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Der Streamingdienst Netflix, hier prominent präsent mit einem Werbebanner in Mumbai, hat die ganze Branche umgekrempelt.

Film- und TV-Branche

Gigantischer Poker

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In Hollywood spielt sich ein gewaltiger Übernahmekampf ab. Es geht letztlich um die Hegemonie in der Film- und TV-Branche. Eine Analyse.

Manche Beobachter sprechen davon, dass alles ganz harmlos begonnen habe. Ende 2016 war das. Aber schon damals wollte Rupert Murdochs Medienholding 21st Century Fox immerhin 15,5 Milliarden Dollar (rund 13 Milliarden Euro) auf den Tisch legen, um sich den Bezahlsender Sky komplett einzuverleiben. 61 Prozent der Anteile sollten zu den 39 Prozent kommen, die Fox schon besaß. Irgendwie rüttelte das den Disney-Konzern wach, der dann die gesamte Fox-Gruppe übernehmen wollte – für 52,4 Milliarden Dollar. Doch plötzlich grätschte ein anderer US-Mediengigant dazwischen: Comcast bot 65 Milliarden, Disney erhöhte auf 71,3 Milliarden.

Bei diesem Pokerspiel mit den extrem hohen Einsätzen geht es letztlich um die Hegemonie in der Film- und TV-Branche. Die Etablierten nebst angeschlossenen Hollywood-Studios sind aufgeschreckt worden durch Netflix. Der Newcomer war schon zeitweise der wertvollste Film- und TV-Konzern der Welt, er hängte damit Disney ab. 

Netflix hat die Branche mit dem Abrufen von bewegten Bildern aus dem Internet umgekrempelt. Amazon hält mit seinem Streaming-Angebot einigermaßen mit. Doch den Kabel-TV-Anbietern laufen in den USA scharenweise die Kunden weg.

Die Folge ist eine Strategie der Gigantomanie – was der Telekom-Riese AT&T mit der Übernahme von Time Warner vorbildlich illustrierte. Die Unternehmen setzen darauf, möglichst viele Bausteine ihres Geschäfts zu kontrollieren: insbesondere die Infrastrukturen (Kabel- und Telekomnetze) und die Inhalte (Film- und TV-Produzenten). Comcast etwa kommt aus der Infrastrukturecke, kontrolliert aber bereits die traditionsreichen Universal-Studios. Disneys Stärke sind nach wie vor Animationsfilme und die Star-Wars-Reihe. Doch der Konzern will 2019 seinen eigenen Streamingdienst aufbauen. 

Für beide Interessenten ist Fox höchst interessant, produzieren Murdochs Film- und Fernsehstudios doch viele erfolgreiche Reihen und Serien wie die Simpsons oder die X-Men-Filme. Und die Sky-Beteiligung sei im Fox-Portfolio ein „echtes Kronjuwel“, so Disney-Boss Bob Iger – mit den 23 Millionen Abonnenten in fünf europäischen Ländern besteht für die Amerikaner die Chance einer Expansion auf den Alten Kontinent. 

Das haben natürlich auch die Comcast-Manager bemerkt und ein eigenes Angebot nur für Sky vorgelegt, das mit 12,50 Pfund (rund 14,10 Euro) pro Aktie 1,75 Pfund über der immer noch bestehenden Offerte von Fox liegt. Bis Freitag müssen die Sky-Aktionäre entscheiden, ob sie verkaufen oder nicht. Nun rechnen aber viele Beobachter damit, dass Fox vorher noch einmal den Einsatz in diesem Pokerspiel erhöht.

In US-Medien jedenfalls ist allenthalben vom Endspiel im Übernahmekampf zu lesen. Und viele Beobachter gehen davon aus, dass Fox und Sky letztlich bei Disney landen. Murdoch hat von Anfang an größere Sympathie für Disney gezeigt, weil er dem Konzern nachhaltig hohe Gewinne zutraut. Und davon würde Murdoch profitieren, denn die Übernahme soll zum Teil in Disney-Aktien gezahlt werden. Und Comcast? Die Manager werden sich ein neues Übernahmeziel suchen. Als heißer Kandidat wird Sony-Pictures mit den Columbia-Studios genannt. 

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