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Eine Kundin inspiziert das Blumenangebot: In den meisten Sträußen lassen sich Gifte nachweisen.
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Eine Kundin inspiziert das Blumenangebot: In den meisten Sträußen lassen sich Gifte nachweisen.

Öko-Test

Giftige Grüße

Mit Blumensträußen werden zum Muttertag oft auch Pestizide verschenkt: In 22 Sträußen, die von der Zeitschrift Öko-Test untersucht wurden, fanden die Tester 56 verschiedene Pflanzenschutzmittel.

Von Max Biederbeck

Am achten Mai ist nicht nur Muttertag. Es ist auch Hochsaison für Konditoren und Floristen. Die Pflanzen des netten Blumenverkäufers aus der Nachbarschaft kommen aber nur selten aus dem eigenen Gewächshaus. Die Sträuße haben meist einen weiten Weg hinter sich. Oft stammen sie aus Kenia, Uganda oder Ecuador. Sie werden in die Niederlande geliefert und dort versteigert.

Mehr als die Hälfte des Weltblumenhandels wird auf diesem Weg abgewickelt. Die Pflanzen kommen per Flugzeug oder Lastwagen nach Europa. Das Angebot des kleinen Blumenladens von nebenan liefert in der Regel keinerlei Hinweise, wo und wie die Pflanzen gezogen wurden.

Von den beim Massenanbau benutzen Pestiziden erfährt der Kunde kaum etwas. Sie führen bei den Arbeitskräften in den Anbauländern zu Unfruchtbarkeit und Fehlgeburten. Nach Angaben der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt sterben allein in Kenia jährlich tausend Menschen an Pestizidvergiftung, und auf den Philippinen wurde ein vermehrtes Auftreten von Nierenschäden und Krebs beobachtet.

Die Zeitschrift Öko-Test hat jetzt 22 Sträuße verschiedener Anbieter auf giftige Substanzen hin überprüft. Die Ergebnisse – im Detail nachzulesen in der Mai-Ausgabe des Magazins – sind alarmierend. Pro Strauß fanden die Tester bis zu 20 verschiedene Spritzgifte auf Blüten und Blättern. Von den Substanzen sind 14 nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA „wahrscheinlich“ oder „möglicherweise krebserregend“. Elf Produkte sind in der EU nicht mehr erlaubt, vier erachtet die Weltgesundheitsorganisation WHO als „hoch gefährlich“.

Laxe Vorschriften

Problematisch ist vor allem eines: Die bestehenden Schutzsiegel geben in vielen Fällen keine Garantie auf einen Verzicht von Pflanzenschutzgiften. So stellen sich die Verbotslisten der Labels „Flower Label Program“ (FLP), „Fair Flowers Fair Plants“ (FFP) und auch „Fairtrade“ beim genaueren Hinsehen als Papiertiger heraus.

FLP wird unter anderem von Brot für die Welt und Gewerkschaften getragen, FFP ist ein Siegel aus den Niederlanden. Pestizide, die in Europa nicht verwendet werden dürfen, sind in diesen Listen als erlaubt aufgeführt.

Auch das „Umweltprogramm Zierpflanzen“ (MPS-Standard) der niederländischen Blumenindustrie gibt keine sichere Auskunft über die verwendeten Gifte. Zwölf der getesteten Blumensträuße sind nach diesem Standard zertifiziert. Der schließt jedoch 56 Substanzen nicht aus, die von Öko-Test und Greenpeace als „hoch gefährlich“ eingestuft werden. In der Liste stehen lediglich Stoffe, die ohnehin nicht mehr verwendet werden.

MPS selbst erklärt dazu: „Das System ist so eingerichtet, dass es dazu anregt, möglichst wenig schädliche Mittel einzusetzen.“ Die Komplexität des Verbots von giftigen Stoffen sei „gut mit der Diskussion beim Sport zu vergleichen“. Auf Nachfragen von Öko-Test gaben fast alle Anbieter von Schnittblumen an, sich an „Labels und Zertifizierungen“ zu orientieren. Fleurop und Lidl äußerten sich überhaupt nicht.

Die Verantwortung sehen viele Unternehmen nicht bei sich, sondern den Anbaubetrieben. Diese Ansicht vertreten etwa Aldi Nord und Aldi Süd, die Unternehmensverantwortung aber als „fester Bestandteil der Strategie“ für sich reklamieren wollen.

Die Tester empfehlen Käufern, sich am Fairtrade Label zu orientieren. Zwar sei auch hier das Verbot von Giften nicht weitgehend genug. Doch im Vergleich zu den anderen Siegeln seien die Vergabebedingungen am strengsten.

Wegen der Belastung sollten gekaufte Blumen nicht per Kompost oder Biotonne entsorgt werden. Sie gehören in den Restmüll.

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