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Bei klassischen Banken nimmt das Offline-Geschäft immer mehr ab. Sogenannte Smartphone-Banken gehen einen Schritt weiter und optimieren das Banking für das Handy.

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Girokonto für das Smartphone

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Das deutsche Fintech N26 zieht immer mehr Kunden und große Investoren an.

Ohne Filiale, ohne Bankautomat: N26 ist eine Bank für das Smartphone. Kunden sollen dennoch ein Girokonto eröffnen können, Geld transferieren und Anlagen tätigen, wie bei traditionellen Banken auch. Dazu arbeitet das Unternehmen mit anderen Finanz-Start-ups, sogenannten Fintechs zusammen, die sich auf einzelne Finanzdienstleistungen konzentriert haben. N26 steht mit einer eigenen Banklizenz damit als direkter Konkurrent Sparkasse, Volksbank und Co. gegenüber – auch wenn der Kundenstamm noch um einiges kleiner ist: Über eine Million Menschen hat das Start-up seit Marktstart 2015 für sich gewonnen. In 17 Ländern ist das Berliner Unternehmen aktiv.

Anders als Filialbanken aber agiert das Start-up ausschließlich digital. Dieser Gedanke allein ist keinesfalls neu. Direktbanken wie etwa die ING DiBa, die Comdirect oder die DKB bieten ausschließlich Onlineservices an. Auch bei klassischen Filialbanken nimmt das Offlinegeschäft ab, immer mehr Banken schließen Standorte. Viele Kunden treten mit ihrer Bank nur noch online in Kontakt.

Die sogenannten Smartphone-Banken gehen aber einen Schritt weiter und optimieren das Banking für das Handy. Das bedeutet Zusatzfunktionen werden installiert wie Push-Nachrichten, wenn beispielsweise der Kontostand ins Minus gerät oder kontaktloses Bezahlen mit dem Handy sind in die Kontofunktionen integriert. Geht die Girocard verloren oder wird gestohlen, lässt sich mit einem Häkchen in der App die Karte sperren – und wieder entsperren. Die Sicherheit wird garantiert durch das Einloggen mit Passwort und Fingerabdruck. 

Neben N26 ist beispielsweise Revolut aus Großbritannien ein solches Unternehmen, welches seit Herbst 2017 auch in Deutschland aktiv ist. Im Juni meldete Revolut zwei Millionen Kunden und damit doppelt so viele wie N26. Tomorrow, ebenfalls eine Smartphone-Bank, entwickelt von Gründern aus Hamburg, koppelt das mobile Banking mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit: Finanzierungen in erneuerbare Energien und ökologische Landwirtschaft. Seit Juli befindet sich Tomorrow in der Test-Phase.

Die angebotenen Dienstleistungen gehen teilweise sogar weit über den Finanzsektor hinaus. „Ein Premiumprodukt für den digitalen Lifestyle“ nennt N26 die Metal Mastercard. Dafür kann man seit Juni eine Mitgliedschaft abschließen. Im Preis enthalten sind Sprachlern-Apps oder Fitnessstudio-Mitgliedschaften, die gleich in mehreren Städten und Ländern gelten. „50 Prozent unserer Kunden sind unter 35 Jahre alt und reise- und digitalaffin. Das passt einfach zur Zielgruppe“, sagt Alexander Weber, Leiter der Abteilung International Markets von N26. Seiner Vision nach könnten Spotify- und Netflix-Abos im Rahmen der N26-Mitgliedschaft folgen
Versicherungsprodukte sind ebenfalls Teil des Angebots. „Banken, die kostenfreie Girokonten anbieten, wollen ihren Kunden natürlich weitere Dienstleistungen verkaufen, die dann auch Erträge einbringen“, sagt Niels Nauhauser, Experte für Finanzprodukte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Ob man die ganzen Extras dann auch braucht, muss jeder selbst entscheiden.“ Auf jeden Fall sei es ratsam bei solchen Premiumangeboten das Kleingedruckte zu lesen.

Denn auch Direktbanken müssen Geld verdienen. Bot N26 anfangs an, unbegrenzt kostenlos Geld an Bankautomaten in ganz Deutschland abzuheben, wurde dies kurze Zeit später zu teuer. Mittlerweile ist das kostenlose Bargeldabheben auf fünf Mal pro Monat begrenzt. Und nur wer eine gute Bonität hat, bekommt Zugang zum kostenfreien Basiskonto ohne Premiumprodukte. Von anderen werde ein geringer Betrag pro Monat verlangt, um die Fixkosten zu decken. „Mit jemandem der eine extrem schlechte Bonität hat, weil er zum Beispiel in der Vergangenheit einen Kredit nicht abbezahlt hat, können wir einfach weniger Geschäft machen und haben ein deutlich höheres Risiko“, sagt Weber. „Die meisten anderen Banken bieten dieser Kundengruppe gar kein Konto an. Wir haben uns bewusst dazu entschieden auch dieser Gruppe Zugang zu modernem Banking zu ermöglichen.“ 

Dennoch haben Branchenexperten dieses Verhalten kritisiert. Und nicht nur das. So bewirbt N26 ein Investmentprodukt damit, dass Kunden nur zehn Euro im Monat anlegen müssen. Zugleich ist die Mindestgebühr von 1,90 Euro pro Monat vergleichsweise hoch, so dass Verbraucherschützer zu Bedenken geben, dass eine geringe Anlagesumme durch die Gebühren letztlich aufgefressen werde.

Bankberater gibt es bei N26 nicht, wie auch bei vielen anderen Direktbanken. Das spart Kosten. Ein Nachteil bedeute dies aber nicht zwangsweise, bemerkt Verbraucherschützer Nauhauser. Nur dadurch könnten Direktbanken bessere Konditionen anbieten. „Der fehlende persönliche Bezug zu einem Bankberater ist meines Erachtens eher sogar von Vorteil“, so Nauhauser. Da in der Bank im Regelfall Produkte nur gegen Provisionen verkauft werden, sei eine objektive Beratung im Kundeninteresse ohnehin fast ausgeschlossen.

Die Investitionen in das neue Geschäftsfeld der Smartphone-Banken jedenfalls sind riesig. Mit 130 Millionen Euro erhielt N26 in diesem Jahr die bislang größte Eigenkapitalfinanzierung im deutschen Fintech-Sektor und wurde dafür öffentlich bejubelt. Neue Geldgeber und Miteigentümer sind der Versicherer Allianz und der chinesische Internetkonzern Tencent. Mit dem Geld soll nun auch der Markteintritt in Großbritannien noch in diesem Jahr und in den USA im kommenden Jahr finanziert werden. Bis Ende 2020 will N26 fünf Millionen Nutzer haben. 

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