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Gift ausgerechnet im Edelsakko

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Von: Stefan Sauer

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Die wahren Trendsetter in Sachen Entgiftung sind gerade nicht die edlen Labels, sondern die Hersteller von Alltagsklamotten.
Die wahren Trendsetter in Sachen Entgiftung sind gerade nicht die edlen Labels, sondern die Hersteller von Alltagsklamotten. © rtr

Ausgerechnet Luxushersteller verwenden laut Greenpeace nach wie vor gesundheits- und umweltgefährdende Substanzen in Produktion und Produkten. Wie steht es um  Massenanbieter, große Modeketten und Klamotten vom Discounter?

Viele internationale Modehersteller und Textilhandelsketten verzichten mittlerweile auf gesundheitsgefährdende Chemikalien und Umweltgifte. Das ist die gute Nachricht, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Donnerstag verbreitet hat. Die schlechte lautet: Andere Firmen scheren sich keinen Deut darum, dass ihre Erzeugnisse weiterhin krebserregende und hormonell wirksame Substanzen enthalten und dass ihre Fabriken mit hochgiftigen Abwässern die Umwelt belasten. Dabei stehen auf der einen Seite Luxusmarken wie Luis Vuitton, Versace und Giorgio Armani, auf der anderen Seite finden sich Massenanbieter wie H&M, Esprit oder Adidas.

Die Vermutung, gerade die hochpreisigen Produkte seien besonders umwelt- und gesundheitsschonend, liegt nahe. Falsch ist sie trotzdem. Die wahren Trendsetter in Sachen Entgiftung sind gerade nicht die edlen Labels, sondern die Hersteller von Alltagsklamotten. 16 von 18 globalen Textilfirmen, die sich vor gut zwei Jahren Greenpeace gegenüber zu giftfreier Produktion bis zum Jahr 2020 verpflichtet hatten, sind aktuellen Laboruntersuchungen zufolge auf bestem Wege, dieses Ziel zu erreichen. Neben H&M, Adidas und Esprit zählt Greenpeace C&A, Benetton, Burberry, Fast Retailing, G-Star, Inditext (Zara), Levy Strauss, Limited Brands, Mango, M&S, Primark, Puma, und Valentino zu den „Detox-Leaders“, den Entgiftungs-Trendsettern.

All diesen Firmen bescheinigen die Umweltschützer, sie hätten Alkylphenolethoxilate, Weichmacher sowie  per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) bereits vollständig oder zumindest großenteils  aus ihrer Produktion und damit auch aus den Textilien verbannt. Bis 2020, so die Prognose, werden die gefährlichen Stoffe von den Firmen gar nicht mehr verwendet. Denn einige dieser Substanzen stehen im Verdacht. Krebserkrankungen auszulösen;  andere greifen in den menschlichen  Hormonhaushalt ein und können beispielsweise zu Unfruchtbarkeit führen.

Neben den genannten Firmen haben sich die Lebensmitteldiscounter Lidl und Penny sowie der Kaffeeröster Tchibo auf den Giftverzicht bis 2020 einschwören lassen. Mit Aldi laufen derzeit Gespräche, um auch diesen Discounter zur Selbstverpflichtung zu bewegen. Ein solcher schritt wäre durchaus von Belang. Schließlich spielen die preisgünstigen Lebensmittelketten im deutschen Bekleidungssektor mittlerweile eine bedeutsame Rolle. Laut Greenpeace zählen Lidl, Aldi und Tchibo zu den zehn umsatzstärksten Textilhändlern des Landes. Ebenfalls zu giftfreier Herstellung haben sich einige bedeutsame, wenn auch wenig namhafte Zulieferfirmen mit Sitz in Italien verpflichtet.

Damit kommt die Aufzählung der vorbildlichen Firmen allerdings ans Ende. Zwar haben auch der weltgrößte Sportartikelhersteller Nike sowie der chinesische LiNing-Konzern  Greenpeace gegenüber gelobt, auf gesundheits- und umweltgefährdende Stoffe bis 2020 zu verzichten. Ihrer Verpflichtung sind sie nach Angaben der Umweltschützer bisher allerdings in keiner Weise nachgekommen. Nike und LiNing hätten weder die in Rede stehenden Chemikalien aus der Produktion verbannt, noch die vereinbarten Abwasserdaten veröffentlicht. Diese Firmen bezeichnet Greenpeace als „Greenwasher“, die sich lediglich ein umweltfreundliches Mäntelchen umhängten, in Wahrheit aber weiter machten wie bisher. Dabei täten gerade in China süßwasserschonenden Herstellungsmethoden Not: Laut Greenpeace sind an den großen  chinesischen Textilstandorten 60 Prozent der Trinkwasserreserven ernsthaft verschmutz, ein Zehntle des landesweiten Industrieabwasser stammt aus der Bekleidungsindustrie.

Ganz unten auf der Greenpeace-Liste  stehen ausgerechnet Firmen, die für eine Kundschaft ganz oben produzieren. Viele Luxushersteller haben sich bisher nicht einmal zu einer Selbstverpflichtung auf den Giftverzicht bereit gefunden. Dazu zählen Marken und Labels wie Gorgio Armani, Dolce & Gabbana, Louis Vuitton, Givenchy, Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Versace. Diesel, Bestseller, gap, Metersbonwe, PVH und Vancl verwenden nach Greenpeace-Angaben ebenfalls  gefährliche Substanzen. Und auch sie haben bisher keine Anstrengungen erkennen lassen, an diesem Zustand etwas zu ändern.

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