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Unter Druck: Unicredit-Chef Alessandro Profumo.
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Unter Druck: Unicredit-Chef Alessandro Profumo.

Unicredit

Götterdämmerung in Rom

  • Kordula Doerfler
    VonKordula Doerfler
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Der Machtkampf beim größten italienischen Geldhaus Unicredit ist entschieden. Bankchef Profumo reichte schriftlich seinen Rücktritt ein. Bisher galt er aber als Garant dafür, Unicredit halbwegs unbeschadet durch die Finanzkrise zu manövrieren.

Rom. Dem letzten Eklat ging Alessandro Profumo aus dem Weg. Noch ehe der Verwaltungsrat der italienischen Großbank Unicredit gestern Abend zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentrat, reichte der langjährige Chef von Italiens größtem Finanzinstitut schriftlich seinen Rücktritt ein. An der Sitzung, bei der über seine Zukunft entschieden werden sollte, nahm der 53-jährige gar nicht mehr teil.

Als Interims-Nachfolger wurde der Präsident des Verwaltungsrates und Ex-Chef der HypoVereinsbank, Dieter Rampl, gehandelt, der die Bank für eine Übergangszeit zusammen mit vier stellvertretenden Direktoren führen soll.

Hintergrund des Rücktritts ist ein sehr italienischer Konflikt um die Frage, wie groß der Einfluss der Politik auf Banken sein darf. Profumo führt die Unicredit seit 1997, und der einstige McKinsey-Berater hat die Gruppe von ursprünglich sieben norditalienischen Sparkassen nicht nur groß gemacht, sondern den Einzug der Moderne im konservativen italienischen Bankenwesen eingeläutet – mit Strukturreformen und einer offensiven Expandierungsstrategie. 2005 übernahm die Unicredit die HypoVereinsbank, heute ist sie in 22 Ländern tätig, und nur noch 40 Prozent ihres Kapitals sind in italienischer Hand.

Gleichzeitig versuchte Profumo mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Bank erneut zum Spielball der Politik wird. Damit hat er sich viele Feinde gemacht. Einflussreichste Aktionäre des Mailänder Bankhauses sind drei Sparkassenstiftungen, die zwölf Prozent der Anteile kontrollieren. Deren Spitzen wiederum werden von den politischen Kreisen gestellt, die in Norditalien immer mächtiger werden und als kleinerer Koalitionspartner in Rom auf der Regierungsbank sitzen. Entsprechend selbstbewusst tritt die Lega Nord sie auf. „Jetzt greifen wir uns die Banken“, gab Parteichef Umberto Bossi schon vor einem halben Jahr als Parole aus.

Profumo reagierte. Mit einer internen Reorganisation versuchte er, den Einfluss der Stiftungen zu begrenzen. Und er sorgte dafür, dass neue Aktionäre ausgerechnet aus dem Land hinzukamen, das jahrzehntelang als Paria der internationalen Staatengemeinschaft gegolten hatte: Seit zwei Jahren ist die libysche Zentralbank mit 4,9 Prozent an der Unicredit beteiligt, nicht zufällig.

Alleingang mit Libyen

Im August 2008 unterzeichneten Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi ein Freundschaftsabkommen, das eine neue Phase der Beziehungen zwischen der einstigen Kolonialmacht und dem nordafrikanischen Land eingeleitet hat. Italien leistet für die begangenen Verbrechen Wiedergutmachung mit milliardenschweren Investitionen in die Infrastruktur. Dafür erhält es bevorzugten Zugang zu den Energiequellen Libyens. Nicht nur Gaddafi ist seither gern gesehener Gast in Rom, auch um libysche Investoren bemüht sich die Regierung aktiv. Erst im August stieg ein weiterer Anteilseigner bei der Unicredit ein. Die staatliche Libyan Investment Authority erwarb 2,7 Prozent, doch hat Libyen eine Erhöhung der Anteile auf zehn Prozent angekündigt, obwohl offen ist, ob nicht schon die jetzige Beteiligung gegen Gesetze verstößt.

Lautstark wetterten Lega-Politiker gegen die „feindliche Übernahme“ aus Libyen und brachten damit Berlusconi in Bedrängnis. Doch der Angriff galt auch Profumo, der in Erklärungsnotstand geriet. „Ich habe die Libyer nicht geholt“, sagte er zwar. Der Verwaltungsrat aber wirft ihm vor, sie bewusst nicht informiert zu haben. Damit eskalierte der Machtkampf zwischen Rampl und Profumo. Über den Rücktritt von Italiens mächtigstem Banker war in den vergangenen Monaten mehrfach spekuliert worden. Bisher aber galt er als Garant, Unicredit halbwegs unbeschadet durch die Finanzkrise zu manövrieren.

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