Jamaika-Gespräche

Zum Glück uneinig

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Konträre Ansichten und Meinungen sind das Salz in der Suppe, gerade bei der Jamaika-Sondierung. Ein konstruktiver Diskurs ist erwünscht. Die Gastwirtschaft.

Seit Wochen werden die Nachrichten von einem Thema beherrscht: Die Verhandlungen zur Koalitionsbildung. Jamaika und das zähe Ringen um Einigung beschäftigt uns alle. Dabei wird gerade die Uneinigkeit in bestimmten Punkten immer wieder betont. Ob Vorratsdatenspeicherung, Terrorbekämpfung oder Klimaziele, bei kaum einem Thema sind sich die potentiellen Koalitionspartner einig. Genau das wird bemängelt. Zu Recht? JEIN!

Ja, weil die vehemente Standpunktverteidigung lediglich für Distanzierung zwischen den Parteien sorgt. Es wird unterschieden und abgegrenzt ohne das gemeinsame Ziel im Blick zu halten. Dabei sollten für die einzelnen Themen sinnvolle, nachhaltige Lösungen im Vordergrund stehen. Konstruktiver, kreativer Diskurs ist durchaus möglich, die Bedingung dafür ist „Unterscheiden ohne zu trennen“. Je länger dieselben Personen in den selben Diskussionsrunden dieselben Meinungen vertreten, desto eher genügen die Gespräche am Ende nur noch dem Selbstzweck: „Den eigenen Parteistandpunkt durchboxen.“

Harmonie macht dumm

Nein, weil Harmonie dumm macht. Die konträren Ansichten und Meinungen sind das Salz in der Jamaikanischen Suppe, wenn sie zur Lösungsfindung und zum Update des eigenen mentalen Modells genutzt werden. Wären sich alle möglichen Regierungsbeteiligten einig, teilten Sichtweisen und Haltungen, gäbe es keine Auseinandersetzung. Es gäbe keinen Grund mehr zu denken und das führt mittelfristig zu Dummheit, im Sinne mangelnder Kreativität und fehlenden Ideenreichtums.

Skizzieren wir ein einfaches Bild unserer Bundesregierung, so soll sie für uns Entscheidungen treffen, Weichen stellen, globale Verträge schließen und für uns Bürger sorgen. In einer vernetzten, dynamischen und komplexen Welt wie der unseren, braucht es dafür Kreativität, Ideen, Handlungsoptionen und Vielfalt. Es braucht das selbe Maß an Komplexität mit der die Welt uns begegnet. Und das entsteht durch Diversität in Meinungen, Kompetenzen, Kultur und Diskurs.

Bleibt zu hoffen, dass die Vertreter von Union, FDP und Grünen in den laufenden Gesprächen ihr gemeinsames Ziel fokussieren und die intensiven Diskussionen und verschiedenen Haltungen für die konstruktive Lösungsfindung nutzen.

Die Autorin ist Management-Beraterin. Zuletzt erschien von ihr das Buch „Die Irrtümer der Komplexität“.

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