwischen solchen Perioden durchaus auch zu intensiven Niederschlägen kommen, wie 2017, als Kalifornien das Jahr mit den zweithöchsten Regenmengen seit Beginn der Aufzeichnungen erlebte.

Die Folgen der jüngsten Dürreperiode waren gravierend: Wälder brannten großflächig ab, der Grundwasserspiegel unter den bewässerten Feldern sank dramatisch, Tiere verendeten. Der damalige Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, rief 2014 den Dürrenotstand aus, 2015 ordnete er eine drastische Einschränkung der Wassernutzung für die Landwirtschaft an.

Eine Folge der unter dem Strich zunehmenden Trockenheit und der Erwärmung ist die Zunahme der Waldbrände, die auch nach dem Ende der langen Dürreperiode 2018 und 2019 in Kalifornien wüteten. Betroffen war dabei auch das Hinterland der Millionenstädte Los Angeles und San Francisco. Bis zu 200 000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, es gab mehr als 100 Tote, und in der Weinbauregion Sonoma zerstörten die Flammen eine Fläche von 30 000 Hektar, größer als das Stadtgebiet von München.


An und für sich sind Waldbrände für den Staat an der Westküste nichts Außergewöhnliches. Allerdings fällt auf, dass sich 15 der 20 zerstörerischsten Brände in seiner Geschichte seit dem Jahr 2000 ereigneten. Experten gehen davon aus, dass die Feuer durch die Klimaerwärmung eine neue Stufe erreicht haben. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Lage eindeutig verschärft. Die Waldbrandsaison dauert in den gesamten USA heute fast drei Monate länger als noch vor einem halben Jahrhundert, und in Kalifornien finden die Feuer in den Wald- und Buschregionen praktisch ganzjährig statt. Zudem sind die betroffenen Gebiete größer.

Man könne dem Klimawandel zwar nicht die Schuld am Ausbruch von Landschaftsbränden geben, meinte dazu der Feuerexperte Lindon Pronto vom „Global Fire Monitoring Center“ in Freiburg, einer Außenstelle des dortigen Max-Planck-Instituts für Chemie. Tatsächlich sind Blitze, Brandstiftung oder technische Fehler in der Infrastruktur, etwa defekte Stromleitungen, die Ursachen. „Aber der Klimawandel ist verantwortlich für das vermehrte Auftreten von Wetterextremen wie anhaltenden Trockenzeiten, die wiederum die Schwere und das Verhalten eines Brandes beeinflussen“, sagte er dem Online-Magazin „klimareporter.de“. Die Hitze lasse die Landschaft stark austrocknen. Die Kombination von hohen Temperaturen, niedriger Luftfeuchtigkeit und starken Winden könne dann „explosive Situationen“ verursachen.

Forscher erwarten zudem, dass der Klimawandel eine Verschiebung der Haupt-Waldbrandsaison vom Herbst in den Winter begünstigt – und sie befürchten, die Feuer könnten wegen der in dieser Jahreszeit noch trockeneren Vegetation dann länger dauern.

Doch manche Klimaexperten schließen auch noch weit gravierendere Veränderungen nicht aus. Klimamodelle sagen für den Südwesten der USA eine verstärkte Trockenheit, verringerten Schneefall in den Bergen, ein früheres Abschmelzen dieser „Wasserreserven“ und damit stärkere Wasserknappheit durch schwächer gespeiste Flüsse – etwa den Colorado River – voraus. Die Zahl der Tage mit extremer Hitzebelastung wird danach bis 2100 stark zunehmen.

Auch das Risiko für mehr und längere Trockenheitsperioden steige, gravierend allerdings erst in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Dürren könnten dann nach Klimamodellen bis zu zwölf Jahre und länger dauern, wie eine Studie von Wissenschaftlern um Professor Daniel Cayan ergab, der an der Universität von Kalifornien in San Diego lehrt. Dass die ungewöhnlich lange Trockenperiode im letzten Jahrzehnt bereits der Beginn einer jahrzehntelangen Megadürre sein könnte, ist allerdings noch Spekulation. In jedem Fall gilt aber: Tritt ein solches Ereignis ein – der „Golden State“ würde sein Prädikat „Golden“ verlieren.

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