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„Gold bleibt eine Versicherung“

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Von: Rolf Obertreis

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Immer ein sicherer Hafen: Gold.
Immer ein sicherer Hafen: Gold. © Alexander Heinl/dpa

Das Hanauer Unternehmen Heraeus glaubt an steigende Preise für Edelmetalle. Vor allem Silber könnte stark gewinnen.

Gold gilt traditionell in unruhigen Zeiten für Anlegerinnen und Anleger als sicherer Hafen. Allerdings hat sich diese Annahme im vergangenen Jahr nur bedingt bewahrheitet. 2021 ist der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) um rund vier Prozent auf 1806 Dollar gefallen. Immerhin hat er in Euro um gut drei Prozent zugelegt.

Für dieses Jahr erwarten die Experten des Edelmetall-Händlers Heraeus aus Hanau einen positiven Trend: Der Goldpreis könnte auf ein neues Rekordhoch von 2120 Dollar je Unze steigen. Allerdings ist die Bandbreite der Prognose von Heraeus groß: Es könnten auch nur 1700 Dollar werden.

„Gold bleibt ein sicherer Hafen und eine Versicherung gegen geopolitische Risiken, auch das Risiko eine anhaltend hohen Inflation ist positiv für Gold“, sagte André Christl, Chef der Edelmetall-Sparte von Heraeus am Dienstag bei der Vorstellung der Prognose. Gestützt werde die Entwicklung durch Gold-Käufe der Zentralbanken und durch eine gestiegene Nachfrage aus dem Schmuckbereich, auch wenn das Vor-Corona-Niveau unerreicht ist. Auf Schmuck entfällt rund die Hälfte der Goldnachfrage.

Rohstoff für Solaranlagen

Nach Angaben des Branchenverbands World Gold Council kauften Zentralbanken in den ersten neun Monaten 2021 fast 400 Tonnen Gold. Für Schmuck wurden 1323 Tonnen nachgefragt. Im Gegenzug seien weltweit in Minen knapp 2700 Tonnen Gold gefördert worden. Rund 830 Tonnen Gold seien von Januar bis Oktober recycelt worden.

Allerdings waren die Heraeus-Experten auch für das vergangene Jahr sehr zuversichtlich. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der Goldpreis sein Rekordhoch überschreite, hieß es im Januar 2021. Das hatte er im August 2020 mit 2072,50 Dollar erreicht. Diese Entwicklung hat sich allerdings nicht bewahrheitet. Gold hat im vergangenen Jahr einen Teil seines Rufes als Krisenmetall durch den Preisrückgang eingebüßt. Eher skeptisch sind die Fachleute des World Gold Council für 2022. Sie verweisen darauf, dass steigende Notenbank-Zinsen in den USA die Entwicklung bremsen könnten.

Gold wirft keine Zinsen ab, ein Vorteil für Anleger:innen ergibt sich allein durch einen steigenden Preis. Dagegen bringen zehnjährige US-Staatsanleihen derzeit wieder eine Rendite von rund 1,9 Prozent. Allerdings wird sie durch die hohe Inflation von zuletzt sieben Prozent real mehr als zunichte gemacht. Auch die Experten des Verbandes sehen aber eine zumindest bescheidene Unterstützung für den Gold-Preis durch Käufe der Notenbanken und eine höhere Schmucknachfrage. Das spreche für eine positive Entwicklung. Aber einen neuen Rekord sehen sie nicht.

Für Silber ist Heraeus noch zuversichtlicher als für Gold. Der Preis pro Feinunze werde sich zwischen 20 und 32 Dollar bewegen. Im vergangenen Jahr war er um rund sieben Prozent auf 23,30 Dollar gefallen. Das Rekordhoch liegt fast elf Jahre zurück. Im April 2011 kostete die Feinunze Silber 42,65 Dollar.

Als Grund für den Optimismus nennt Heraeus vor allem die um einen zweistelligen Prozentsatz anziehende Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen. Dafür ist Silber ein wichtiger Rohstoff. Zugleich werde das Edelmetall von steigenden Verkäufen von Smartphones und der Einführung des 5G-Standards profitieren.

Und die Nachfrage nach Schmuck und Tafelsilber werde wieder auf das Vor-Corona-Niveau zurückfinden, glauben die Heraeus-Fachleute. Sollte der Goldpreis steigen, werde Silber diesem Trend nicht nur folgen, sondern sich sogar besser entwickeln.

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