Flugverkehr

Gipfel-Show

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) liebt Gipfel, und das nicht nur, weil er aus Bayern kommt. Ein Erfolg war der Luftverkehrsgipfel gleichwohl nicht. Ein Kommentar.

Der Hamburger Luftverkehrsgipfel hat alles andere gebracht als ein wuchtiges Maßnahmenpaket gegen Flugausfälle und Verspätungen. Hätten die relevanten Beteiligten – Politik, Airlines, Flughäfen und Flugsicherung – ihre Hausaufgaben gemacht, wäre das Treffen ohnehin nicht nötig gewesen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) liebt Gipfel, und das nicht nur, weil er aus Bayern kommt. In der Politik dienen Spitzentreffen und Runde Tische vor allem einem Zweck: Sie sollen beruhigen. Es geht um das Signal, dass ein Problem erkannt ist und Lösungen gesucht werden.

Die Wahrheit ist aber, dass sich die Schwierigkeiten nicht über Nacht beseitigen lassen. Der Fachkräftemangel bei den Fluglotsen ist inzwischen so groß, dass selbst eine beherzte Ausbildungsoffensive ihn nicht kurzfristig beseitigen kann. Dass die Airlines versprechen, ihre Flugzeugdispositionen auf den Prüfstand zu stellen, um das Risiko von Kettenverspätungen zu minimieren – schön und gut. Man fragt sich allerdings, warum sie es nicht längst getan haben.

Wahrscheinlich deshalb, weil der wirtschaftliche Anreiz fehlt. Der Druck des Wettbewerbs hat jedenfalls bislang nicht zu mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit für Reisende geführt. Entschädigungen könnten ein Regulativ sein. Aber nur dann, wenn die Airlines auch fürchten müssten, dass die Kunden ihre Ansprüche auch geltend machen. In der Praxis scheitert dies an komplizierten Verfahren und überbordender Bürokratie. Die Bundesregierung täte deshalb gut daran, sich in Europa für Fluggastrechte einzusetzen, die ihren Namen auch verdienen. Das wäre mehr als jede Gipfel-Show.

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